Kardiale Computertomographie: Rolle bei jungen symptomatischen Patienten

Eine Studie zeigte, dass bereits bei jungen Menschen kardiale Kalzifizierungen und Plaques, seltener auch Stenosen, nachweisbar sind. Untersucht wurden Patienten, die sich zur Abklärung von Brustschmerzen einer Computertomographie-Koronarangiografie unterzogen. Auch ohne Obstruktion war die Belastung durch bestimmte Plaque-Typen signifikant.

Herz junge Frau

Bisher keine bewährte Methode zur Risikovorhersage bei jüngeren Erwachsenen

Die Hospitalisierungsrate aufgrund eines akuten Myokardinfarkts ist in den letzten Jahrzehnten zwar bei älteren Menschen gesunken, bleibt jedoch bei jüngeren unverändert.

Obwohl bekannt ist, dass sich eine koronare Herzkrankheit subklinisch im frühen Leben mit unterschiedlichen individuellen Progressionsraten entwickeln kann, ist unklar, welche Methode sich am besten zur Risikovorhersage einer atherosklerotischen kardiovaskulären Erkrankung (ASCVD) bei jungen Erwachsenen eignet. 

Leitlinien empfehlen für Menschen mittleren Alters und Ältere das kardiovaskuläre Risiko anhand der koronaren Kalzifizierung zu klassifizieren. 

Bei jungen Erwachsenen scheint selbst eine geringe koronare Kalzifizierung die Entwicklung von Herzerkrankungen deutlich zu beeinflussen. Sowohl obstruktive als auch nicht-obstruktive Plaques haben sich als stark prädiktiv für zukünftige Ereignisse erwiesen. 

Die kardiale Computertomographie-Angiographie (cCTA) ermöglicht eine präzise Darstellung und Charakterisierung von Plaques in Bezug auf Hochrisiko-Merkmale. Moderne Software erlaubt zudem die Quantifizierung der Plaquebelastung. Bisher liegen jedoch nur wenige Daten über den Nutzen der cCTA bei symptomatischen jungen Patienten vor.

Analyse der Plaquearten bei jungen Erwachsenen mittels cCTA

Ein Wissenschaftlerteam um Dr. Daniel Lorenzatti von der Cardiology Division des Montefiore Medical Center/Albert Einstein College of Medicine in New York, USA, untersuchte anhand einer Kohorte von 907 Patienten im Alter von 18 bis 45 Jahren, die sich einer cCTA zur Abklärung von Brustschmerzen unterzogen hatten, ob eine koronare Kalzifizierung vorlag. Das Team bestimmte außerdem, welchem Subtyp vorhandene Plaques zuzurechnen waren, und versuchte, prädiktive Faktoren für die Plaquebildung zu identifizieren. 

Mit halbautomatischer Software wurden die Belastungen durch kalzifizierte Plaques (CP), nicht kalzifizierte Plaques (NCP) und sogenannte Low-attenuation-Plaques, bestehend aus einem weichen, lipidreichen Plaquekern mit niedrigen CT-Dichte-Werten (LAP) in den Koronararterien quantitativ bewertet. 

Die Ergebnisse der Studie wurden kürzlich im European Heart Journal Cardiovascular Imaging publiziert. 

Niedrige Prävalenz von Kalzifizierung und Plaques

Bei 11% der Patienten wurde die Kalzifizierung der Koronararterien mit einem Score > 0 bewertet. Insgesamt wiesen 15 % der Patienten Plaques in unterschiedlicher Ausprägung auf. 

Mit dem Vorliegen von mehr als drei Risikofaktoren stieg die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer Kalzifizierung oder von Plaques an. Ein Alter von mindestens 35 Jahren und eine frühe Koronare Herzkrankheit in der Familienanamnese hatten den stärksten prädiktiven Wert. 

Belastung durch Plaques auch bei nicht-obstruktiver Erkrankung

Obstruktive Erkrankungen, definiert als Befund mit einer Stenose ≥50% in einem Gefäß, waren mit knapp 2% selten. Bemerkenswerterweise lagen knapp ein Drittel der Stenosen bei Patienten mit einem Kalziumscore von 0 vor.

Die Läsionen bei obstruktiven Erkrankungen waren durch einen höheren Anteil an NCPs und LAPs gekennzeichnet. Der Anteil an CPs war mit dem bei nicht-obstruktiven Erkrankungen vergleichbar.

Selbst bei Patienten mit nicht-obstruktiver Erkrankung fanden die Wissenschaftler jedoch in mehr als einem Drittel der Fälle NCPs und in 4% LAPs. Selbst bei einem Kalziumscore von 0 entdeckten die Forscher bei einigen Patienten Plaques.

Der einzige Risikofaktor mit prädiktivem Wert für ausschließliches Vorliegen von NCPs war eine frühe Koronare Herzkrankheit in der Familienanamnese.

cCTA-Daten könnten Entscheidungsfindung für intensivierte Therapie stützen

Die Wissenschaftler sehen in ihren Ergebnissen Hinweise darauf, dass die cCTA eine zentrale Rolle bei der Beurteilung von Patienten mit multiplen Risikofaktoren spielen könnte. Bei Patienten, die normalerweise nicht für eine Statintherapie in Betracht gezogen würden, könnte der Nachweis einer signifikanten Belastung durch NCPs und LAPs, selbst bei nicht-obstruktiver Erkrankung, Anlass für eine intensivere präventive Behandlung geben.

In einer weiteren aktuellen Veröffentlichung berichten Lorenzatti und Kollegen von einem Patienten, bei dem drei Jahre vor einem Myokardinfarkt in der cCTA NCPs und LAPs identifiziert worden waren. Angesichts der Beschaffenheit und Anzahl dieser Plaques, kombiniert mit weiteren Risikofaktoren, hätte eine intensivere präventive Pharmakotherapie und eine konsequente Änderung des Lebensstils möglicherweise die schnelle Krankheitsprogression verhindern können. 

Um die cCTA in der klinischen Routine effizienter zu nutzen, muss jedoch noch geprüft werden, ob ein Deep-Learning-basierter Ansatz zur besseren Stratifizierung von Personen mit diffusen Koronarplaques beitragen und menschliche Lesefehler reduzieren kann.

Autor:
Stand:
07.10.2024
Quelle:
  1. Lorenzatti et al. (2024): Interaction between risk factors, coronary calcium, and CCTA plaque characteristics in patients aged 18–45 years. European Heart Journal Cardiovascular Imaging, DOI: 10.1093/ehjci/jeae094
  2. Lorenzatti et al. (2024): Rapidly progressive coronary atherosclerosis in a young male: a retrospective advanced CCT phenotype analysis. International Journal of Cardiovascular Imaging, DOI: 10.1007/s10554-024-03216-6
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