Schlaflosigkeit und Schlafmangel als Risikofaktoren für Hypertonie bei Jugendlichen

Eine aktuelle Untersuchung legt nahe, dass Jugendliche mit Insomnie und unzureichender Schlafdauer ein deutlich erhöhtes Risiko für Hypertonie haben. Dies unterstreicht die Bedeutung einer frühen Prävention.

Schlaflosigkeit Kind

Schlaf spielt eine wesentliche Rolle für die kardiovaskuläre Gesundheit. Laut der American Academy of Sleep Medicine (AASM) benötigen Jugendliche zwischen acht und zehn Stunden Schlaf pro Nacht. In der Praxis liegt die durchschnittliche Schlafdauer vieler Teenager jedoch lediglich bei 6,5 Stunden während der Schulwochen. Ein chronisches Schlafdefizit wird mit verschiedenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen in Verbindung gebracht, darunter ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko.

Eine aktuelle Studie zu diesem Thema wurde auf der Tagung Scientific Sessions 2025 der American Heart Association (AHA) vorgestellt. Sie untersucht den Zusammenhang zwischen Schlafmangel, Insomnie und dem Risiko für Hypertonie bei Jugendlichen. Ziel der Untersuchung war es, frühzeitige Risikofaktoren zu identifizieren, um präventive Maßnahmen zu verbessern.

Zusammenhang zwischen Schlafdauer, Insomnie und Blutdruck

Die Studie analysierte Daten von mehr als 400 Jugendlichen aus der Penn State Child Cohort, einer Langzeitstudie der Pennsylvania State University (USA). Zur objektiven Erfassung der Schlafdauer absolvierten die Teilnehmer eine laborgestützte Schlafmessung (Polysomnografie). Zusätzlich erfolgten am Abend drei aufeinanderfolgende Blutdruckmessungen. Insomnie wurde anhand eines Fragebogens erfasst, der Schwierigkeiten beim Ein- oder Durchschlafen abfragte.

Die wichtigsten Erkenntnisse:

  • Jugendliche, die weniger als 7,7 Stunden schliefen, hatten ein fast dreifach erhöhtes Risiko für einen erhöhten Blutdruck im Vergleich zu gut erholten Altersgenossen.
  • Teilnehmer, die zusätzlich unter Insomnie litten und weniger als 7,7 Stunden schliefen, wiesen ein fünffach erhöhtes Risiko für eine manifeste Hypertonie (Stadium 2) auf.
  • Jugendliche mit Schlafproblemen, die jedoch 7,7 Stunden oder mehr schliefen, zeigten kein erhöhtes Hypertonierisiko.

Physiologische Auswirkungen von Schlafmangel auf das kardiovaskuläre System

Ein Schlafdefizit kann über verschiedene Mechanismen zur Entwicklung einer Hypertonie beitragen. Chronischer Schlafmangel führt zu einer verstärkten Aktivierung des sympathischen Nervensystems, einer vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen und einer reduzierten endogenen Gefäßerweiterung. Insomnie ist mit einer gesteigerten Kortisolproduktion und einer höheren sympathischen Aktivität assoziiert, was langfristig den Blutdruck erhöhen kann.

Wir wissen, dass gestörter und unzureichender Schlaf mit Hypertonie im Erwachsenenalter assoziiert ist. Unsere Studie zeigt nun, dass dieser Zusammenhang bereits bei Jugendlichen besteht, erklärt Julio Fernandez-Mendoza, Professor für Psychiatrie, Neurowissenschaften und öffentliche Gesundheitswissenschaften am Pennsylvania State University College of Medicine und Senior-Autor der Studie.

Schlafstörungen bereits im Jugendalter ernst nehmen

Die Ergebnisse der Studie unterstreichen die Notwendigkeit, Schlafstörungen bereits im Jugendalter gezielt zu diagnostizieren und zu behandeln. Insbesondere sollten Patienten mit Insomnie-Symptomen systematisch auf kardiovaskuläre Risikofaktoren untersucht werden. Nicht alle Jugendlichen mit Schlafproblemen haben ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine objektive Schlafanalyse kann jedoch helfen, diejenigen zu identifizieren, die ein erhöhtes Risiko aufweisen, so Fernandez-Mendoza.

Die Leitlinie der American Heart Association zur Prävention und Behandlung von Bluthochdruck betont die Relevanz eines gesunden Lebensstils, zu dem auch ausreichender Schlaf gehört. Neben einer adäquaten Diagnostik sind präventive Maßnahmen, wie die Förderung guter Schlafgewohnheiten, essenziell. Zudem könnte eine frühzeitige Identifikation und Therapie von Schlafstörungen dazu beitragen, das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen im Erwachsenenalter zu senken.

Offene Fragen und zukünftige Forschung

Da die Studie in einem Schlaflabor durchgeführt wurde, bleibt unklar, inwieweit die Ergebnisse auf den Alltag übertragbar sind. Darüber hinaus stammen die Daten aus den Jahren 2010 bis 2013, sodass nicht ausgeschlossen werden kann, dass sich das Schlafverhalten Jugendlicher seither verändert hat – etwa infolge der Covid-19-Pandemie.

Autor:
Stand:
21.03.2025
Quelle:
  1. Paruthi, S. et al. (2016): Consensus Statement of the American Academy of Sleep Medicine on the Recommended Amount of Sleep for Healthy Children: Methodology and Discussion. Journal of clinical sleep medicine, DOI: 10.5664/jcsm.6288
  2. American Heart Association, Pressemitteilung, 06. März 2025.
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