Candidiasis gehört zu den häufigsten Pilzinfektionen weltweit und reicht von oberflächlichen Infektionen bis hin zu lebensbedrohlichen, invasiven Formen. Die zunehmende Resistenz gegenüber Antimykotika und die wachsende Verbreitung multiresistenter Spezies wie Candida auris erschweren die Therapie erheblich. Gleichzeitig bleibt die frühzeitige und präzise Diagnosestellung eine zentrale Herausforderung in der klinischen Praxis.
Eine neue internationale Leitlinie, veröffentlicht in 'The Lancet Infectious Diseases', setzt nun globale Standards für die Diagnostik und Behandlung von Candida-Infektionen. Federführend erarbeitet wurde sie von einem internationalen Expertenteam unter der Leitung von Prof. Dr. Oliver A. Cornely (Universitätsklinikum Köln) in Kooperation mit der European Confederation of Medical Mycology (ECMM), der International Society for Human and Animal Mycology (ISHAM) und der American Society for Microbiology (ASM).
Neue Leitlinie: Strukturierte Empfehlungen für Prävention, Diagnostik und Therapie
Die Leitlinie bietet eine umfassende Analyse verschiedener Candida-Infektionen und formuliert evidenzbasierte Empfehlungen zur Prävention, Diagnostik und Therapie. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf innovativen diagnostischen Verfahren und der Behandlung therapieresistenter Stämme.
Diagnostische Verfahren
Die Leitlinie empfiehlt ein strukturiertes diagnostisches Vorgehen, das sowohl klassische als auch moderne molekulargenetische Methoden einbezieht. Hierzu zählen:
- Blutkulturen und mikroskopische Untersuchungen als Basisdiagnostik
- Antigen- und Antikörpertests zur frühzeitigen Erkennung invasiver Infektionen
- Molekulare Schnelltests zur Identifikation resistenter Candida-Spezies
- Bildgebende Verfahren bei Verdacht auf invasive Candidiasis
Therapeutische Ansätze
Basierend auf einer umfassenden Literaturauswertung enthält die Leitlinie aktualisierte Therapieempfehlungen für verschiedene Candida-Infektionen:
- Oberflächliche Candidiasis: Lokale Antimykotika bleiben die Therapie der Wahl.
- Invasive Candidiasis: Echinocandine gelten als First-Line-Therapie bei schweren systemischen Infektionen.
- Resistente Candida-Spezies: Bei multiresistenten Stämmen wie Candida auris sind alternative Wirkstoffe und Kombinationstherapien erforderlich.
- Prävention: Patienten mit hohem Risiko, wie immunsupprimierte Personen oder Intensivpatienten, profitieren von gezielten Prophylaxemaßnahmen.
Bedeutung der Leitlinie für die klinische Praxis
Mit der Veröffentlichung dieser Leitlinie steht ein evidenzbasiertes Werkzeug zur Verfügung, das aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse in praktikable Handlungsempfehlungen überführt. Besondere Relevanz besitzt sie für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen, in denen invasive Candida-Infektionen eine erhebliche Mortalitätsrate aufweisen.
Prof. Cornely betont: „Mit dieser Leitlinie haben wir einen wichtigen Schritt zur Optimierung der Candida-Therapie weltweit unternommen.“ Seine Co-Leiterin Dr. Rosanne Sprute ergänzt: „Unser Ziel war es, ein praxisnahes und wissenschaftlich fundiertes Instrument für Ärzte und Fachkräfte im Gesundheitswesen bereitzustellen.“
Die Leitlinie wurde von 76 internationalen Fachgesellschaften validiert und setzt einen neuen, globalen Standard für das Management von Candida-Infektionen.










