Leistungssport bei hypertropher Kardiomyopathie?

Die LIVE-HCM-Studie zeigte, dass das Risiko von Arrhythmien und plötzlichem Herztod bei Patienten mit hypertropher Kardiomyopathie, die unter erfahrener kardiologischer Betreuung intensiv Sport treiben, nicht größer ist als bei HCM-Patienten, die weniger trainieren.

Leistungssport

Risiko des plötzlichen Herztods

Sportliche Aktivität gilt als gesund für Körper und Geist und ist ein integraler Teil des Lebens für Millionen von Menschen weltweit. Für Menschen mit hypertropher Kardiomyopathie (HCM) wurde jedoch häufig von intensivem Sport abgeraten, aus Furcht vor erhöhten Risiken für Arrhythmien und plötzlichen Herztod. Tatsächlich war und ist eine nicht-diagnostizierte HCM eine der häufigsten Ursachen für SCD bei jungen Menschen, darunter auch Leistungssportler [1].

Empfehlung für leichten bis moderaten Sport

Studien zeigen, dass Menschen mit HCM weniger sportlich aktiv sind, als der Durchschnitt der Allgemeinbevölkerung. Sie leiden häufiger unter Adipositas und berichten von erhöhter Ängstlichkeit und einem geringeren Wohlbefinden [2,3]. Um diese Situation zu verbessern und aufgrund neuerer Erkenntnisse empfehlen aktuelle amerikanische und europäische Leitlinien mittlerweile leichten bis moderaten Freizeitsport bei HCM. Selbst intensiven Freizeitsport und sogar Wettkampfsport unter bestimmten Voraussetzungen befürworten die Leitlinien, wenn auch noch vorsichtig, da bislang klare Evidenzen für die Sicherheit der Patienten fehlen [4,5].  

Ziel der LIVE-HCM Studie

Die Lifestyle and Exercise in Hypertrophic Cardiomyopathy (LIVE-HCM)-Studie wurde konzipiert, um diese Evidenzen zu liefern und so Ärzte und HCM-Patienten bei der Entscheidung für oder gegen intensiven Sport, bzw. Wettkampfsport zu unterstützen. Das konkrete Ziel der multinationalen Studie war es, festzustellen, ob intensiver Sport mit einem erhöhten Risiko für ventrikuläre Arrhythmien und Mortalität bei Patienten mit HCM verbunden ist [6].

Das Ziel der LIVE-HCM-Studie

In die prospektive Kohortenstudie wurden Teilnehmer im Aller von 8-60 Jahren eingeschlossen, wenn eine HCM-Diagnose vorlag oder wenn sie zwar Phänotyp negativ aber Genotyp positiv waren.  Teilnehmer, die keinen Sport treiben konnten oder durften, wurden ausgeschlossen.  

Die Rekrutierung der Teilnehmer fand von Mai 2015 bis April 2019 statt. Sie wurde an 42 Zentren für HCM in angloamerikanischen Ländern durchgeführt. Die Patienten konnten sich auch zentral über die Yale Medical School für die Studie registrieren. Der Aktivitätslevel der Teilnehmer wurde nach deren Selbstauskunft in bewegungsarm, moderat oder intensiv kategorisiert.

Primärer Komposit-Endpunkt

Der primäre Endpunkt wurde als Komposit folgender kardiovaskulärer Ereignisse definiert:

  • Tod
  • Wiederbelebung nach SCD
  • Arrhythmische Synkope
  • Schock durch implantierbarer Kardioverter/Defibrillator (implantable cardioverter defibrillator [ICD])

Ein Komitee, das für den Aktivitätskategorie des Patienten verblindet war, beurteilte die kardiovaskulären Ereignisse. Die Studie wurde im Februar 2022 abgeschlossen.

Kaum Unterschiede zwischen den Kohorten

Von den 1.660 Teilnehmern (Durchschnittsalter 39 Jahre) waren 996 (60%) männlich. In die bewegungsarme Kohorte wurden 252 (15%) der Teilnehmer eingeordnet, in die Kohorte moderater Sport 709 (43%) und in die Kohorte intensiver Sport 699 (42%), hier von nahmen 259 (37%) auch an Wettkämpfen teil.

Bei insgesamt 77 (4,6%) Teilnehmern trat der primäre Komposit-Endpunkt ein. Hierzu gehörten 44 (4,6%) Studienteilnehmer, die nicht intensiv trainierten, und 33 (4,7%) der Intensiv-Sportler, das entspricht Raten von 15,3 bzw. 15,9 Ereignissen pro 1.000 Personenjahre. Eine multivariate Cox-Regressionsanalyse ergab, dass das Risiko den primären Komposit-Endpunkt zu erreichen für Intensiv-Sportler mit HCM bzw. mit negativem Phänotyp/positivem Genotyp nicht höher war als für Teilnehmer, die sich weniger bewegten.  

Grünes Licht für intensiven Sport bei HCM?

Studienautorin Prof. Dr. Rachel Lampert von der Yale Medical School schließt aus den Ergebnissen, dass intensiver Sport auch für Patienten mit HCM möglich ist. Bevor HCM-Patienten das Training beginnen, rät Sie Ihnen: „… gehen Sie zuerst zu einem Kardiologen, der Erfahrung mit HCM hat, und lassen Sie von ihm ihr kardiovaskuläres Risiko evaluieren.“ Mit der entsprechenden medizinischen Versorgung und Beratung sollte es auch HCM-Patienten erlaubt sein, von den gesundheitlichen Vorteilen des Sports profitieren, schließt Lampert [7].

Die Studie wurde gesponsort vom National Heart, Lung, and Blood Institute, USA.

Autor:
Stand:
30.05.2023
Quelle:
  1. Maron et al. (2009): Sudden deaths in young competitive athletes: analysis of 1866 deaths in the US, 1980-2006. Circulation 119: 1085-1092. DOI:10.1161/CIRCULATIONAHA.108.804617
  2. Reineck et al. (2013) Physical activity and other health behaviors in adults with hypertrophic cardiomyopathy. Am J Cardiol. 2013;111(7):1034-1039. DOI:10.1016/j.amjcard.2012.12.018
  3. Sweeting et al. (2016): Physical activity in hypertrophic cardiomyopathy: prevalence of inactivity and perceived barriers. Open Heart. 2016;3(2):e000484. DOI:10.1136/openhrt-2016-000484
  4. Pelliccia et al. (2019): Recommendations for participation in competitive and leisure time sport in athletes with cardiomyopathies, myocarditis, and pericarditis: position statement of the Sport Cardiology Section of the European Association of Preventive Cardiology (EAPC), European Heart Journal 40: 19-33 DOI: 10.1093/eurheartj/ehy730
  5. Ommen et al. (2020): 2020 AHA/ACC guideline for the diagnosis and treatment of patients with hypertrophic cardiomyopathy: a report of the American College of Cardiology/American Heart Association joint committee on clinical practice guidelines. Circulation. 142(25):e558-e631. DOI: 10.1161/CIR.0000000000000937  
  6. Lampert et al. (2023): Vigorous Exercise in Patients With Hypertrophic Cardiomyopathy. JAMA Cardiol. Published online May 17, 2023. DOI: 10.1001/jamacardio.2023.1042
  7. Yale School of Medicine Pressemitteilung 18. Mai 2023
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