Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, dass das Alzheimer-Risiko stärker von der mütterlichen Seite beeinflusst wird. Kognitiv unbeeinträchtigte ältere Menschen, deren Mütter Gedächtnisstörungen hatten, wiesen eine erhöhte Menge an Beta-Amyloid im Gehirn auf. In einem begleitenden Editorial wird betont, dass die familiäre Vorgeschichte, neben dem Alter, zu den größten Risikofaktoren für die Alzheimer-Krankheit zählt. Besonders bei betroffenen Elternteilen, ob Mutter oder Vater, erhöht sich das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, um das Zwei- bis Vierfache.
Stärkeres Risiko bei mütterlicher Alzheimer-Erkrankung
Weitere Studien zeigen, dass vor allem eine Alzheimer-Erkrankung der Mutter mit einer erhöhten Beta-Amyloid-Last, einem reduzierten Hirnstoffwechsel und einem geringeren Volumen der grauen Hirnmasse bei den Nachkommen assoziiert ist. Dies gilt unabhängig davon, wann die Gedächtnisstörungen bei der Mutter auftraten, während Gedächtnisstörungen des Vaters nur bei frühem Auftreten relevant sind.
Über 4400 Senioren wurden untersucht
Die aktuelle Studie untersuchte 4.413 ältere Menschen ohne kognitive Beeinträchtigungen mithilfe von PET-Scans. Diese zeigten, dass Teilnehmer, deren Mütter Gedächtnisstörungen hatten, signifikant höhere Beta-Amyloid-Werte im Gehirn aufwiesen.
Gedächtnisstörungen des Vaters weniger bedeutend
Gedächtnisstörungen des Vaters waren nur relevant, wenn sie vor dem 65. Lebensjahr auftraten. In diesem Fall konnten die Forscher ebenfalls erhöhte Beta-Amyloid-Werte feststellen. Bei späterem Auftreten spielten diese Störungen jedoch keine Rolle. Das mütterliche Alzheimer-Risiko blieb dagegen auch bei spätem Auftreten von Gedächtnisstörungen bedeutsam.
X-Chromosom: Schlüsselfunktion bei Alzheimer
Es wird vermutet, dass das von der Mutter vererbte X-Chromosom eine Schlüsselrolle beim Alzheimer-Risiko spielen könnte. Erste Hinweise aus Studien an Mäusen und Frauen mit Turner-Syndrom, die nur ein X-Chromosom haben, unterstützen diese Hypothese.
Beta-Amyloid-Levels als diagnostisches Kriterium?
Forschende sehen in den Ergebnissen der Studie Potenzial für die klinische Praxis. Die Frage nach der mütterlichen Vorgeschichte könnte Ärzten helfen, das Alzheimer-Risiko früher zu erkennen und präventive Maßnahmen zu ergreifen. Dennoch warnen die Forscher vor einer übermäßigen Interpretation der Daten. Wichtige Faktoren wie Bildungsstand oder das Haushaltseinkommen in der Kindheit wurden nicht berücksichtigt.




