Cannabis beeinflusst Schwangerschaft-Outcomes

Bislang gab es wenig Real-World-Daten zu den Folgen von Cannabiskonsum während der Schwangerschaft. Eine Zusatzanalyse von 10.000 Datensätzen und Urinproben zeigte, dass insbesondere ein fortdauernder Cannabiskonsum Schwangerschafts-Outcomes negativ beeinflussen kann.

Fötus im Amnion

Anstieg des Cannabiskonsums

Im Verlauf des letzten Jahrzehnts wurde der Konsum von Cannabis zunehmend als sicher wahrgenommen. Mit dieser positiven Wahrnehmung stieg auch der Cannabiskonsum bei Schwangeren an. Die meisten verfügbaren Daten zum Cannabiskonsum während der Schwangerschaft müssen jedoch mit Vorbehalt betrachtet werden, weil sie mehrheitlich auf Selbstauskünften beruhen. Vorangegangene Studien zeigten, dass der tatsächliche Cannabiskonsum 2 bis 3mal höher lag, als die befragten Schwangeren berichteten.

Auf der Grundlage der verfügbaren Daten ist es daher kaum einzuschätzen, wie sich Cannabiskonsum auf Schwangerschafts-Outcomes auswirkt. Darüber hinaus unterscheiden sich Frauen, die während der Schwangerschaft Cannabis konsumieren, häufig auch hinsichtlich anderer Aspekte, wie z. B. beim Nikotinkonsum, von Frauen, die während der Schwangerschaft Cannabis abstinent sind.

Bei einer Analyse muss zudem der medizinische Gebrauch von Cannabis berücksichtigt werden, da einige der entsprechenden Komorbiditäten den Schwangerschaftsverlauf eigenständig beeinflussen könnten.

Verringerte Plazentadurchblutung

Vorangegangene Studien zeigten unerwünschte Effekte des Cannabiskonsum auf die Plazenta. Es konnten ein suboptimales fetales Wachstum, eine verringerte Plazentadurchblutung und Sauerstoffverfügbarkeit nachgewiesen werden.

Wissenschaftler verschiedener US-amerikanischer Universitäten um Dr. Torri D. Metz und die Biostatistikerin Amanda A. Allshouse von der School of Medicine an der University of Utah nutzten ein Archiv mit mehr als 10.000 Urinproben nulliparer Schwangerer, um anhand von Real-World-Daten zu ermitteln, ob Cannabisgebrauch bei werdenden Müttern mit unerwünschten Schwangerschafts-Outcomes infolge gestörter Plazentafunktionen assoziiert ist.

Proben und Datensätze aus der nuMoM2b-Studie

Für die aktuelle Zusatzanalyse nutzten die Forscher die Datensätze und gelagerten, tiefgefrorenen Urinproben der „Nulliparous Pregnancy Outcomes Study: MonitoringMothers-to-Be“ (nuMoM2b). Die Teilnehmerinnen an der nuMoM2b Kohortenstudie waren Patientinnen in 8 US-amerikanischen medizinischen Zentren und wurden von 2010 bis 2013 rekrutiert. Die Urinproben waren den Schwangeren an drei Besuchsterminen im Rahmen von nuMoM2b entnommen worden.

  • Gestationsalter von 6 Wochen bis 13 Wochen und 6 Tage
  • Gestationsalter von 16 Wochen bis 21 Wochen und 6 Tage
  • Gestationsalter von 22 Wochen bis zu 29 Wochen und 6 Tage

Cannabisnachweis und Outcomes

Drogenscreens und -analysen für die vorliegende Zusatzanalyse wurden von Juni 2020 bis April 2023 vorgenommen. Eine Cannabis-Exposition wurde durch einen Immunoassay für 11-Nor-9-carboxy-Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) in den Urinproben nachgewiesen. Positive Ergebnisse wurden über Flüssigchromatographie mit Tandem-Massenspektrometrie bestätigt.

Der primäre Komposit Endpunkt umfasste ein für das Gestationsalter geringes Geburtsgewicht, Frühgeburt, Totgeburt und hypertensive Störungen in der Schwangerschaft. Der sekundäre explorative Endpunkt war der Unterschied der Outcomes zwischen Cannabiskonsum ausschließlich im 1. Trimester und dem fortdauernden Konsum über das 3. Trimester der Schwangerschaft hinaus.

Cannabiskonsum bei 6,6% der Schwangeren

Von den 10.038 Studienteilnehmerinnen wurden 9.257 in die Zusatzanalyse aufgenommen.  Ein Cannabisgebrauch wurde bei 610 (6,6%) der Teilnehmerinnen nachgewiesen, bei 197 (32,4%) Teilnehmerinnen war die Cannabisexposition auf das 1. Trimester begrenzt, eine fortwährende Exposition über das 3. Trimester hinaus bestand bei 413 (67,6%) der Teilnehmerinnen.

Das primäre Komposit Outcome trat bei 25,9% der Frauen in der Cannabis-Expositionsgruppe und bei 17,4% der Frauen ohne Cannabis Exposition auf. Nach Adjustierung um weitere Risikofaktoren ergab sich bei Cannabisgebrauch gegenüber Nicht-Gebrauch ein adjustiertes relatives Risiko (ARR) von 1,27 (95%-KI 1,07 bis 1,49). Bei Frauen, die Cannabis nur im 1. Trimester konsumierten, kam es bei 24,1% zum primären Komposit Outcome, wohingegen 26,7% der Frauen mit fortwährendem Konsum davon betroffen waren. Der fortwährende Konsum war im voll adjustierten Modell mit einer Risikoerhöhung um 33% verbunden.

Cannabiskonsum ist mit Risiken in der Schwangerschaft verbunden

In dieser Multicenter-Kohorte war der Cannabiskonsum werdender Mütter mit negativen Schwangerschaftsausgängen in Beziehung zu r Funktionsstörungen der Plazenta assoziiert. Insbesondere ein fortdauernder Konsum führt zu einer Erhöhung der Risiken.

Autor:
Stand:
10.01.2024
Quelle:

Metz TD, Allshouse AA, McMillin GA, et al. Cannabis Exposure and Adverse Pregnancy Outcomes Related to Placental Function. JAMA. 2023;330(22):2191–2199. doi:10.1001/jama.2023.21146

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