Gesundheitspolitische und institutionelle Weichenstellungen der Impfprävention
In der fünften Session der Nationalen Impfkonferenz 2026 stand weniger die Diskussion einzelner Impfstoffe als vielmehr die strukturelle Ausrichtung der Impfprävention in Deutschland im Fokus. Vertreter zentraler Bundesinstitutionen gaben Einblick in gesundheitspolitische Reformprozesse, institutionelle Neuaufstellungen und deren Bedeutung für Prävention und öffentliche Gesundheit.
Bundesgesundheitsministerium
Neuordnung von Zuständigkeiten und politische Rahmensetzung
Im Beitrag aus dem Bundesgesundheitsministerium stellte Dr. Antina Ziegelmann zentrale organisatorische Veränderungen vor. Im Zuge einer internen Neustrukturierung wurden Zuständigkeiten für Impfungen, Antibiotikaresistenzen und One‑Health‑Themen im neu zugeschnittenen Referat 327 gebündelt. Ziel ist eine stärkere thematische Verzahnung zentraler Handlungsfelder im Bereich übertragbarer Krankheiten.
Deutlich wurde zugleich, dass Impfprävention zunehmend im weiteren Kontext von Versorgungssicherheit, Krisenresilienz und sektorübergreifender Gesundheitspolitik verortet wird. So wurden neben aktuellen gesetzgeberischen Vorhaben – etwa dem Gesetz zur Stabilisierung der Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung – auch geplante Initiativen zur Stärkung von Pflegekompetenzen und zur gesundheitlichen Absicherung in Krisenlagen angesprochen.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Impfkommunikation. Das Ministerium unterstützt unter anderem die Aktualisierung des Nationalen Impfplans und kündigte eine bundesweite Impfaktionswoche für November 2026 an. Ziel ist es, die gesellschaftliche Verankerung von Impfungen zu stärken und bestehende Informationsangebote besser zu bündeln.
Öffentliche Gesundheit im institutionellen Wandel
Dr. Johannes Nießen skizzierte die Rolle des neu gegründeten Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit, das 2025 aus der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hervorgegangen ist. Das Institut versteht sich als zentrale Plattform zur Stärkung von Prävention und Gesundheitsförderung und richtet sich dabei ausdrücklich auch an medizinische Fachkreise.
Im Bereich der Impfprävention setzt das Institut auf konsolidierte Informationsangebote, darunter aktualisierte Impfkalender sowie krankheitsspezifische Materialien. Auch Informationen zum Masernschutzgesetz wurden als fester Bestandteil der präventiven Arbeit hervorgehoben. Insgesamt wurde deutlich, dass Impfprävention hier nicht isoliert, sondern als Querschnittsthema der öffentlichen Gesundheit verstanden wird.
Beteiligung weiterer Bundesinstitute
Ergänzt wurde die Session durch Beiträge aus dem Robert Koch‑Institut und dem Paul‑Ehrlich‑Institut. Vertreter beider Einrichtungen ordneten ihre Arbeit in den Gesamtzusammenhang der Nationalen Impfkonferenz ein und unterstrichen die enge Zusammenarbeit zwischen wissenschaftlicher Risikobewertung, regulatorischer Überwachung und gesundheitspolitischer Steuerung.
Einordnung
Die Session machte deutlich, dass Impfprävention auf Bundesebene zunehmend strategisch, interdisziplinär und institutionell vernetzt gedacht wird. Neben medizinisch‑wissenschaftlichen Aspekten rücken organisatorische Strukturen, Kommunikation und Krisenfestigkeit stärker in den Fokus. Für die zukünftige Ausrichtung der Impfpolitik spielen damit nicht nur neue Impfstoffe, sondern auch stabile institutionelle Rahmenbedingungen eine zentrale Rolle.Gesundheitspolitische Rahmenbedingungen und aktuelle Vorhaben.












