Angesichts der rasanten Ausbreitung von Mpox in mehreren afrikanischen Ländern äußert Placide Mbala-Kingebeni von der University of Kinshasa bei einer Online-Pressekonferenz ernsthafte Bedenken hinsichtlich der Impfstoffversorgung. Laut Mbala-Kingebeni, Leiter der Abteilung für Epidemiologie und globale Gesundheit sowie Direktor des klinischen Forschungszentrums am Nationalen Institut für biomedizinische Forschung in der Demokratischen Republik Kongo (DRC), wären mindestens zehn Millionen Impfdosen erforderlich, um eine effektive Immunisierung zu gewährleisten. Derzeit sind aber nur 500.000 Dosen in Aussicht, und es ist unklar, wann diese tatsächlich verfügbar sein werden. Mbala-Kingebeni warnt, dass sich die Krankheit in weitere Länder ausbreiten wird. Dies sei nur eine Frage der Zeit, so der Experte.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Mpox als internationale gesundheitliche Notlage eingestuft und fordert eine verstärkte Wachsamkeit aller Länder. Außerhalb Afrikas wurden bisher Fälle der Mpox-Klade Ib bei Menschen in Schweden und Thailand dokumentiert, die zuvor in Afrika waren.
Priorisierung von Risikogruppen und Hotspots
Angesichts der knappen Impfstoffressourcen empfiehlt Mbala-Kingebeni, den Impfstoff zunächst gezielt bei Risikogruppen wie Sexarbeitern und den engen Kontaktpersonen von Infizierten einzusetzen. Dabei sollte der Fokus auf Hotspots liegen, bevor spezifische Risikogruppen ins Visier genommen werden.
Ungeklärte Fragen zur neuen Virusvariante
Nach wie vor gibt es noch viele offene Fragen zur Klade Ib, insbesondere in Bezug auf ihre Übertragbarkeit und die Schwere der Erkrankung, sagte Marion Koopmans, Leiterin des Instituts für Virusforschung an der Erasmus-Universität Rotterdam. Dies betrifft sowohl die Dynamik der Virusübertragung als auch die klinische Ausprägung der Infektionen. Darüber hinaus sollten auch Ko-Infektionen mit anderen Erkrankungen wie Windpocken und Malaria berücksichtigt werden, da diese den Krankheitsverlauf von Mpox erheblich beeinflussen können.
Mbala-Kingebeni weist zudem auf die Stigmatisierung hin, die Mpox in Afrika begleitet, etwa durch den Verdacht auf Homosexualität oder den Konsum von Wildtieren. Diese gesellschaftlichen Stigmata müssen ebenfalls adressiert werden.
Ausbreitung und Dunkelziffer der Mpox-Fälle
Die DRC ist besonders stark von Mpox-Ausbrüchen betroffen. Laut WHO gibt es dort über 18.000 Verdachts- und 575 bestätigte Todesfälle [2]. Zusätzlich wurden in Burundi, Kenia, Ruanda und Uganda mehr als 200 Infektionen mit der neuen Variante Ib festgestellt. Dimie Ogoina, Professor für Infektionskrankheiten an der Niger Delta University und Mitglied des International Health Regulations Committee der WHO, geht allerdings von einer hohen Dunkelziffer aus, sodass die tatsächliche Zahl der Fälle deutlich höher liegen könnte.
Besonders besorgniserregend ist die Situation in der Konfliktregion im Osten der DR Kongo, wo mittlerweile Dutzende von möglichen Mpox-Fällen unter Flüchtlingen und Vertriebenen aufgetreten sind. Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) ist alarmiert, da diese Betroffenen nur schwer zu erreichen sind. Die beengten Lebensverhältnisse in der Region erschweren es zudem, den notwendigen Abstand einzuhalten, was die Ausbreitung des Virus weiter begünstigt.
Effektive Verteilung statt lokaler Produktion
Laut Koopmans liegt die kurzfristige Lösung nicht in der lokalen Produktion von Impfstoffen, sondern darin, wie die bereits verfügbaren Impfstoffe am effektivsten eingesetzt werden können. Hier ist die Klärung logistischer Fragen und gezielte Investitionen in Überwachung und Prävention entscheidend.
Derzeit stehen 500.000 Dosen des MVA-BN-Impfstoffs zur Verfügung, und sowohl Deutschland als auch Spanien haben Impfstoffspenden zugesagt.










