Transkranielle Magnetstimulation verbessert Sprachfähigkeit bei chronischer Aphasie

Patienten mit chronischer nichtflüssiger Aphasie nach Schlaganfall erzielen durch die Kombination aus transkranieller Magnetstimulation und intensiver multimodaler Sprachtherapie deutlich größere Fortschritte in der Sprachproduktion als mit alleiniger Sprachtherapie.

Logopädie

Aphasie betrifft bis zu 38 % der Überlebenden eines ischämischen Schlaganfalls in der linken Hemisphäre. Obwohl frühe sprachtherapeutische Maßnahmen häufig initiale Erfolge zeigen, bleiben viele Patienten über Monate oder Jahre hinweg erheblich beeinträchtigt. Besonders im chronischen Stadium, also mehr als sechs Monate nach dem Ereignis, stehen nur begrenzte Optionen zur funktionellen Verbesserung zur Verfügung. Die Wirksamkeit konventioneller Sprachtherapie nimmt mit fortschreitender Zeit ab, während die Evidenz für neuromodulatorische Verfahren in der Langzeitrehabilitation bisher eingeschränkt ist.

Vor diesem Hintergrund wurde eine randomisierte, doppelblinde, scheinkontrollierte Studie veröffentlicht, die in 'Neurology' erschien. Sie untersucht den potenziellen Nutzen der Kombination aus repetitiver transkranieller Magnetstimulation (rTMS) mit intensiver multimodaler Sprachtherapie (M-MAT) bei Patienten mit chronischer nichtflüssiger Aphasie.

Vergleich von Magnetstimulation und Scheinbehandlung in der Sprachtherapie

Ziel der Studie war es, die additive Wirkung einer niederfrequenten transkraniellen Magnetstimulation (1 Hz) über der rechten Pars triangularis in Kombination mit multimodaler Sprachtherapie (M-MAT) auf die Sprachproduktion bei Patienten mit chronischer Aphasie zu untersuchen.

Die Untersuchung wurde zwischen April 2021 und Mai 2023 an einer ambulanten neurorehabilitativen Klinik der University of Calgary durchgeführt.

Eingeschlossen wurden 44 Patienten mit chronischer, nichtflüssiger Aphasie infolge eines linkshemisphärischen ischämischen Schlaganfalls, der mehr als sechs Monate zurücklag. Die Teilnehmenden wurden randomisiert einer von zwei Gruppen zugewiesen: einer Gruppe mit aktiver Magnetstimulation und einer Kontrollgruppe mit Schein-Stimulation. Beide Gruppen erhielten zusätzlich eine identische Intervention bestehend aus insgesamt 35 Stunden M-MAT, verteilt auf zehn Behandlungstage.

Primärer Endpunkt war der Aphasiequotient der Western Aphasia Battery (WAB-AQ), erhoben jeweils drei und fünfzehn Wochen nach Studienbeginn.

Sprachverbesserung unter M-MAT – zusätzliche Effekte durch rTMS

Unabhängig von der Stimulationsgruppe erreichten alle Teilnehmer signifikante Verbesserungen des WAB-AQ zwischen Baseline und Woche 15 (mittlere Differenz 5,33 Punkte, 95 %-Konfidenzintervall [KI]: 2,9–7,8; p < 0,001).

Allerdings zeigte sich ein signifikanter Interaktionseffekt zwischen Gruppe und Zeit zugunsten der Magnetstimulationsgruppe (β = 0,31; p = 0,024). Der mittlere Anstieg im WAB-AQ betrug in der rTMS-Gruppe 7,6 Punkte (95 %-KI: 4,1–11,1) gegenüber 3,0 Punkten in der Kontrollgruppe (95 %-KI: −0,3 bis 5,2). Der Gruppenunterschied zum Endzeitpunkt betrug somit 4,6 Punkte (95 %-KI: 0,6–8,6; p = 0,024).

Teilnehmer der rTMS-Gruppe zeigten signifikant weniger Wortfindungsstörungen und formulierten längere, vollständigere Sätze mit deutlich reduzierter Pausenhäufigkeit im Vergleich zur Kontrollgruppe.

Fazit: rTMS unterstützt späte Sprachverbesserung bei chronischer Aphasie

Für die Kombination aus repetitiver transkranieller Magnetstimulation und Sprachtherapie bei Aphasie im subakuten und chronischen Stadium lagen bislang uneinheitliche Ergebnisse vor. Die vorliegende Untersuchung demonstriert, dass eine hochdosierte, intensive Sprachtherapie auch im chronischen Verlauf zu funktionellen Verbesserungen führen kann – insbesondere, wenn sie durch rTMS ergänzt wird. Damit können selbst Jahre nach dem ischämischen Ereignis plastische Veränderungen im Sprachnetzwerk angestoßen werden, sofern die therapeutische Intensität ausreichend hoch ist.

Zur Beurteilung der Langzeitwirkung sowie eines möglichen Bedarfs an Auffrischungsinterventionen sind multizentrische Studien mit längerer Nachbeobachtungszeit erforderlich. Darüber hinaus sind neurobiologische Untersuchungen notwendig, um die Mechanismen verzögert einsetzender Effekte zu klären und prädiktive Marker für den individuellen Therapieerfolg zu identifizieren.

Autor:
Stand:
07.05.2025
Quelle:

Low, T. A. et al. (2025): Transcranial Magnetic Stimulation Combined with Multimodality Aphasia Therapy for Chronic Poststroke Aphasia. Neurology, DOI: 10.1212/WNL.0000000000213424.

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