Die Einführung der antiretroviralen Therapie (ART) hat seit 1996 zu einem deutlichen Rückgang der AIDS-bedingten Todesfälle geführt. Mit einer globalen ART-Abdeckung von 77% im Jahr 2023 leben Menschen mit HIV heute deutlich länger und gesünder. Dennoch bleibt ihre Sterblichkeit höher als die der Allgemeinbevölkerung, was auf zusätzliche Risiken und Komorbiditäten hinweist.
In einer systematischen Übersichtsarbeit und Meta-Analyse, die im Journal of the International AIDS Society veröffentlicht wurde, analysierten Trickey et al. acht Studien aus Ländern mit hohem Einkommen, um den Anteil AIDS-assoziierter Todesfälle an der Übersterblichkeit von Menschen mit HIV sowie die Bedeutung nicht-AIDS-assoziierter Todesursachen zu untersuchen.
Studien aus Europa, Kanada, Südkorea und Japan analysiert
Acht Kohortenstudien aus Ländern mit hohem Einkommen wurden analysiert und deckten insgesamt 1,33 Millionen Personenjahre sowie 17.471 Todesfälle ab. Der Vergleich von HIV-Patienten mit alters- und geschlechtsangepassten Personen aus der Allgemeinbevölkerung diente dazu, die Übersterblichkeit und den Anteil AIDS-assoziierter Todesfälle zu bestimmen.
Die Studien umfassten Daten aus Europa (England, Schweden, Spanien und Lettland), Kanada, Japan und Südkorea, wobei die Mehrheit der Studienteilnehmer aus Europa stammte. Der Anteil weiblicher Patienten lag durchgehend unter 40%, und das mittlere Alter bei Studienbeginn betrug etwa 36 bis 38 Jahre. Ein Großteil der HIV-Patienten war gegen Ende der Beobachtungszeiträume auf eine antiretrovirale Therapie eingestellt, wobei der ART-Abdeckungsgrad zwischen 32% und 91% schwankte.
AIDS-assoziierte Mortalität wurde entweder anhand von ICD-10-Kodierungen, spezifischen Protokollen wie dem CoDe-Projekt oder durch ärztliche Einschätzungen auf Basis von Todesbescheinigungen definiert.
Übersterblichkeit: Deutliche Unterschiede zwischen Regionen
Von den 17.471 Todesfällen in der Analyse waren 7.721 AIDS-assoziiert, was 44% der Gesamtmortalität entspricht. Regional variierte der Anteil AIDS-assoziierter Todesfälle: In westlichen Ländern und Nordamerika lag er bei 42%, während er in der Asien-Pazifik-Region mit 58% höher ausfiel.
Die Übersterblichkeitsrate für Menschen mit HIV lag bei durchschnittlich 0,0103 pro Jahr im Vergleich zu 0,0028 pro Jahr in der Allgemeinbevölkerung. Von dieser Übersterblichkeit waren im Schnitt 46% AIDS-bedingt.
Studienabhängig schwankten die Werte zwischen 33% und 73% und nahmen im Zeitverlauf ab. In westlichen Ländern und Nordamerika waren 52% der Übersterblichkeit AIDS-assoziiert, in der Asien-Pazifik-Region hingegen 71%.
Nicht-AIDS-assoziierte Todesursachen gewinnen an Bedeutung
Fast die Hälfte der Übersterblichkeit von Menschen mit HIV ist nicht AIDS-assoziiert. Zu den Hauptursachen gehören kardiovaskuläre Erkrankungen, Krebserkrankungen und Substanzmissbrauch. Zudem zeigen Studien, dass chronische Entzündungen sowie Begleiterkrankungen wie Hepatitis C eine Rolle spielen. Risikofaktoren wie Rauchen und Alkoholmissbrauch sind ebenfalls deutlich häufiger.
Nur Länder mit hohem Einkommen berücksichtigt – trotz niedriger Prävalenz
Die Analyse berücksichtigt ausschließlich Daten aus Ländern mit hohem Einkommen. Regionen mit hoher HIV-Prävalenz, wie Sub-Sahara-Afrika, wurden nicht einbezogen. Damit sind die Ergebnisse nur begrenzt auf Länder mit niedrigem oder mittlerem Einkommen übertragbar.
Zudem fehlen Daten zu Patienten ohne ART, obwohl bekannt ist, dass diese Gruppe eine höhere Sterblichkeit aufweist. Neben einer Einbeziehung von Daten aus Regionen mit hoher HIV-Prävalenz sollten zukünftige Studien daher standardisierte Methoden zur Erhebung von Todesursachen nutzen, um globale Trends besser zu verstehen.
Trotzdem wird deutlich, dass nicht-AIDS-assoziierte Todesursachen an Bedeutung gewinnen und die Versorgung von Patienten mit HIV stärker auf Komorbiditäten ausgerichtet werden muss. Neben einer konsequenten ART-Versorgung sind präventive Maßnahmen wie kardiovaskuläre Screenings, Programme zur Substanzentwöhnung und geriatrische Ansätze unerlässlich.










