Depressionsrisiko von Kindern depressiver Väter

Es ist bekannt, dass Kindern, deren Mütter unter Depressionen leiden, selbst ein erhöhtes Risiko für Depressionen haben. Doch wie ist der Einfluss einer väterlichen Depression auf das Depressionsrisiko der Nachkommen? Dieser Frage ging eine aktuelle Studie auf den Grund.

Depressive Eltern mit Kindern

Es gibt zahlreiche Risikofaktoren, die zum Auftreten depressiver Störungen beitragen können. Zu den biologischen Risikofaktoren gehört die genetische Vulnerabilität. So haben Menschen, in deren Familie bereits Depressionen aufgetreten sind, ein höheres Erkrankungsrisiko. Das gilt besonders, wenn Verwandte ersten Grades betroffen sind. Hier ist gerade der Einfluss depressiver Mütter auf das Depressionsrisiko bei den Nachkommen gut untersucht und belegt.

Einfluss von Vätern mit Depressionen bislang unklar

Was den Einfluss der Väter auf das Depressionsrisiko der Nachkommen anbelangt, ist die Datenlage bislang nicht eindeutig. Während einige Studien auf ein erhöhtes Depressionsrisiko bei Kindern depressiver Väter hindeuten, konnten andere Studien einen solche Assoziation nicht nachweisen. Zur Klärung der Fragestellung hat nun ein Team um Dr. Berihun Dachew von der Curtin University, Perth, Australien, eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse durchgeführt.

Groß angelegte Metaanalyse mit über 7 Millionen Vater-Kind-Dyaden

Die Forscher suchten in den Datenbanken Embase, PubMed, PsycINFO, Scopus und Web of Science nach Beobachtungsstudien, welche die Assoziation zwischen väterlichen Depressionen und dem Depressionsrisiko der Nachkommen untersucht hatten. Inkludiert wurden 16 Studien aus den Jahren 2002 bis 2021 mit insgesamt 7.153.723 Vater-Kind-Dyaden. Die Studien waren mit einer Ausnahme in westlichen Ländern – USA, Australien und Europa – durchgeführt worden.

Jedes vierte Kind betroffen

Die Ergebnisse zeigen, dass Depressionen beim Vater mit einem erhöhten Risiko für Depressionen beim Kind assoziiert sind. Kinder, deren Väter unter Depression litten, hatten ein 42% höheres Risiko selbst an einer Depression zu erkranken (Odds Ratio [OR] 1,42; 95% Konfidenzintervall [KI] 1,17 bis 1,71) im Vergleich zu Kindern, deren Väter nicht unter Depressionen litten. Diese Assoziation blieb auch erhalten, nachdem eine Anpassung an Störfaktoren wie mütterliche Depressionen, perinataler Substanzmissbrauch der Mütter, Alter der Eltern, Einkommen, Bildungsstand der Eltern und mögliche weitere psychische Komorbiditäten der Väter durchgeführt worden war.

Dauer der väterlichen Depression beeinflusst Depressionsrisiko der Nachkommen

Je länger die Kinder der väterlichen Depression ausgesetzt waren, desto höher war ihr eigenes Depressionsrisiko. Bei einer lebenslangen väterlichen Depression betrug das Depressionsrisiko der Kinder 58% (OR 1,58; 95% KI 1,09 bis 2,29), bei einer väterlichen Depression im postpartalen Zeitraum 5% (OR 1,05; 95% KI 1,02 bis 1,09) und in der frühen Kindheit 22% (OR 1,22; 95% KI 1,07 bis 1,36).

Limitationen der Studie

Die meisten analysierten Studien bezogen wichtige Störfaktoren, beispielsweise mütterliche Depressionen, nicht mit ein. Da überwiegend Studien aus westlichen Industrienationen in die Metaanalyse inkludiert wurden, lassen sich die Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf andere Länder und Kulturräume übertragen.

Familie im Fokus der Therapie

In dieser Metaanalyse waren väterliche Depressionen mit einem um 42% höheren Depressionsrisiko bei den Nachkommen assoziiert. Die Ergebnisse zeigen die transgenerationale Weitergabe von psychischen Erkrankungen und unterstreichen, dass Therapien nicht nur den Patienten selbst, sondern der ganzen Familie helfen. Ein Familien-zentrierter Fokus sei wichtig, um eine isolierte Therapie mütterlicher, väterlicher oder kindlicher Depressionen zu vermeiden, so die Autoren.

Die Mechanismen hinter dieser Assoziation müssen weiter untersucht werden. Genetische und epigenetische Faktoren werden vermutet. Daneben tragen sicherlich auch psychosoziale Faktoren, etwa eine durch die väterliche Depression beeinträchtigte Vater-Kind-Bindung, zu der Assoziation bei. Insgesamt ist von einem multifaktoriellen Hintergrund auszugehen.

Autor:
Stand:
04.10.2023
Quelle:

Dachew et al. (2023): Paternal Depression and Risk of Depression Among Offspring: A Systematic Review and Meta-Analysis. JAMA Network Open, DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2023.29159

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