Epidemiologischer Zusammenhang zwischen immunvermittelten und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Epidemiologische Daten zeigten einen Zusammenhang zwischen immunvermittelten und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Beide werden auf systemische Entzündungsgeschehen zurückgeführt. Die kausale und mechanistische Beziehung der Erkrankungen war bisher jedoch unklar.
Insbesondere der Zusammenhang zwischen Psoriasis und den beiden Hauptformen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, der koronaren Herzkrankheit (KHK) und Schlaganfall, ist epidemiologisch gut belegt. Schwere Psoriasis hat sich als unabhängiger Risikofaktor für die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erwiesen. Immer mehr mechanistische Belege stützten die Vorstellung, dass Psoriasis-assoziierte systemische Entzündungen die Pathogenese kausal vorantreiben. Diese Ansicht wurde kürzlich in Frage gestellt.
Prädisponiert genetisches Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen für immunvermittelte Erkrankungen oder umgekehrt?
Ein Wissenschaftlerteam um Ravi Ramessur vom St John’s Institute of Dermatology, School of Basic and Medical Biosciences am King’s College in London, bewertete die Beziehungen zwischen genetischen Prädiktoren der KHK oder des Schlaganfalls und der Psoriasis, sowie die Assoziation zwischen genetischen Prädiktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und neun anderen immunvermittelten Erkrankungen in beide Richtungen.
Insbesondere wollten die Forscher untersuchen:
- ob die vermuteten Assoziationen zwischen genetischen Prädiktoren für KHK und Psoriasis spezifisch sind oder auch bei Schlaganfällen vorliegen
- wie sich wichtige potenzielle Störfaktoren auswirken
- ob Assoziationen spezifisch für Psoriasis sind oder auf andere immunvermittelte Erkrankungen verallgemeinert werden können
- welche Rolle häufig verschriebene Medikamente für Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielen.
Daten von mehr als 3 Millionen Personen analysiert
Die Forscher nutzten die Daten von insgesamt etwa 3,4 Millionen Personen europäischer Abstammung aus Metaanalysen von genomweiten Assoziationsstudien (GWAS). Die Teilnehmer waren an KHK, Schlaganfall, Psoriasis und neun weiteren immunvermittelte Erkrankungen erkrankt. Es erfolgte ein Vergleich mit Kontrollpersonen und zur Analyse wurde die invers-varianz gewichtete (IVW) Mendel´sche Randomisierung angewendet. Die Ergebnisse publizierten die Forscher kürzlich im Fachblatt JAMA Cardiology.
Risikomarker für KHK wiesen auf erhöhtes Psoriasis-Risiko hin
Im Gegensatz zu früheren Annahmen stellten die Forscher fest, dass genetische Prädiktoren für Psoriasis nicht mit einem erhöhten Risiko für KHK oder Schlaganfall verbunden waren. Umgekehrt jedoch war bei Personen mit genetischen Prädiktoren für KHK (Odds Ratio [OR] 1,07; P = 0,003) oder Schlaganfall (OR 1,22; P = 0,01) das Risiko, an Psoriasis zu erkranken, erhöht.
Wurden die Datensätze für Schlaganfälle adjustiert, wurden die Assoziationen zwischen dem genetischen Risiko für KHK und dem Psoriasis-Risiko nicht signifikant (und umgekehrt). Daher vermuten die Wissenschaftler, dass das genetische Risiko für KHK und Schlaganfall auf einem gemeinsamen Effekt beruht, und insgesamt das Risiko für Psoriasis erhöht.
Kein erhöhtes Risiko für andere immunvermittelte Erkrankungen
Das Risiko für andere häufig vorkommende immunvermittelte Erkrankungen, wie rheumatoide Arthritis und entzündliche Darmerkrankung, war jedoch nicht erhöht, wenn genetische Prädiktoren von Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorlagen.
Aus den Ergebnissen von Subgruppenanalysen schlossen die Forscher, dass Medikamente, die häufig zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt werden, die beobachteten Effekte nicht beeinflussten.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit für umfassende Behandlungsstrategien nötig
Die Studienergebnisse deuten darauf hin, dass biologische Prozesse, die das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen beeinflussen, auch das Risiko für Psoriasis erhöhen können. Um die Mechanismen besser zu verstehen und potenzielle therapeutische Ansätze zu entwickeln, sollten weitere Forschungsarbeiten durchgeführt werden, meinen die Autoren.
Für die klinische Praxis bedeuteten die Ergebnisse, dass bei Patienten mit genetischer Prädisposition für Herz-Kreislauf-Erkrankungen auch das Risiko für Psoriasis berücksichtigt werden sollte. Nur mit interdisziplinärer Zusammenarbeit könnten umfassende Behandlungsstrategien entwickelt werden.









