Migrationsgeschichte beeinflusst den Covid-19-Impfstatus

Menschen mit Migrationsgeschichte, die älter als 40 Jahre sind, eine höhere Bildung haben und innerhalb der vergangenen zwölf Monate einen Arzt aufsuchten, waren häufiger gegen Covid-19 geimpft.

Gruppe geimpft

Hintergrund

Forschende vom Robert Koch-Institut (RKI) haben die gesundheitliche Lage von Menschen mit Migrationsgeschichte in Deutschland untersucht. Im besonderen Fokus stand der Covid-19-Impfstatus bei Menschen mit ausgewählten Staatsangehörigkeiten. Die Auswertung stützt sich auf Daten der Befragungsstudie „Gesundheit in Deutschland aktuell: Fokus“ (GEDA Fokus) und wurde im Journal of Health Monitoring veröffentlicht [1].

Daten von 5.495 Menschen ausgewertet

GEDA Fokus wurde zwischen November 2021 und Mai 2022 im Rahmen des Projekts „Improving Health Monitoring in Migrant Populations“ (IMIRA II) am RKI durchgeführt. Die Untersuchung umfasste 5.495 in Deutschland lebende Personen mit italienischer, kroatischer, polnischer, syrischer oder türkischer Staatsangehörigkeit.

Die Mehrheit der Teilnehmenden gehörten der unteren (43,9%) oder mittleren Bildungsgruppe (41,2%) an. Mehr als drei Viertel (77,9%) hatten vor weniger als zwölf Monaten eine Allgemeinärztin/einen Allgemeinarzt aufgesucht, etwas mehr als die Hälfte (53,6%) im selben Zeitraum eine Fachärztin/einen Facharzt.

Mit bivariaten Analysen und Poisson-Regressionen sollte der Zusammenhang zwischen der Inanspruchnahme einer Covid-19-Impfung und soziodemografischen, gesundheitsbezogenen sowie migrationsassoziierten Faktoren untersucht werden.

Covid-19-Impfung und soziodemografische Faktoren

Von allen Teilnehmenden gaben 90% an, mindestens einmal gegen Covid-19 geimpft zu sein. Der Anteil bei den Männern war mit 89,6% etwas niedriger als bei den Frauen mit 90,5%. Der Anteil der gegen Covid-19 geimpften Personen stieg mit zunehmendem Alter (ab 40 Jahren) und höherem Bildungsstand. So waren Befragte aus der unteren Bildungsgruppe mit 86,7% um knapp 7 Prozentpunkte seltener geimpft als solche aus dem oberen Bildungsniveau (93,4%).

Covid-19-Impfung und gesundheitsbezogene Faktoren

Teilnehmende, die in den vergangenen sechs Monaten eine allgemeinmedizinische Praxis aufgesucht haben, waren mit 92,2% häufiger geimpft als Personen, die vor zwölf Monaten (85,7%) bzw. nie (83,4%) eine primärmedizinische Versorgung in Anspruch genommen haben. Ein ähnlicher Gradient zeigte sich bei den fachärztlichen Konsultationen.

Covid-19-Impfung und migrationsassoziierte Faktoren

Die Prävalenz der Inanspruchnahme einer Covid-19-Impfung variierte mit den migrationsbezogenen Merkmalen. So gaben Studienteilnehmende mit einer Aufenthaltsdauer von 31 oder mehr Jahren am häufigsten an, geimpft zu sein (92,2%). Bei denjenigen, die weniger als zehn Jahre in Deutschland lebten, waren es nur 86,3%.

Darüber hinaus spielte das Zugehörigkeitsgefühl eine Rolle. Personen, die stark oder sehr stark in der deutschen Gesellschaft verankert waren, waren häufiger geimpft als Menschen, die sich teils/teils oder kaum bis gar nicht zugehörig fühlten (90,9% vs. 90,1% vs. 81,6%).

Einschränkungen der Studie

In dieser Untersuchung lag der Anteil der geimpften Personen in der Migrationsgruppe mit 90% wesentlich höher als in der Allgemeinbevölkerung in Deutschland (77,9%). Das könne auf einen Selektionsbias in Bezug auf die Teilnahmebereitschaft zurückzuführen sein, erklärte das Studienteam. So sei es denkbar, dass Menschen, die einer Covid-19-Impfung generell kritisch gegenüberstehen, auch seltener an GEDA Fokus teil- genommen haben. Ebenso könnte die Zusammensetzung der Stichprobe die Ergebnisse beeinflusst haben.

Niedrigschwellige Informations- und Impfangebote wichtig

In dieser Studie waren ein Alter ab 40 Jahren, eine höhere Bildung und die Inanspruchnahme einer primärmedizinischen Gesundheitsversorgung innerhalb der vergangenen zwölf Monate positiv mit einer Covid-19-Impfung assoziiert. Um sicherzustellen, dass der Zugang zu Impfungen für alle Menschen gleichermaßen gewährleistet ist, sind niedrigschwellige Informations- und Impfangebote wichtig, so das Resümee der Forschenden.

Autor:
Stand:
23.03.2023
Quelle:

Robert Koch-Institut (RKI), Journal of Health Monitoring – Migration und Gesundheit: Ergebnisse und Perspektiven aus dem IMIRA-Projekt, März 2023.

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