Neues DGE-Positionspapier: Kein sicherer Alkoholkonsum

Das neue Positionspapier der DGE betont: Es gibt keinen gesundheitlich unbedenklichen Alkoholkonsum. Der Konsum von Alkohol ist mit erheblichen Risiken verbunden, und selbst geringe Mengen können die Gesundheit gefährden.

Alkoholsucht

Alkoholkonsum ist tief in der deutschen Gesellschaft verwurzelt, doch die gesundheitlichen Risiken sind alarmierend. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat ein aktuelles Positionspapier veröffentlicht, das die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse über Alkoholkonsum und seine Auswirkungen auf die Gesundheit zusammenfasst.

Erhöhter Alkoholkonsum in Deutschland

Deutschland zählt zu den Ländern mit einem besonders hohen Alkoholkonsum. Nach aktuellen Schätzungen beträgt die durchschnittliche tägliche Zufuhr an Alkohol bei Männern 308 g und bei Frauen 81 g, basierend auf Daten der Nationalen Verzehrsstudie II (2005–2007). Im Jahr 2022 lag der durchschnittliche Pro-Kopf-Alkoholkonsum in Deutschland bei rund 12 Litern, was weit über dem globalen Durchschnitt von 5,5 Litern liegt.

Die Verbreitung von Alkoholkonsum beginnt oft schon im Jugendalter. Laut der Ernährungsstudie als KiGGS-Modul (EsKiMo II) haben 45% der Jungen und 42% der Mädchen im Alter von 12 bis 14 Jahren in den letzten vier Wochen Alkohol konsumiert. In der Altersgruppe von 15 bis 17 Jahren steigt dieser Anteil auf über 60% bei Jungen und Mädchen. Besonders besorgniserregend ist der Anstieg des riskanten Konsums, definiert als regelmäßiges Rauschtrinken, das bei knapp 9% der Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren vorkommt.

Alkohol als kausaler Faktor für zahlreiche Erkrankungen

Alkohol ist ein bekannter Risikofaktor für über 200 verschiedene gesundheitliche Probleme, darunter sowohl akute als auch chronische Erkrankungen. Besonders hervorzuheben sind kardiovaskuläre Erkrankungen, Lebererkrankungen, neurologische Störungen und verschiedene Krebsarten.

Im Jahr 2016 wurde die alkoholbedingte Sterblichkeit in Deutschland auf 5,2% aller Todesfälle geschätzt, wobei Männer mit 7,9% stärker betroffen waren als Frauen mit 2,7%. Besonders hoch war die Sterblichkeit in der Altersgruppe der 20- bis 24-Jährigen, in der etwa ein Viertel der Todesfälle auf Alkohol zurückzuführen waren.

Eine besonders starke Assoziation besteht zwischen Alkoholkonsum und Krebserkrankungen. Studien zeigen, dass bereits geringe Mengen Alkohol das Risiko für Brust- und Darmkrebs signifikant erhöhen können. In Deutschland sind rund 4% aller Krebserkrankungen auf Alkoholkonsum zurückzuführen. Diese Erkenntnisse unterstreichen die Notwendigkeit einer strikten Begrenzung des Alkoholkonsums, insbesondere in Risikogruppen.

Präventive Maßnahmen und klinische Empfehlungen

Die DGE formuliert klare Empfehlungen zur Reduzierung des Alkoholkonsums. Es wird betont, dass es keine gesundheitlich unbedenkliche Menge an Alkohol gibt. Für gesunde Erwachsene wird ein Alkoholkonsum von maximal ein bis zwei Standardgetränken pro Woche (entspricht weniger als 27 g Alkohol) als risikoarm angesehen.

Ein moderates Risiko besteht bei einem Konsum von drei bis sechs Standardgetränken pro Woche (27 bis 81 g Alkohol). Bei einem Konsum von mehr als sechs Standardgetränken pro Woche (> 81 g Alkohol) ist das Risiko für gesundheitliche Schäden hoch.

Besondere Aufmerksamkeit sollte dabei auf vulnerable Gruppen gelegt werden: Kinder, Jugendliche, Schwangere und Stillende sollten vollständig auf Alkohol verzichten, da bereits geringe Mengen erhebliche gesundheitliche Risiken bergen. Für diese Gruppen ist die Vermeidung von Alkohol besonders wichtig, um langfristige gesundheitliche Schäden zu verhindern.

Soziale und wirtschaftliche Auswirkungen des Alkoholkonsums

Die gesundheitlichen Folgen des Alkoholkonsums haben auch weitreichende soziale und wirtschaftliche Konsequenzen. Alkoholkonsum ist ein häufiger Auslöser für Gewalt, Unfälle und soziale Probleme, die nicht nur den Konsumierenden, sondern auch das Umfeld betreffen. Schätzungen zufolge verursacht der Alkoholkonsum in Deutschland jährliche Kosten von rund 57 Milliarden Euro, wovon 16,6 Milliarden Euro auf direkte Kosten im Gesundheitssystem entfallen.

Die indirekten Kosten, etwa durch Produktionsausfälle aufgrund von Arbeitsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit und vorzeitigem Tod, belaufen sich auf etwa 40 Milliarden Euro. Demgegenüber stehen lediglich alkoholbezogene Steuereinnahmen in Höhe von rund 3 Milliarden Euro im Jahr 2022.

Alkoholprävention als integraler Bestandteil der Gesundheitsvorsorge

Ärzte und medizinische Fachkräfte spielen eine entscheidende Rolle in der Prävention alkoholbedingter Erkrankungen. Die DGE empfiehlt, den Alkoholkonsum in der ärztlichen Beratung aktiv anzusprechen und Patienten umfassend über die gesundheitlichen Risiken aufzuklären. 

Insbesondere bei Risikogruppen wie Jugendlichen, Schwangeren und Menschen mit einer familiären Vorbelastung für Alkoholabhängigkeit sollte ein besonderer Fokus auf der Prävention und Früherkennung von problematischem Alkoholkonsum liegen.

Autor:
Stand:
16.08.2024
Quelle:

Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE): Alkohol – Zufuhr in Deutschland, gesundheitliche sowie soziale Folgen und Ableitung von Handlungsempfehlungen (Online), Sonderdruck aus Ernährungs Umschau 10/2024. Aufgerufen am 16.08.2024

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