Impfquoten und Hürden im höheren Lebensalter

Bei der Nationalen Impfkonferenz 2026 wurden Impfquoten, STIKO-Empfehlungen und Umsetzungsbarrieren für Schutzimpfungen im höheren Lebensalter diskutiert.

Senioren Impfung

Impfquoten und strukturelle Hürden

Im Vortrag bei der Nationalen Impfkonferenz 2026 wurden für ältere Personen niedrige Impfquoten berichtet: Für Influenza etwa 34 %, für die saisonale Auffrischung gegen COVID-19 im Jahr 2024 etwa 14 %. Auch Impfquoten gegen Pneumokokken und Herpes Zoster wurden als unzureichend eingeordnet.

Als zentrale Rahmenbedingungen wurden Immunoseneszenz, Multimorbidität, Polypharmazie und Institutionalisierung hervorgehoben. Diese Faktoren können die Impfantwort reduzieren, das Risiko schwerer Verläufe erhöhen und die Organisation von Impfungen erschweren, insbesondere in Pflege‑ und Senioreneinrichtungen.

Empfehlungen ab 60 Jahre im Überblick

Die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) wurden für Personen ab 60 Jahren anhand der relevanten Impfungen zusammengefasst:

Für Influenza wurde die jährliche Impfung betont, bevorzugt mit einem inaktivierten Hochdosis‑Impfstoff oder einem MF59‑adjuvantierten Impfstoff. Eine gleichzeitige Gabe mit Impfungen gegen COVID-19, Pneumokokken und RSV wurde als möglich dargestellt.

Pneumokokken: Umstellung auf PCV20 als Standard

Ein Schwerpunkt lag auf der Änderung der Standardempfehlung bei Pneumokokken: Der 23‑valente Polysaccharidimpfstoff PPSV23 wird nicht mehr als Standard empfohlen; stattdessen gilt der 20‑valente Konjugatimpfstoff PCV20 als Standard, begründet mit einer besseren Wirksamkeit beziehungsweise Effektivität.

Eine Wiederimpfung nach sechs Jahren wurde für zuvor Geimpfte genannt, bei begrenzter Datenlage für weitere Auffrischungen.

Herpes Zoster: Serie abschließen, Reaktogenität berücksichtigen

Für Herpes Zoster wurde der adjuvantierte Totimpfstoff mit zwei Dosen im Abstand von zwei bis sechs Monaten als empfohlen beschrieben; der Lebendimpfstoff wurde als nicht mehr empfohlen eingeordnet.

Reaktogenität mit stärkeren systemischen Reaktionen über ein bis zwei Tage wurde als häufig erwähnt und als relevanter Punkt für die Aufklärung zur Sicherung des Serienabschlusses bewertet.

RSV: Indikation, Timing und Sicherheitssignale

Für RSV wurde eine einmalige Standardimpfung ab 75 Jahren genannt; als Indikationsimpfung ab 60 Jahren bei Grunderkrankungen oder für Bewohner von Pflegeeinrichtungen. Als optimaler Zeitpunkt wurde der Zeitraum Spätsommer bis Anfang Oktober zur Sicherstellung des Schutzes in der ersten RSV‑Saison dargestellt.

In der Sicherheitsbewertung wurden Signale aus der Post‑Marketing‑Surveillance für ein erhöhtes Risiko eines Guillain‑Barré‑Syndroms und einer Immunthrombozytopenie erwähnt, bei insgesamt als günstig eingeschätzter Nutzen‑Risiko‑Abwägung.

Umsetzung in Praxis und Öffentlichem Gesundheitsdienst

Als Umsetzungshebel wurden eine systematische Impfstatusprüfung bei jedem Kontakt sowie organisatorische Strategien zur Erreichung älterer Personen beschrieben, da Kontaktpunkte im Öffentlichen Gesundheitsdienst begrenzt sind. Zudem wurde die wachsende Rolle von Apotheken in der Durchführung von Impfungen über Influenza und COVID-19 hinaus betont.

Eine begleitende Online‑Fortbildung für Mitarbeiter im öffentlichen Gesundheitswesen mit den Themen Impfen und Impfen im Alter bei Teilnehmern (Mentimeter, n = 62) zeigte niedrige Ausgangswerte für Routine (Mittelwert 2,5) und Sicherheit (2,6) mit einem Anstieg der wahrgenommenen Sicherheit nach der Veranstaltung (3,7), wobei 1 = stimme überhaupt nicht zu und 5 = stimme voll und ganz zu bedeutete. 

Abschließend wurden potenzielle Zusatznutzen von Impfungen als kommunikativ relevante Perspektive angesprochen, unter anderem Hinweise auf ein niedrigeres Demenzrisiko nach Zoster‑Impfung sowie mögliche Effekte über die Vermeidung schwerer viraler Pneumonien.

Autor:
Stand:
28.04.2026
Quelle:
  1. Impfen im Alter – Impfempfehlungen und Besonderheiten bei älteren Lebensgruppen, Dr. Oliver Normann, Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen, Nationale Impfkonferenz 2026, Session 2 mit dem Themenschwerpunkt: Zielgruppenspezifische Ansprache beim Impfen über die gesamte Lebensspanne, 28.04.2026.
  2. Robert Koch‑Institut. Epidemiologisches Bulletin. Ende 2025.

    Hinweis: Dieser Beitrag wurde redaktionell verantwortet. KI-gestützte Werkzeuge wurden unterstützend eingesetzt. Die inhaltliche Prüfung erfolgte anhand der Originalquellen.
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