Wie Umwelt- und Lebensstilfaktoren das Herz-Kreislauf-Risiko erhöhen

Die ischämische Herzkrankheit (Ischaemic Heart Disease [IHD]) bleibt global eine häufige Todesursache. Um perspektivisch bessere Präventionsstrategien zu entwickeln, widmete sich eine Arbeit der Beurteilung von neuen Risikofaktoren wie Umweltverschmutzung, Klimawandel, psychische Gesundheit und Infektionserkrankungen sowie deren Auswirkungen auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit.

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Die IHD gilt als führende Ursache für Morbidität und Mortalität. Obwohl präventive Interventionen, die konventionelle Risikofaktoren behandeln, dazu beigetragen haben, die Inzidenz der IHD zu reduzieren, bleibt sie weltweit eine Haupttodesursache. Daher verlagert sich die Aufmerksamkeit nun auf nicht-traditionelle Risikofaktoren, die kollektiv wesentlich zur Krankheitslast beitragen.

Neue Risikofaktoren und ihre Auswirkungen

Eine Arbeit skizziert, wie diese Risikofaktoren interagieren und zur Entstehung der IHD beitragen können. Hierbei wurde sich dem neuen Konzept des „Exposoms“ gewidmet, das die Definition von Risikofaktoren auf weitere Einflussfaktoren wie Umwelt und Lebensweise ausweitet, die bisher weniger Beachtung fanden.

Luftverschmutzung mindert Lebenserwartung

Luftverschmutzung mindert die globale Lebenserwartung um 2,9 Jahre – stärker als Tabakrauchen mit 2,2 Jahren. Mit zunehmendem Alter verschärfen sich die Folgen u.a. durch längere Belastungsexposition, vor allem in Entwicklungsländern.

Luftverschmutzung löst mit der Schadstoffinhalation beginnende Reaktionen aus, die zu Endotheldysfunktion, Entzündungen, gesteigerter Blutgerinnung und Vasokonstriktion führen. Ultrafeine Partikel können zudem direkt in den Kreislauf eindringen und eine Atherosklerose bewirken.

Feinstaubbelastungen und Dieselabgase wurden mit einem akuten Anstieg des Blutdrucks in Verbindung gebracht. Zusätzlich kann Luftverschmutzung die Insulinsensitivität beeinträchtigen und die Entwicklung eines manifestem Diabetes mellitus fördern.

Öffentliche Gesundheit bedroht durch Luftverschmutzung

Es wurde gezeigt, dass Luftschadstoffe auch bei kardiovaskulär gesunden Menschen Entzündungsmarker erhöhten.

Klimawandel und seine Auswirkungen auf die Gesundheit

Der Klimawandel verstärkt gesundheitliche Risiken besonders durch häufigere Hitzewellen, die mit mehr kardiovaskulären Todesfällen korrelieren. Hitzewellen und Luftverschmutzung zusammen erhöhen die Sterblichkeit bei Herzinfarkten durch Stressreaktionen, systemische Entzündungsreaktionen und Endotheldysfunktion.

Boden- und Wasserverschmutzung verschlechtern die Qualität von Nahrung und Wasser, wobei besonders Cadmium, Blei und Arsen das Risiko für Herzkrankheiten erhöhen.

Lichtverschmutzung als Gesundheitsrisiko

Lichtverschmutzung gilt als neuerer Umweltrisikofaktor. Eine Studie zeigte, dass Licht in der Nacht bei älteren Menschen das Risiko für eine Atherosklerose der Carotiden, erhöhten Blutdruck, Hyperglykämie und Adipositas steigerte.

Lärmbelästigung erhöht Risiko signifikant

Verkehrslärm, vor allem zur Nacht, aktiviert die Amygdala und löst darüber eine Stressreaktion aus- Dadurch erhöht sich Studien zufolge unabhängig von weiteren Risikofaktoren das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Nächtlicher Fluglärm steigerte die Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Ursachen signifikant.

Stress als Risikofaktor

Die COVID-19-Pandemie intensivierte psychosoziale Belastungen. Soziale Stressoren und psychische Erkrankungen, besonders bei kardiovaskulär Vorerkrankten, erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse signifikant.

Chronischer Stress führt zu nachteiligen Gesundheitsfolgen und verdoppelt das Risiko eines akuten Myokardinfarkts unabhängig von traditionellen, modifizierbaren Risikofaktoren.

Niedriger sozioökonomischer Status begünstigt IHD

Eine Studie zeigte, dass ein niedriger sozioökonomischer Status mit einer erhöhten Amygdalaaktivität, arterieller Entzündung und gehäuften kardiovaskulären Ereignissen verbunden ist.

Erhöhtes kardiovaskuläres Risiko durch Infektionen

Infektionen sind ein Risikofaktor für atherothrombotisch bedingte kardiovaskuläre Ereignisse. Im Zuge respiratorischer Infektionen, Parodontitiden und SARS-CoV-2 ließen sich multiple Mechanismen nachweisen, die eine IHD begünstigen, darunter Plättchenaktivierung und -aggregation, die Induktion von oxidativem Stress und eine lipopolysaccharidvermittelte systemische Inflammation.

Wechselwirkungen zwischen Infektionen und Umweltfaktoren

Studien berichten von einer starken Assoziation zwischen SARS-CoV-2-Infektion, erhöhter Feinstaubbelastung und IHD.

Umweltschutz zur Risikominderung

Kardiologische Gesellschaften erkennen Luftverschmutzung als Risikofaktor für Herzkrankheiten an und fordern Bewusstsein und Maßnahmen wie den Wechsel zu erneuerbaren Energien und alternative Verkehrsmittel.

Veränderungen im Darmmikrobiom können durch Luftverschmutzung verursacht werden und sind mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen verknüpft. Daher könnten zusätzlich pflanzliche und mediterrane Diäten, basierend auf nachhaltigen und natürlichen Zutaten, Gesundheit und Klima schonen.

Infektionsprävention als Minderung von Herz-Kreislauf-Risiken

Zur Reduktion der Auswirkungen von Infektionskrankheiten auf das Herz-Kreislauf-System werden gesunde Ernährung (mediterrane Diät, Prä-/Probiotika) sowie Impfungen gegen Grippe empfohlen, um das kardiovaskuläre Risiko zu senken und die Herzgesundheit zu verbessern.

Ausweitung präventiver Maßnahmen gefordert.

Umweltbedingte Risikofaktoren wie Luftverschmutzung, mentaler Stress, und Infektionen verschlechtern die Herz-Kreislauf-Gesundheit. Trotz wachsenden Bewusstseins und Berücksichtigung in Leitlinien sind weitere präventive Maßnahmen und Forschung nötig, um ihre gesamtheitlichen Auswirkungen zu verstehen.

Autor:
Stand:
21.03.2024
Quelle:

Montone et al. (2024): Exposome in ischaemic heart disease: beyond traditional risk factors. European Heart Journal; DOI: 10.1093/euheartj/ehae001

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