Beruflicher Wiedereinstieg mit digitaler Betreuung

Berufliche Rehabilitation für Menschen mit psychischer Erkrankung haben sich bewährt. Dennoch stellt der Berufsalltag für die Betroffenen häufig eine Herausforderung dar. Eine Studie untersucht, wie effektiv eine digitale Nachbetreuung den Betroffenen helfen kann.

Arzt Patient digitale Betreuung

Zunahme von Frührenten aufgrund psychischer Erkrankungen

Im Jahr 2000 erhielten rund 51.500 Menschen erstmals eine Erwerbsminderungsrente wegen einer psychischen Erkrankung. Bis zum Jahr 2020 stieg diese Zahl um rund 42% auf 73.000 Menschen, die eine Erwerbsminderungsrente aufgrund Angststörungen, Depressionen, Substanzabhängigkeit oder einer anderen psychischen Erkrankung erhielten [1]. Psychische Erkrankungen sind damit die häufigste Ursache für Frührenten [2].  Die Gründe für diesen Anstieg liegen, so die Ansicht der Deutschen Rentenversicherung, vor allem in einer besseren Diagnostik und Erkennung sowie einer größeren Akzeptanz psychischer Erkrankungen in der Gesellschaft.

Spezifische Rehabilitationen bei psychischen Erkrankungen unterstützen Betroffene dabei, dauerhaft erwerbstätig zu bleiben. Die Rehabilitation beugt darüber hinaus der Chronifizierung der Erkrankung vor und verbessert die Lebensqualität Betroffenen. Eine Erhebung der Rentenversicherung zeigte, dass auch zwei Jahre nach der Rehabilitation nur 17% der Patienten eine Erwerbsminderungs- oder Altersrente bezogen. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass es schwierig sein kann, die Erkenntnisse aus der Reha dauerhaft im Berufsalltag umzusetzen.

Beruflicher Wiedereinstieg mit digitaler Unterstützung

Spezifische digitale Nachbetreuungen nach der Reha sollen die Patienten in ihrem Berufsalltag unterstützen. Über eine Online-Plattform absolvieren die Teilnehmenden regelmäßig Übungen, tauschen sich im Chat mit ihrer Reha-Gruppe aus und bleiben mit Therapeuten in Kontakt. „Erste Erfahrungen zeigen, dass eine digitale Nachbetreuung die Erfolge der Therapie stützen und Rückfälle verhindern kann. Bisher wurde jedoch nicht wissenschaftlich untersucht, wie groß und nachhaltig die Effekte sind“, erklärte Dr. Gustav Wirtz, ärztlicher Leiter der SRH RPK in Karlsbad Langensteinbach in einer Pressemeldung.

Daher startet das Bildungs- und Gesundheitsunternehmens SRH mit einem Team um Wirtz und in Zusammenarbeit mit Forschungsstelle für Psychotherapie (FOST) des Instituts für Psychosoziale Prävention am Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD) eine Studie, die zeigen soll, wie effektiv und nachhaltig digitale Therapieangebote den beruflichen Wiedereinstieg unterstützen können. Das Projekt wird von der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg gefördert. 

Projektplan, Follow up und Ausblick

Die Teilnehmenden kommen aus den Einrichtungen des Bildungs- und Gesundheitsunternehmens SRH. Man plant rund 160 Rehapatienten der DRV Baden-Württemberg für die Studie zu rekrutieren. Eingeschlossen werden Patienten, die mindestens sechs Monate in einer beruflichen Reha sind und eine Rückkehr in die Erwerbtätigkeit planen. Die Teilnehmer erhalten dann ein Jahr lang Zugang zum digitalen Nachsorgeprogramm „Way to Work“.

„Die Teilnehmenden der Studiengruppe werden nach Ende der beruflichen Reha jeweils 18 Monate begleitet und regelmäßig zu ihrer aktuellen Entwicklung befragt. So können wir langfristige Effekte auswerten und vergleichen“, erklärt PD Dr. Stephanie Bauer, Leiterin der FOST, die die Studie wissenschaftlich begleitet. Konkret geht es den Wissenschaftler darum zu erfahren, ob die Teilnehmenden mit Hilfe der Nachbetreuung beruflich besser Fuß fassen, gesünder sind und ob ihre Lebensqualität zunimmt. Die Ergebnisse der Interventionsgruppe werden mit denen einer Kontrollgruppe unter Standardbetreuung verglichen.

Die Studie läuft bis Ende 2026, dann werden erste Ergebnisse vorliegen. Geplant ist, mithilfe der Erkenntnisse die digitale Nachsorge in weiteren Einrichtungen zu etablieren und so die Unterstützung von Menschen mit psychischen Erkrankungen insgesamt zu verbessern.

Autor:
Stand:
23.10.2023
Quelle:
  1. Deutsche Rentenversicherung, Pressemeldung, 30.11.2023
  2. SRH Holding und Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD), Pressemeldung, 27.09.2023
  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden