Ein Spaziergang in der Natur fördert die Gesundheit. Hiervon geht die Mehrheit der Menschen aus. Betrachtet man Längsschnitt- und experimentelle Studien sind die Nachweise hierfür jedoch widersprüchlich oder suggestiv.
Bei Asthmapatienten zeigt sich einerseits, dass der Spaziergang im Grünen teilweise mit ungünstigen Wirkungen auf die Patienten in Verbindung gebracht wird. Andererseits zeigt sich ein positiver Effekt auf das psychische Wohlbefinden.
Ursache für die widersprüchlichen Ergebnisse können im Studiendesign, der Art der untersuchten Grünflächen wie Parks und Gemeinschaftsgärten bzw. Blauflächen wie z.B. Seen, Flüssen oder anderen Wasserflächen, aber auch in kulturellen und individuellen Merkmalen der Probanden begründet sein.
Eine aktuelle Querschnittstudie aus Finnland untersuchte, ob die Anzahl an Grün- und Blauflächen in Wohngebieten, die Häufigkeit der Besuche und die Aussicht auf diese Grün- und Blauflächen mit der Einnahme von Psychopharmaka, Antihypertensiva und Asthmamedikamenten assoziiert ist.
Der Blick aus dem Fenster
7.321 Teilnehmer der Region Helsinki wurden befragt, wie oft sie Grün- und Blauflächen besuchten, welche Medikamente sie in den letzten 7 bis 52 Wochen eingenommen hatten und ob sie von einem Fenster aus ihrer Wohnung aus, einen Blick auf Grün- und/oder Blauflächen haben und wie oft sie einen Blick aus diesem Fenster werfen.
Es stellte sich heraus, dass der Blick aus dem Fenster von zu Hause auf Grün- und Blauflächen weder in der Anzahl noch in der Dauer mit der Einnahme von Medikamenten assoziiert war.
Raus in die Natur
Jedoch zeigte sich, dass mit der Häufigkeit der Besuche von Grünflächen der Gebrauch von Medikamenten sank. Für Psychopharmaka lagen die Odd Ratios (OR) für drei bis vier Besuche in der Woche bei 0,67 (95%-Konfidenzintervall [KI]: 0,55 bis 0,82) und bei fünf oder mehr Besuchen bei 0,78 (95%-KI: 0,63 bis 0,96). Für Antihypertensiva lagen die ORs entsprechend bei 0,64 (95%-KI: 0,52 bis 0,78) und 0,59 (95%-KI: 0,48-0,74) und für Asthmamedikamente bei 0,74 (95%-KI: 0,58 bis 0,94) und 0,76 (95%-KI: 0,59-0,99). Eine Abschwächung der beobachteten Zusammenhänge ergab sich durch den Body-Mass-Index bei Antihypertensiva und Asthmamedikamenten.
Der Weg ins Grüne lohnt
Im finnischen Helsinki ist der häufigere Besuch von Grünflächen somit mit einer selteneren Einnahme von Psychopharmaka, Antihypertensiva und Asthmamedikamenten assoziiert. Die Aussicht von zu Hause auf Grün- bzw. Blauflächen reicht allein nicht aus, um einen Effekt zu erzielen. Teilweise kann dieses Ergebnis durch den BMI der Probanden erklärt werden, da Probanden, die häufiger die Natur besuchten, einen etwas niedrigeren BMI aufwiesen.
Das zeigt auch eine der Limitationen der Studie auf. Das Querschnittsdesign weist möglicherweise darauf hin, dass gesündere Patienten mehr Zeit in der Natur verbringen. Außerdem deutet die Einnahme der untersuchten Medikamente auf ernste diagnostizierte Krankheiten hin und ist kein perfekter Indikator für den Gesundheitszustand, insbesondere bei weniger schwerwiegenden Symptomen.







