Das Short-QT-Syndrom (SQTS) ist eine seltene, vererbte Ionenkanalerkrankung des Herzens. Charakteristisch ist ein stark verkürztes QT-Intervall im EKG, das mit erhöhtem Risiko für atriale und ventrikuläre Arrhythmien sowie plötzlichen Herztod einhergeht.
Das Short-QT-Syndrom (SQTS) ist eine seltene, autosomal-dominant vererbte Ionenkanalerkrankung (Kanalopathie) des kardialen Erregungsleitungssystems. Charakteristisch ist ein verkürztes QT-Intervall von ≤360 ms, das unabhängig von der Herzfrequenz weitgehend konstant bleibt. Ursache sind meist Mutationen in Genen für kardiale Kalium- oder Calciumkanäle, die zu einer gestörten Repolarisation führen. Typische EKG-Befunde sind hohe, spitze T-Wellen in den rechtspräkordialen Ableitungen. Klinisch geht das Syndrom mit einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern, Synkopen und den plötzlichen Herztod einher.
Epidemiologie
SQTS ist mit bislang nur etwa 200 bis 300 dokumentierten Fällen außerordentlich selten. Systematische bevölkerungsbasierte Daten fehlen jedoch, sodass die tatsächliche Prävalenz unbekannt ist. Männer sind etwas häufiger betroffen, das Risiko eines Herzstillstands besteht jedoch bei beiden Geschlechtern gleichermaßen. Die meisten Ereignisse treten zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf. SQTS kann sowohl symptomatisch als auch asymptomatisch verlaufen und wird häufig im Rahmen von Familienscreenings erkannt.
Pathogenese
Das SQTS beruht auf autosomal-dominant vererbten Mutationen in Genen, die für kardiale Kalium- oder Calciumkanäle kodieren. Je nach betroffenem Kanal werden derzeit sechs Subtypen unterschieden.
Die Typen 1 bis 3 entstehen durch gain-of-function-Mutationen in Kaliumkanälen (KCNH2, KCNQ1, KCNJ2), die zu einer verstärkten Auswärtsstromaktivität während der Phasen 2 und 3 des kardialen Aktionspotenzials führen. Dadurch verkürzt sich die Plateauphase, was eine insgesamt kürzere Aktionspotenzialdauer, verkürzte Refraktärzeiten und letztlich eine reduzierte QT-Zeit zur Folge hat. In betroffenen Familien wurden beispielsweise Missense-Mutationen im HERG-Gen beschrieben, die eine gesteigerte Aktivität des IKr-Stroms verursachen.
Die Subtypen 4, 5 und 6 betreffen Calciumkanäle (CACNA1C, CACNB2b, CACNA2D1) und führen durch loss-of-function-Mutationen zu einer Reduktion des L-Typ-Calciumstroms, was zur Verkürzung des Aktionspotenzials beiträgt. Die pathophysiologischen Veränderungen begünstigen die Entstehung von tachykarden Rhythmusstörungen bis hin zum plötzlichen Herztod.
Symptome
Das Short-QT-Syndrom ist mit einem hohen Risiko für maligne Herzrhythmusstörungen bei ansonsten herzgesunden Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen assoziiert, insbesondere für supraventrikuläre und ventrikuläre Arrhythmien, die gehäuft in Ruhe oder im Schlaf auftreten. Betroffene sind meist Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, welche häufig Synkopen, symptomatisches Vorhofflimmern oder Kammerflimmern zeigen. In etwa einem Drittel der Fälle kann es zum plötzlichen Herztod kommen, da die Erkrankung oft lange unerkannt bleibt.
Diagnostik
Die Diagnostik des Short-QT-Syndroms basiert auf einer Kombination aus klinischer Anamnese, EKG-Befunden und dem Ausschluss sekundärer Ursachen verkürzter QT-Zeiten.
