Erhöhtes Gastroparese-Risiko bei fortgeschrittener chronischer Nierenerkrankung

Eine große populationsbasierte Registeranalyse zeigt: Mit zunehmendem Schweregrad der chronischen Nierenerkrankung steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Gastroparese deutlich an. Besonders Patienten mit fortgeschrittener CKD und terminaler Niereninsuffizienz sind betroffen.

Darmerkrankung

Patienten mit chronischer Nierenerkrankung (chronic kidney disease, CKD) berichten häufig über obere gastrointestinale Beschwerden wie epigastrische Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder frühe Sättigung. Diese Symptome werden im klinischen Alltag oft Elektrolytstörungen, Volumenüberlastung oder medikamentösen Effekten zugeschrieben. Funktionelle Motilitätsstörungen des oberen Gastrointestinaltrakts, insbesondere eine Gastroparese, werden dagegen vergleichsweise selten systematisch abgeklärt. Dabei können anhaltende gastrointestinale Symptome zu Mangelernährung, intermittierender Dehydratation und damit zu einer weiteren Verschlechterung der Nierenfunktion beitragen.

Neue populationsbasierte Daten zum Zusammenhang zwischen CKD und Gastroparese lieferte eine retrospektive Analyse, die im 'Journal of Personalized Medicine' veröffentlicht wurde.

Retrospektive Analyse großer stationärer und ambulanter Patientenkohorten

Die US-amerikanische Studie war als duale, retrospektive Registeranalyse konzipiert und umfasste sowohl stationäre als auch ambulante Patientenkollektive. Für den stationären Bereich wurden Daten aus dem National Inpatient Sample (NIS) ausgewertet. In diese Analyse gingen insgesamt 3.579.372 Patienten mit einer Gastroparese ein, mit und ohne begleitende CKD.

Für den ambulanten Versorgungsbereich kam ergänzend die TriNetX-Datenbank zum Einsatz. Darin wurden 6.263.251 Patienten erfasst, die sich mit dem Leitsymptom Übelkeit und Erbrechen in ambulanten Einrichtungen vorstellten. In beiden Datenbanken erfolgte die Definition von CKD und Gastroparese anhand von ICD-10-CM-Codes.

Zur Kontrolle potenzieller Störfaktoren, darunter Diabetes mellitus Typ 2 oder der Einsatz bestimmter Arzneimittel, wurde eine Propensity-Score-Matching-Analyse durchgeführt.

Zunahme der Gastroparese-Prävalenz mit steigendem CKD-Schweregrad im stationären Setting

In der stationären Kohorte zeigte sich mit steigendem CKD-Schweregrad eine klare Zunahme der Gastroparese-Prävalenz. So wiesen Patienten mit fortgeschrittener CKD eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit für eine Gastroparese auf als Patienten ohne CKD. Die höchste Prävalenz wurde bei Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz beobachtet.

Diese Schweregradabhängigkeit blieb auch nach Adjustierung für relevante Begleiterkrankungen und nach Propensity Score Matching bestehen.

Ambulante Daten bestätigen Zusammenhang zwischen CKD und Gastroparese

Auch in der ambulanten Kohorte war CKD mit einem erhöhten Risiko für Gastroparese assoziiert. Im Gegensatz zum stationären Datensatz zeigte sich hier jedoch kein durchgehend konsistenter, stufenweiser Zusammenhang zwischen CKD-Stadium und Gastropareseprävalenz.

Nach Propensity Score Matching bestätigte sich dennoch auch im ambulanten Setting eine erhöhte Odds Ratio für Gastroparese bei Patienten mit fortgeschrittener CKD. Der stärkste Zusammenhang wurde wiederum bei Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz beschrieben.

Einordnung der Ergebnisse in die bisherige Evidenzlage

Die Ergebnisse fügen sich in eine bestehende, jedoch bislang begrenzte Evidenzlage ein. Frühere Arbeiten, darunter Metaanalysen und kleinere klinische Studien, hatten bereits auf eine verzögerte Magenentleerung bei Patienten mit CKD hingewiesen. Die nun vorgelegte Analyse erweitert diese Erkenntnisse durch die Auswertung sehr großer Patientenkollektive und die gleichzeitige Betrachtung von stationären und ambulanten Versorgungsrealitäten.

Die Autoren diskutieren mehrere pathophysiologische Erklärungsansätze, darunter urämiebedingte autonome Dysfunktionen, Veränderungen der gastrointestinalen Motilität sowie neurohumorale Mechanismen. Diese Aspekte wurden jedoch nicht primär untersucht, sondern dienen der Einordnung der beobachteten epidemiologischen Zusammenhänge.

Autor:
Stand:
09.03.2026
Quelle:

Wang, X. et al. (2025): The Hidden Burden of Gastroparesis in Chronic Kidney Disease: Evidence from Inpatient and Outpatient Cohorts for Personalized Care. Journal of Personalized Medicine, DOI: 10.3390/jpm15120600.

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