Beim DOC 2026 wurde die kontinuierliche Wirkstoffabgabe als neues Behandlungskonzept bei retinalen Erkrankungen vorgestellt.
Im Fokus stand das Port-Delivery-System (PDS), das eine kontinuierliche intravitreale Wirkstofffreisetzung über mehrere Monate ermöglicht.
Limitierende Faktoren der Anti-VEGF-Therapie
Die Anti-VEGF-Therapie gilt als eine der größten Errungenschaften der modernen Ophthalmologie. Dennoch besteht eine deutliche Diskrepanz zwischen Studienergebnissen und Versorgungsrealität. Diese Diskrepanz ist im Wesentlichen auf eine reduzierte Injektionsfrequenz und sinkende Therapieadhärenz zurückzuführen. Im klinischen Alltag werden deutlich weniger Injektionen durchgeführt als in kontrollierten Studien.
Diese Unterversorgung führt dazu, dass initiale Visusgewinne langfristig häufig nicht erhalten bleiben. Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist die Therapielast. Neben der Injektionsfrequenz spielen insbesondere organisatorische Faktoren wie Transport, Terminplanung und wiederholte Kontrollen eine entscheidende Rolle.
Kontinuierliche Wirkstoffabgabe als therapeutischer Ansatz
Das Port-Delivery-System ermöglicht eine kontinuierliche intravitreale Wirkstofffreisetzung über mehrere Monate. Ziel ist eine stabile Wirkstoffkonzentration ohne die bei intermittierender Therapie auftretenden Schwankungen. Refill-Intervalle von sechs bis neun Monaten ermöglichen eine planbare Versorgungsstruktur. Das System basiert auf einem implantierbaren Reservoir, das über einen diffusionsbasierten Mechanismus kontinuierlich Wirkstoff abgibt.
Daten bei neovaskulärer AMD
Langzeitdaten über fünf bis sieben Jahre zeigen stabile funktionelle Ergebnisse. Der durchschnittliche Visusverlust lag über sieben Jahre im Mittel bei etwa sieben Buchstaben.
Rund 95 % der Patienten benötigten zwischen den geplanten Refill-Intervallen keine zusätzliche Injektion. Damit adressiert das Konzept zentrale Limitationen der bisherigen Anti-VEGF-Therapie. Besonders geeignet erscheint das Verfahren für Patienten mit hoher Injektionsfrequenz und damit hoher Therapielast.
Daten beim diabetischen Makulaödem
Vier-Jahres-Daten zeigen vergleichbare funktionelle Ergebnisse im Vergleich zur monatlichen Injektionstherapie. In der PAGODA-Studie zeigte sich nach einem Jahr kein signifikanter Unterschied im Visusgewinn zwischen kontinuierlicher Wirkstoffabgabe und Standardtherapie.
Die Makuladicke nahm signifikant ab und blieb langfristig stabil. Zusätzlich zeigte sich bei etwa 50 % der Patienten eine Verbesserung der diabetischen Retinopathie. Mehr als 95 % der Patienten benötigten zwischen den Refill-Intervallen keine zusätzliche Therapie.
Sicherheitsaspekte
Die beobachteten Komplikationsraten entsprachen bekannten Risiken der intravitrealen Therapie. Im Verlauf der Studien konnte das Sicherheitsprofil durch Anpassungen der chirurgischen Technik verbessert werden. Eine weitere Evaluation im klinischen Alltag bleibt erforderlich.
Einordnung und Perspektive
Zum Zeitpunkt der Präsentation war das System in Deutschland noch nicht breit verfügbar. Eine Einführung wurde im weiteren Jahresverlauf erwartet. Die kontinuierliche Wirkstoffabgabe stellt einen paradigmatischen Wechsel dar:
Nicht die Verlängerung von Injektionsintervallen, sondern eine konstante Wirkstoffexposition steht im Vordergrund.
Fazit
Die kontinuierliche Wirkstoffabgabe stellt eine zentrale Weiterentwicklung der Anti-VEGF-Therapie dar.
Sie ermöglicht
- eine deutliche Reduktion der Therapielast
- eine stabile Krankheitskontrolle
- und potenziell eine bessere Langzeitadhärenz












