Lange Verzögerung bis zur Demenzdiagnose
Eine internationale systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse hat ergeben, dass Patienten im Mittel 3,5 Jahre von den ersten Symptomen bis zur endgültigen Demenzdiagnose warten. Damit bestätigen sich Vermutungen, dass die diagnostische Abklärung weiterhin erheblich verzögert ist.
Besonders junge Patienten betroffen
Die Analyse von über 30.000 Betroffenen zeigte, dass die Zeit bis zur Diagnose bei jüngeren Patienten mit Erkrankungsbeginn vor dem 65. Lebensjahr im Schnitt 4,1 Jahre beträgt. Für spät einsetzende Krankheitsformen lag die Diagnosezeit bei etwa 2,9 Jahren. Damit ist die diagnostische Latenz bei jüngeren Patienten besonders ausgeprägt.
Frontotemporale Demenz am schwersten zu erkennen
Auch die Art der Demenz beeinflusst die Diagnosezeit. Bei Alzheimer-Patienten betrug sie im Mittel 3,6 Jahre, bei frontotemporaler Demenz (FTD) hingegen 4,2 Jahre. Die Studienautoren betonen, dass FTD besonders schwer zu diagnostizieren ist und häufig erst spät erkannt wird.
Einflussfaktoren auf die Zeit bis zur Diagnose
Die Faktoren, die eine Diagnose verzögern oder beschleunigen, waren in den Studien teils widersprüchlich. Konsistent zeigten sich jedoch zwei Befunde: Jüngeres Erkrankungsalter und das Vorliegen einer FTD verlängern die Diagnosezeit. Erste Hinweise deuten zudem auf einen Einfluss von Bildungsniveau, ethnischer Herkunft und funktionellen Einschränkungen hin.
Dringender Bedarf an spezialisierten Strukturen
Die Autoren fordern gezielte Strategien, um die Diagnosezeit zu verkürzen. Insbesondere spezialisierte Zentren für junge Patienten könnten den Zugang zur richtigen Diagnose beschleunigen. Eine Harmonisierung der diagnostischen Kriterien und einheitliche Definitionen des Begriffs „time to diagnosis“ werden als zentrale Aufgaben für künftige Forschung hervorgehoben.




