Autochthoner Chikungunya-Fall im Elsass nahe deutscher Grenze bestätigt

Frankreich meldet einen lokal übertragenen Chikungunya-Fall südlich von Straßburg. Der Fund nahe der deutschen Grenze unterstreicht das wachsende Übertragungsrisiko.

Tigermücke

Das Chikungunya-Virus (CHIKV) ist ein arbovirales Alphavirus, das durch Stechmücken der Gattung Aedes, insbesondere Aedes albopictus (Asiatische Tigermücke), übertragen wird. Das Virus verursacht das Chikungunyafieber, das typischerweise mit plötzlich einsetzendem Fieber, Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen sowie Hautausschlag einhergeht. Die Erkrankung verläuft meist selbstlimitierend, kann aber persistierende Gelenkbeschwerden verursachen.

Europa verzeichnet seit mehreren Jahren ein wiederkehrendes Risiko autochthoner Übertragungen in Gebieten mit etablierten Vektorpopulationen. Die Zahl der importierten Chikungunya-Fälle in Deutschland ist 2025 im Vergleich zu den Vorjahren deutlich angestiegen: Laut Robert Koch-Institut (RKI) wurden bis Anfang Juli 75 Fälle registriert (15 im April, 29 im Mai, 31 im Juni) – nahezu alle wurden aus Mauritius, La Réunion und Sri Lanka importiert.

Autochthoner Fall im Elsass und geografische Nähe zur deutschen Grenze

Am 1. Juli 2025 meldeten französische Gesundheitsbehörden der Region Grand Est erstmals einen nicht reiseassoziierten (autochthonen) Chikungunya-Fall im Département Bas-Rhin. Der Patient hatte sich ausschließlich in den Gemeinden Lipsheim und Fegersheim südlich von Straßburg aufgehalten, etwa 6 bis 7 km Luftlinie von der deutschen Grenze bei Offenburg entfernt.

Die Infektion wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit durch den Stich einer infizierten Aedes albopictus-Mücke übertragen. Damit wurde erstmals eine Übertragung ohne Reisebezug im Nordosten Frankreichs (Region Grand Est) nachgewiesen. Bislang waren solche Übertragungen auf den Süden Frankreichs beschränkt (Provence-Alpes-Côte d’Azur, Korsika, Occitanie und Auvergne-Rhône-Alpes).

Auffällig frühe und häufige Übertragungen in der Saison 2025

Laut der französischen Gesundheitsbehörde zeichnet sich die Saison 2025 durch eine bislang nicht erreichte Frühzeitigkeit und Häufung autochthoner Übertragungen aus. Insgesamt wurden in diesem Jahr bereits sieben Cluster oder Einzelfälle in fünf Regionen bestätigt. 

„Eine solche Frühzeitigkeit in der Saison und ein so hoher Wert an autochthonen Episoden wurden bisher nie beobachtet“, berichtet die nationale Gesundheitsbehörde. Der aktuelle Fall im Elsass markiert dabei eine Ausdehnung in bislang nicht betroffene Gebiete.

Ein wesentlicher Faktor ist die hohe Zahl importierter Infektionen, vor allem aus La Réunion. Allein seit Anfang Mai wurden über 700 importierte Fälle in Frankreich registriert. Trotz eines Rückgangs der Epidemie auf La Réunion im dortigen Winter bleibt die Zahl importierter Fälle hoch.

Tigermücken-Verbreitung und klimatische Bedingungen

Die Asiatische Tigermücke ist in Frankreich mittlerweile bis an die Grenze zu Deutschland verbreitet. In Deutschland bestehen stabile Populationen insbesondere in Baden-Württemberg und im Rhein-Main-Gebiet sowie vereinzelt in Bayern, Thüringen, Berlin und Nordrhein-Westfalen.

Hohe Temperaturen fördern sowohl die Vermehrung der Mücken als auch die Virusreplikation. Das RKI betont, dass die aktuellen Witterungsbedingungen in Kombination mit der Vektorverbreitung prinzipiell auch auf deutscher Seite eine lokale Übertragung ermöglichen können.

Maßnahmen der lokalen Gesundheitsbehörden und Empfehlungen des RKI

Die französischen Gesundheitsbehörden haben umgehend vektorbekämpfende Maßnahmen im Umfeld der betroffenen Gemeinden eingeleitet. Zudem wird aktiv nach weiteren möglichen Fällen gesucht. Ähnliche Strategien hatten in der Vergangenheit eine überregionale Ausbreitung begrenzt.

Das Robert Koch-Institut empfiehlt in Deutschland während der Stechmückensaison:

  • Aufmerksamkeit für unklare Fiebererkrankungen mit oder ohne Exanthem und Arthralgien – auch ohne Reiseanamnese – und gezielte Labordiagnostik auf Chikungunya und Dengue.
  • Reiserückkehrern aus Endemiegebieten wird geraten, auch nach Rückkehr konsequent Mückenschutz zu betreiben.
  • Die Bevölkerung sollte potenzielle Brutstätten auf Privatgrundstücken reduzieren.
  • Gesundheitsämter sollten reiseassoziierte Fälle auf Kontakte zu Aedes albopictus im Umfeld prüfen und gezielt nach autochthonen Übertragungen suchen. 
Autor:
Stand:
08.07.2025
Quelle:

Robert Koch-Institut (RKI), Epidemiologisches Bulletin 28/2025 (vorab online), 10. Juli 2025.

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden
Orphan Disease Finder
Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen: