Stimmungsstörungen nach ICD-Implantation

Eine Studie zeigt, dass Patienten nach Implantation eines Kardioverter-Defibrillators vermehrt an affektiven Störungen leiden. Vor allem im ersten Jahr nach der Implantation treten vermehrt Depressionen, Angstzustände und posttraumatische Belastungsstörungen auf.

Aelterer Mann Depression

Implantierbare Kardioverter-Defibrillatoren (ICD)

Bei den subkutan implantierten ICDs handelt es sich um Defibrillator-Systeme, die ventrikuläre Tachykardien sowie Kammerflimmern selbstständig erkennen und darüber hinaus einen elektrischen Impuls auslösen können, um den Ausgangsrhythmus des Herzens wieder herzustellen. Sie verlängern dadurch das Leben der betroffenen Patienten wirksam und tragen zur Verbesserung ihrer Lebensqualität bei.

Zusammenhang ICD-Implantation und affektive Störungen

Klinisch relevante Symptome wie Angstzustände, Depressionen und posttraumatische Belastungsstörungen treten insbesondere im ersten Jahr nach einer ICD-Implantation auf.
Die Häufigkeit von Stimmungsstörungen ist bei ICD-Patienten deutlich höher als in der Allgemeinbevölkerung.

Des Weiteren konnte ein Zusammenhang von der Häufigkeit der ICD-Schocks und dem klinisch relevanten Auftreten von Angstzuständen und Depressionen beobachtet werden. Die Patienten, die bereits einen oder mehrere Schocks erlitten hatten, wiesen demnach eine höhere Inzidenz an Stimmungsstörungen auf.

Auswirkungen auf den Alltag

Da etwa 30% der betroffenen Patienten in den ersten zwei Jahren einen Schock erleiden, entsteht für einige von ihnen eine andauernde Angst, die ihre Alltagsplanung erheblich beeinträchtigen kann. Frauen sind hierbei deutlich häufiger von den genannten Angstzuständen betroffen als Männer. Im Laufe der Zeit kommt es zu einem Rückgang der Stimmungsstörungen, die zum einen auf eine Gewöhnung an die neue Situation oder auch auf eine Inanspruchnahme psychologischer Hilfe zurückzuführen sein könnte.

Psychologische Unterstützung

Bei betroffenen Patienten treten Depressionen, Angstzustände und posttraumatische Belastungsstörungen demnach gehäuft auf. Daher ist es sinnvoll, diese Patienten vor und nach einer ICD-Implantation psychologisch zu beurteilen und gegebenenfalls zu therapieren.

Das Angebot psychologischer Hilfestellungen sollte daher mit in die Routineversorgung betroffener Patienten aufgenommen werden, um das Auftreten von Stimmungsstörungen in dieser Patientengruppe zu minimieren.

Autor:
Stand:
18.07.2023
Quelle:

Ghezzi et al. (2023): Burden of mood symptoms and disorders in implantable cardioverter defibrillator patients: a systematic review and meta-analysis of 39 954 patients. Europace, DOI: https://doi.org/10.1093/europace/euad130

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