Anamnese
Wichtige Hinweise ergeben sich aus der Familienanamnese (plötzlicher Herztod <40 Jahre, Vorhofflimmern im jungen Alter, bekannte Ionenkanalerkrankungen) sowie aus individuellen Symptomen wie Palpitationen, Synkopen oder dokumentierter Vorhofflimmern-/Kammerflimmern-Episoden. Insbesondere bei einem plötzlichen Herztod im Kindes-und Jugendalter sollte ein Short-QT-Syndrom in Betracht gezogen werden. Zudem sollten sekundäre Ursachen wie Hyperkalzämie oder bestimmte Medikamente (z. B. Nicorandil) ausgeschlossen werden.
EKG-Diagnostik
Typisch sind QTc-Zeiten ≤340 ms
Ein QTc ≤360 ms kann ebenfalls verdächtig sein, wenn zusätzliche Risikofaktoren vorliegen (z. B. Familienanamnese für SQTS oder plötzlicher Herztod, nachgewiesene Mutation, überlebter VT/VF-Event)
Die QT-Zeit bei SQTS reagiert nicht adäquat auf Herzfrequenzänderungen. Es kommt zu einer fehlenden QT-Verlängerung bei Bradykardie und einer Pseudonormalisierung bei Tachykardie.
Genetische Testung
Bei Verdacht auf familiäres SQTS sollte eine molekulargenetische Untersuchung auf bekannte Mutationen (z. B. KCNH2, KCNQ1, CACNA1C) durchgeführt werden. Ein negativer Gentest schließt ein SQTS jedoch nicht aus.
Therapie
Die Behandlung des Short-QT-Syndroms (SQTS) zielt auf die Prävention maligner Arrhythmien und des plötzlichen Herztods. Im Vordergrund steht die Risikostratifizierung und Implantation eines Kardioverten-Defibrillators (ICD).
ICD-Implantation
Eine ICD-Implantation wird bei Patienten mit dokumentierter, anhaltender ventrikulärer Tachykardie oder nach überlebtem Herzstillstand empfohlen. Auch bei Patienten mit rhythmogener Synkope sollte der ICD erwogen werden.
Implantierbarer Ereignisrekorder (ILR)
Bei jungen Patienten mit SQTS und unklarer Synkopenanamnese kann ein ILR zur weiteren Abklärung sinnvoll sein.
Medikamentöse Therapie
Chinidin
Eine medikamentöse Therapie mit Chinidin kann erwogen werden bei Patienten mit Kontraindikationen gegen einen ICD oder bei ICD-Ablehnung sowie bei asymptomatischen Patienten mit familiärer Vorbelastung. Chinidin wirkt als Klasse Ia-Antiarrhythmikum über eine Blockade von Natrium- und Kaliumkanälen zu einer Verlängerung der QT-Zeit. Aufgrund seines ungünstigen Nebenwirkungsprofils wird Chinidin nur noch selten verwendet und ist aktuell in Deutschland nicht zugelassen.
Prognose
Das Short-QT-Syndrom kann sich bereits im ersten Lebensjahr manifestieren. Die meisten Patienten sind symptomatisch, wobei neben Symptomen wie Palpitationen, Synkopen, Vorhofflimmern und ventrikuläre Extrasystolen sich bei etwa einem Drittel der Patienten ein plötzlicher Herztod als erstes Symptom darstellt. Das Risiko für den plötzlichen Herztod bleibt lebenslang erhöht, insbesondere im Säuglingsalter sowie zwischen 20-40 Jahren. Trotz familiärer Häufung bleibt die diagnostische Ausbeute genetischer Tests gering.
Prophylaxe
Da das SQTS genetisch bedingt ist, gibt es keine kausale Prävention. Umso wichtiger ist bei Hinweisen auf ein SQTS sowie bei positiver Familienanamnese eine frühzeitige Diagnostik sowie eine ICD-Implantation zur Prävention des plötzlichen Herztods.
DGK ESC Pocket Guidelines Ventrikuläre Arrhythmien und Prävention des plötzlichen Herztodes, Stand 2022, abgerufen am 14.09.2025.
Boulmpou et al. (2025): The Uncommon Phenomenon of Short QT Syndrome: A Scoping Review of the Literature. J Pers Med, DOI: 10.3390/jpm15030105.
Dewi I. D. & Dharmadjati B. B. (2020): Short QT syndrome: The current evidences of diagnosis and management. Journal of Arrhythmia, DOI: 10.1002/joa3.12439.