Psychische Folgen von Herzkrankheiten
Herzkrankheiten können sich fundamental auf die Psyche der Patienten auswirken. Bis zu einem Drittel der Patienten mit koronarer Herzkrankheit (KHK) leidet unter Angststörungen und Depressionen. Die psychischen Störungen beeinträchtigen nicht nur die Lebensqualität der Patienten, sie erhöhen auch deren Morbidität und Mortalität. Unter den Patienten mit KHK sind vergleichsweise junge Patienten, die noch erwerbstätig sind, besonders häufig von Angststörungen und Depressionen betroffen [1].
Eingeschränkte Arbeitsfähigkeit
Wenn die psychischen Störungen unbehandelt bleiben, können sie die Wiedereingliederung in den Beruf erschweren. „Psychologische Symptome wie Palpitationen und Beklemmungsgefühle können schwer von kardialen Symptomen zu unterscheiden sein. Das kann zu einem Teufelskreis zunehmender psychischer Belastung führen, die Alltagstauglichkeit und Arbeitsfähigkeit des Patienten einschränken,“ erklärt Studienautorin Annette Holdgaard, Krankenschwester am Kopenhagener Universitätsklinikum Bispebjerg und Frederiksberg in Dänemark [2].
Psychische Behandlung nicht immer praktikabel
Eine kardiale Rehabilitation (cardiac rehabilitation [CR]) verringert nachweislich Morbidität und Mortalität der Herzpatienten, fokussiert in der Regel aber auf die physische Regeneration der Betroffenen und das Management von Risikofaktoren. Psychologische Interventionen werden zwar als sinnvoll erachtet, sind aber nicht automatisch Bestandteil der CR. Bei vorangegangenen Programmen zur psychologischen Behandlung von Herzpatienten handelte es sich häufig um langwierige Einzeltherapien, die häufig nur wenig praktikabel waren.
Verschlankung der psychologischen Behandlung
Um die Behandlung psychischer Probleme in Verbindung mit einer Herzkrankheit besser in die kardiale Rehabilitation (CR) zu integrieren, wurde überlegt, die therapeutischen Prozesse zu verschlanken. Die Universität Kopenhagen führte hierzu eine Studie durch, bei der eine kognitive Verhaltenstherapie (cognitive-behavioural therapy [CBT]) als Gruppentherapie durchgeführt und auf fünf Sitzungen beschränkt wurde. Die CBT wurde von einer entsprechend ausgebildeten kardiologischen Pflegekraft durchgeführt. Die Studie sollte klären, ob die CBT zusätzlich zu einer üblichen CR Angst und Depressionen stärker verringert als die CR allein.
Methoden
In der kontrollierten Multicenter-Studie wurden Patienten mit kardialen Erkrankungen (KHK und/oder Zustand nach Herzklappenoperation) und psychischer Belastung, definiert durch einen Punktwert ≥8 auf der Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS), in zwei Gruppen randomisiert. Patienten mit sehr schweren psychischen Problemen oder einer psychiatrischen Diagnose wurden ausgeschlossen.
Eine Gruppe erhielt zusätzlich zur üblichen CR eine kognitive Verhaltenstherapie (CBT-Gruppe), die Kontrollgruppe ausschließlich die CR. Eine in kognitiver Verhaltenstherapie ausgebildete kardiologische Pflegekraft führte die Intervention mit den Patienten in fünf Gruppensitzungen unter Aufsicht eines Psychologen durch. Die Gruppengröße betrug drei bis vier Patienten.
Der primäre Endpunkt der Studie war das Gesamt-HADS-Ergebnis nach 3 Monaten.
Wie ist der normale Verlauft?
Eine nicht-randomisierte Gruppe von Patienten ohne psychische Probleme (Background) diente als zusätzliche Referenz. Die Background-Gruppe machte nur die kardiale Rehabilitation mit. Mit den Daten dieser Gruppe sollte festgestellt werden, wie sich der HADS-Score im natürlichen Verlauf entwickelt.
Signifikante psychische und physische Verbesserungen
An der Studie nahmen 188 Patienten mit kardialer Erkrankung teil, 74 in der CBT-Gruppe, 73 in der Kontrollgruppe und 41 in der Background-Gruppe. Von den insgesamt 147 Patienten in der CBT- und der Kontrollgruppe litten 92% unter einer koronaren Herzerkrankung. Sie waren zu 67% männlich und im Durchschnitt 54 Jahre alt. Im Vergleich zur Kontrollgruppe verbesserte sich der HADS-Score der CBT-Gruppe nach 3 Monaten um 8,0 (Standardabweichung [SD] 5,6] gegenüber 4,1 (SD 7,8); p<0,001.
Nachhaltige Vorteile
Die Ergebnisse der Interventions- und Kontrollgruppe unterschieden sich auch noch über ein Follow-up von sechs Monaten hinaus signifikant. Die CBT-Gruppe verhielt sich darüber hinaus in der kardialen Rehabilitation therapieadhärenter (p=0,003), zeigte eine größere Verbesserung der herzbezogenen Lebensqualität (heart-related quality of life [HeartQoL]) nach 6 Monaten (p<0,01) und wies eine signifikant um 57% geringere kardiale Wiederaufnahmerate nach 12 Monaten auf (p<0,01). Bei der Background-Gruppe wurde keine signifikante Veränderung des HADS im Verlauf der Zeit festgestellt.
Gute Erfolge mit wenig Aufwand möglich
Die Studie ist aus mehreren Gründen wichtig, wie eine Sprecherin der European Society of Cardiology (ESC), Professor Christi Deaton von der Universität Cambridge, erklärte: „Die Studie zeigt die Bedeutung psychologischer Interventionen bei psychischer Belastung, und dass kurze gruppenbasierte und von geschulten Pflegekräften durchgeführte CBTs innerhalb existierender kardialer Rehaprogramme positive und signifikante Ergebnisse erzielen.“ Deaton plädierte anlässlich dieser Ergebnisse zudem für eine stärkere Individualisierung der kardialen Rehaprogramme, um den verschiedenen Bedürfnissen der Patienten besser gerecht zu werden.
Die Studie wurde gesponsort von TrygFonden und Helsefonden. Sie ist auf ClinicalTrials unter der Nummer NCT04254315 einzusehen.









