Blutbasierte Alzheimer-Biomarker in Primär- und Sekundärversorgung

Ein blutbasierter Biomarker-Test zeigte in einer prospektiven Studie eine hohe diagnostische Genauigkeit bei der Alzheimer-Diagnose. Der Test musste sich mit Biomarkern aus Liquor und Bildgebung sowie mit Hausärzten und Spezialisten messen.

Amyloid Alzheimer

Schon lange sucht die Forschung nach blutbasierten Biomarkern zur Diagnose von Alzheimer. Damit kausale Therapien, die sich derzeit im Anfangsstadium befinden, erfolgreich eingesetzt werden können, ist eine frühe Diagnose wichtig. Die derzeitigen Biomarker für die frühe Alzheimer-Demenz sind mit aufwändigen und kostenintensiven Untersuchungen wie Liquoranalyse und Positronen-Emissions-Tomographie (PET) verbunden. Nur mit blutbasierten Tests ist ein wenig invasives und kostengünstiges Screening möglich.

Studie zu blutbasiertem Alzheimer-Biomarker in Primärversorgung und Gedächtnisambulanz

Ein Team um Dr. Sebastian Palmqvist von der Lund University in Schweden leistete nun einen weiteren Forschungsbeitrag zu blutbasierten Biomarkern bei Alzheimer. In ihrer Studie evaluierten die Forscher prospektiv einen verfügbaren Alzheimer-Bluttest in der Primär- und Sekundärversorgung mit Cutoff-Werten, die zuvor in einer unabhängigen Kohorte festgelegt wurden. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „JAMA Network“ publiziert und bei der Alzheimer’s Association International Conference (AAIC) 2024 in Philadelphia, USA, vorgestellt.

Blutproben von mehr als 1.000 Patienten analysiert

Die Forscher analysierten Blutproben von 1.213 Patienten mit kognitiven Beschwerden, die beim Hausarzt oder in einer Gedächtnisambulanz vorstellig wurden. Das mittlere Alter lag bei 74 Jahren und fast die Hälfte der Studienteilnehmer war weiblichen Geschlechts. Von den Teilnehmern zeigten 23% eine subjektive kognitive Beeinträchtigung, 44% eine milde kognitive Beeinträchtigung und 33% eine Demenz. Bei der Hälfte aller Teilnehmer lag eine Alzheimer-Pathologie vor.

Blutbasierter Test kombiniert Tau- und Amyloid-Marker 

In der Studie wurde der Test „PrecivityAD2“ von C2N Diagnostics genutzt. Der Test verwendet die Massenspektrometrie zur Messung von zwei Proteinen, die zueinander ins Verhältnis gesetzt werden: Tau217 (phosphoryliertes [p] und Gesamt-Tau217) und Beta-Amyloid (Amyloid-beta 40 und 42). Basierend auf den Testergebnissen wurde der Amyloid Probability Score (APS2-Score) berechnet. Dieser Score gibt an, wie wahrscheinlich es ist, dass die untersuchte Person eine Alzheimer-Pathologie im Gehirn aufweist.

Sind sich Arzt und Bluttest einig bei Alzheimer-Diagnose?

Zur Beurteilung der Genauigkeit des Bluttests verglichen die Wissenschaftler die APS2-Werte mit den Ergebnissen aus Liquoranalyse und PET. Weiterhin wurden Ärzte aus der Primär- und Sekundärversorgung gefragt, ob der jeweilige Patient an Alzheimer leidet oder nicht. Die Ärzte stützten sich dabei auf die Befunde von klinischer Untersuchung, kognitiven Tests und den Ergebnissen aus der Computertomographie.

Dabei zeigte der Test eine diagnostische Genauigkeit von 91% in der Kohorte aus den Gedächtnisambulanzen und von 89% in der Kohorte aus der Primärversorgung. Die Anzahl korrekter Diagnosen änderte sich nicht, wenn statt APS2 der Gehalt von pTau217 alleine bestimmt wurde. Hausärzte lagen mit ihrer Diagnose ohne Nutzung des Tests zu 63% richtig und Fachärzte zu 73%.  

Test auch bei Patienten mit Komorbiditäten verlässlich

Der Test war auch bei Patienten mit Komorbiditäten sehr genau. „Diese Ergebnisse sind besonders beeindruckend, wenn man bedenkt, dass ältere Menschen in der Primärversorgung oft Erkrankungen haben, welche die Konzentrationen von pTau217 beeinflussen oder verändern können“, erklärt Palmqvist.

Wichtiger Schritt hin zur breiten Anwendung von blutbasierten Alzheimer-Tests

Im Ergebnis zeigten der APS2 und der pTau217-Gehalt allein eine hohe Genauigkeit zur Diagnose von Alzheimer bei Patienten der Primär- und Sekundärversorgung. „Wir sehen dies als großen Schritt in Richtung der globalen klinischen Implementierung eines Alzheimer-Bluttests“, so Dr. Oskar Hansson, Leiter der Studie. 

Die Autoren fordern weitere Studien, um zu untersuchen, wie der Einsatz von blutbasierten Biomarkern die klinische Versorgung beeinflusst.  

Autor:
Stand:
07.09.2024
Quelle:
  1. Palmqvist et al. (2024): Blood Biomarkers to Detect Alzheimer Disease in Primary Care and Secondary Care. JAMA Network, DOI: 10.1001/jama.2024.13855
  2. Alzheimer’s Association, Pressemeldung, 28.07.2024; abgerufen am 14.08.2024
  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden