Einkommensunterschiede beeinflussen Hypertonieversorgung in Krisenzeiten

Eine japanische Studie untersucht den Einfluss des Einkommens auf die regelmäßige medizinische Versorgung von Hypertoniepatienten seit der COVID-19-Pandemie. Einkommensbedingte Unterschiede traten 2020 auf, verschwanden aber in späteren Jahren. Wie wirkt sich dies auf die Versorgung aus?

Frau Depression

Die COVID-19-Pandemie führte weltweit zu erheblichen Veränderungen im Gesundheitsverhalten. Besonders betroffen waren Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Hypertonie – einem zentralen Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen. Studien belegen, dass sich die Blutdruckkontrolle selbst bei medikamentöser Behandlung vielerorts verschlechterte.

Studie zeigt klare Einkommensunterschiede bei medizinischen Besuchen

Die vorliegende Studie, veröffentlicht in Hypertension Research, untersuchte den Zusammenhang zwischen dem Äquivalenzeinkommen und dem Verzicht auf regelmäßige medizinische Besuche bei Hypertoniepatienten. Mit Daten der Japan COVID-19 and Society Internet Survey (JACSIS) von 2020 bis 2023 analysierte die Studie den Einfluss des Einkommens auf die medizinische Versorgung während und nach der Pandemie.

Niedriges Einkommen verstärkt Verzicht auf Arztbesuche

Die Studie umfasste 2832 Patienten im Alter von 20 bis 79 Jahren. Basierend auf dem Medianeinkommen wurden die Teilnehmer in Gruppen mit niedrigerem (<¥3.182.000) und höherem Einkommen (≥¥3.182.000) eingeteilt. Der Verzicht auf regelmäßige medizinische Besuche wurde anhand von Selbstauskünften erhoben. Zur Analyse wurden Poisson-Regressionsmodelle verwendet, um Einkommensunterschiede zu bewerten.

Langfristige Trends: Einkommensbedingte Unterschiede nehmen ab

  • 2020: 19,6% der Patienten mit niedrigerem Einkommen verzichteten auf medizinische Besuche, im Vergleich zu 8,8% in der höheren Einkommensgruppe.
  • Langfristige Entwicklung: Nach 2020 gingen die Verzichtsraten in beiden Gruppen zurück, und die Unterschiede verschwanden.

Frauen mit geringem Einkommen besonders stark betroffen

Frauen in der niedrigeren Einkommensgruppe waren besonders betroffen, mit einer dreifach erhöhten Wahrscheinlichkeit des Verzichts auf medizinische Besuche. Zeitliche und finanzielle Einschränkungen könnten diese Unterschiede erklären.

Strategien zur Reduzierung von Ungleichheiten sind dringend notwendig

Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung sozioökonomischer Faktoren in der medizinischen Versorgung. Während der Pandemie waren finanzielle Einschränkungen ein Hauptgrund für den Verzicht auf Arztbesuche. Strategien wie Telemedizin oder gezielte finanzielle Unterstützung könnten helfen, Ungleichheiten in zukünftigen Krisensituationen zu reduzieren. Es bleibt jedoch essenziell, einkommensbedingte Ungleichheiten in der Gesundheitsversorgung zu adressieren und langfristig systematisch anzugehen.

Autor:
Stand:
08.01.2025
Quelle:

Toyama et al. (2025): Association between equivalized annual household income and regular medical visits for hypertensive patients since the COVID-19 outbreak. Hypertens Res (2025), DOI: 10.1038/s41440-024-02067-x

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden
Orphan Disease Finder
Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen: