Die Studie nutzte Daten von 212.046 Teilnehmern im Alter von 37 bis 73 Jahren aus der UK Biobank, die zu Studienbeginn keinen Bluthochdruck aufwiesen. Die Beobachtungsperiode dieser Teilnehmer erstreckte sich über einen medianen Zeitraum von 12,0 Jahren. Hierbei wurden diejenigen, die mindestens einmal pro Woche ihr Mobiltelefon zum Telefonieren nutzten, als Mobiltelefonnutzer definiert. Die Ergebnisse der großangelegten Untersuchung wurden im European Heart Journal – Digital Health veröffentlicht.
Die Analyse ergab, dass eine wöchentliche Telefonierzeit von 30 Minuten oder mehr das Risiko für Bluthochdruck um 12% erhöhte, im Vergleich zu Personen, die weniger als 30 Minuten pro Woche telefonierten.
Nutzungsdauer beeinflusst Risiko
Zusätzlich wurde ein Einfluss der Nutzungsdauer deutlich: Verglichen mit den Studienteilnehmern, deren wöchentliche Gesprächszeit weniger als fünf Minuten betrug, stieg das Risiko für neu auftretenden Bluthochdruck signifikant bei zunehmender Nutzungsdauer. Die Studienteilnehmer, die ihr Mobiltelefon wöchentlich zwischen 30 und 59 Minuten, 1 bis 3 Stunden, 4 bis 6 Stunden oder sogar mehr als 6 Stunden für Gespräche nutzten, verzeichneten eine Zunahme des Bluthochdruckrisikos um 8%, 13%, 16% bzw. 25%.
Vielfältige Erklärungsmöglichkeiten
Die potenziellen Mechanismen, die diesen Zusammenhang erklären könnten, sind vielfältig. Eine Theorie besagt, dass die typische Telefonierposition, in der der Unterarm angehoben und das Handgelenk statisch gehalten wird, die sympathische Aktivität erhöhen und zu einem kurzfristigen Anstieg des Plasmaspiegels von Adrenomedullin führen könnte, was wiederum den Blutdruck erhöhe.
Eine weitere Theorie betrifft die psychische Gesundheit und Schlafgewohnheiten: Die Forscher vermuten, dass eine intensive Nutzung des Mobiltelefons mit psychischen Problemen und Schlafstörungen einhergehen könnte. Beide Faktoren sind dafür bekannt, Gefäßschäden zu verursachen und somit den Blutdruck zu steigern.
Einfluss von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern
Schließlich haben zudem einige frühere Studien gezeigt, dass hochfrequente elektromagnetische Felder (RF-EMF) von Mobiltelefonen auf molekularer und zellulärer Ebene eine Reihe von schädlichen Auswirkungen haben könnten, einschließlich DNA-Schäden, oxidativen Stress und Entzündungen, die alle zur Pathogenese der Hypertonie beitragen könnten.
Andere Studien deuten darauf hin, dass die Exposition der rechten Gehirnhälfte gegenüber RF-EMF für 35 Minuten zu einem Anstieg des Ruheblutdrucks zwischen 5 und 10 mmHg führe und dass eine längere tägliche Gesprächszeit auf dem Mobiltelefon negativ mit der Spermienkonzentration und -gesamtzahl in Verbindung gebracht werden könne, was auf erhöhten oxidativen Stress und DNA-Schäden durch RF-EMF-Strahlung hindeutet.
Mobiltelefongespräche auf Minimum reduzieren
Die Ergebnisse dieser Studie legen nahe, dass die Dauer der Mobiltelefongespräche einen signifikanten Einfluss auf das Risiko der Entwicklung von Bluthochdruck haben könnte. Studienleiter Professor Xianhui Qin empfiehlt daher, dass „bis weitere Untersuchungen durchgeführt wurden, es klug erscheint, Mobiltelefongespräche auf ein Minimum zu beschränken, um die Herzgesundheit zu erhalten.“









