Frauen mit Parkinson-Krankheit könnten anfälliger für Alzheimer-typische Hirnveränderungen sein als Männer. Darauf deuten neue Daten hin, die auf dem EAN Kongress 2026 vorgestellt wurden. Die Befunde stammen aus einer neuropathologischen Untersuchung von Patienten mit autoptisch gesicherter Parkinson-Krankheit.
Zusammenhang zwischen Parkinson und Alzheimer
Parkinson- und Alzheimer-Erkrankungen treten insbesondere im höheren Lebensalter häufig gemeinsam auf. Dennoch ist bislang wenig darüber bekannt, ob sich die Alzheimer-assoziierten Hirnveränderungen bei Männern und Frauen mit Parkinson unterscheiden.
Forscher der Mayo Clinic Arizona analysierten daher Daten von 230 Patienten mit autoptisch bestätigter Parkinson-Krankheit aus der Arizona Study of Aging and Neurodegenerative Disorders sowie dem Brain and Body Donation Program. Die Teilnehmer wurden zu Lebzeiten jährlich klinisch untersucht. Nach dem Tod erfolgte eine umfassende neuropathologische Analyse.
Frauen wiesen höhere Amyloid-Plaquelast auf
Die Auswertung zeigte, dass Frauen signifikant stärker von Amyloid-Ablagerungen betroffen waren als Männer. Amyloid-Plaques gelten als eines der charakteristischen Merkmale der Alzheimer-Pathologie.
Der mittlere kortikale Gesamt-Plaquescore lag bei Frauen bei 6,5 von 15 Punkten, bei Männern hingegen bei 4,9 Punkten (p = 0,045). Auch die Dichte neuritischer Plaques war bei Frauen höher als bei Männern (1,7 vs. 1,3 von 3 Punkten; p = 0,035).
Darüber hinaus zeigte sich bei mehr als der Hälfte der weiblichen Studienteilnehmer eine hohe Plaquebelastung. Der Anteil lag bei 56,8 %, während er bei Männern 39,7 % betrug (p = 0,015).
Erhöhtes Risiko blieb nach Anpassung bestehen
Der Unterschied blieb auch nach Berücksichtigung potenzieller Einflussfaktoren bestehen. Nach Adjustierung für das Sterbealter und das APOE-ε4-Allel, einen wichtigen genetischen Risikofaktor für Alzheimer-Demenz, war die Wahrscheinlichkeit für eine hohe Amyloid-Plaquelast bei Frauen mehr als doppelt so hoch wie bei Männern (OR 2,18; 95 %-KI 1,17–4,06; p = 0,014).
Studienleiterin Dr. Erika Driver-Dunckley von der Mayo Clinic Arizona sieht darin Parallelen zu Beobachtungen bei Patienten mit Alzheimer-Erkrankung. Die Ergebnisse könnten darauf hindeuten, dass Frauen auch im Kontext einer Parkinson-Krankheit eine erhöhte Anfälligkeit für amyloidgetriebene pathologische Prozesse aufweisen.
Keine Unterschiede bei Demenz und Kognition
Trotz der stärkeren Amyloid-Belastung fanden die Forscher keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich klinischer Endpunkte. Die Häufigkeit einer Alzheimer-Demenz war bei Männern und Frauen vergleichbar. Auch in neuropsychologischen Testungen zeigten sich keine geschlechtsspezifischen Unterschiede.
Dieser Befund überrascht, da eine höhere Plaquebelastung grundsätzlich mit einem erhöhten Risiko für kognitive Beeinträchtigungen in Verbindung gebracht wird. Nach Einschätzung der Autoren könnte die Studiengröße nicht ausgereicht haben, um mögliche Unterschiede in der kognitiven Leistungsfähigkeit zuverlässig nachzuweisen.
Offene Fragen zu biologischen Mechanismen
Warum Frauen mit Parkinson offenbar häufiger Alzheimer-assoziierte Amyloid-Veränderungen entwickeln, bleibt derzeit unklar. Frühere Untersuchungen bei Patienten mit Alzheimer-Erkrankung ohne Parkinson hatten bereits geschlechtsspezifische Unterschiede hinsichtlich Hirnatrophie, neuropathologischer Belastung und kognitiver Einschränkungen beschrieben.
Die aktuellen Daten sprechen dafür, dass biologische Faktoren eine Rolle spielen könnten. Künftige große klinisch-pathologische Studien sollen die Ergebnisse bestätigen und die zugrunde liegenden Mechanismen genauer untersuchen.
Klinische Bedeutung der Ergebnisse
Die Untersuchung liefert neue Hinweise darauf, dass geschlechtsspezifische Unterschiede bei neurodegenerativen Erkrankungen stärker berücksichtigt werden sollten. Ob die erhöhte Amyloid-Plaquelast bei Frauen langfristig mit einem höheren Risiko für kognitive Verschlechterungen einhergeht, muss jedoch erst in weiteren Studien geklärt werden. Bislang zeigen die vorliegenden Daten zwar deutliche Unterschiede in der Hirnpathologie, nicht jedoch in den klinischen Folgen.












