Ginkgo-biloba-Extrakt stabilisiert kognitive Funktion bei amyloidpositiver MCI

Ginkgo biloba wird traditionell zur Unterstützung von Gedächtnis und Kognition eingesetzt. Eine koreanische retrospektive Kohortenstudie liefert nun neue Hinweise darauf, dass eine Therapie mit Ginkgo den Verlauf bei MCI stabilisieren kann.

Ginkgo biloba

Die Alzheimer-Erkrankung (AD) ist weiterhin die häufigste Ursache für Demenz. Obwohl die amyloid- und tauassoziierten Pathomechanismen zunehmend besser verstanden sind, fehlen bislang wirksame krankheitsmodifizierende Therapien für das Frühstadium. Patienten mit Amyloid-PET-positiver milder kognitiver Beeinträchtigung (MCI) gelten als besonders gefährdet, in eine manifeste Alzheimer-Demenz überzugehen.

In Südkorea ist für MCI keine Kostenerstattung für Cholinesterasehemmer vorgesehen, weshalb Ginkgo-biloba-Präparate häufig als niedrigschwellige therapeutische Option eingesetzt werden. Der standardisierte Extrakt Ginexin-F (äquivalent zu EGb 761) besitzt antioxidative, antiinflammatorische und vasoprotektive Eigenschaften und moduliert nach bisherigen Studien die Aggregation von Amyloid-β-Peptiden.

Studiendesign und Population

In die prospektive Real-World-Studie wurden 64 Patienten mit Amyloid-PET-positiver MCI aufgenommen (mittleres Alter 67 Jahre). Die Nachbeobachtungszeit betrug zwölf Monate. Die Probanden erhielten entweder eine Monotherapie mit Ginkgo biloba (240 mg täglich; n = 42) oder Nahrungsergänzungsmittel (n = 22), darunter Omega-3-Fettsäuren und Cholinpräparate.

Zur Beurteilung der Wirksamkeit wurden verschiedene kognitive Tests eingesetzt, darunter eine Variante der Mini-Mental-State Examination (MMSE) sowie das Clinical Dementia Rating – Sum of Boxes (CDR-SB). Zusätzlich wurde die Amyloid-Belastung mithilfe des Biomarkers Plasma-MDS-Oaβ (Multimer Detection System–Oligomeric Aβ) bestimmt, der die Tendenz zur Oligomerisierung von Amyloid-β widerspiegelt.

Zu Studienbeginn bestanden keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen in Bezug auf Alter, Geschlecht, Bildung, ApoE4-Status oder kognitiver Scores (K-MMSE = 28, CDR 0,5).

Verbesserung im MMSE und geringere Alzheimer-Progression

Nach zwölf Monaten erfüllten alle Patienten der Ginkgo-Gruppe die Responder-Kriterien (kein Rückgang im K-MMSE, keine Zunahme im CDR-SB), in der Kontrollgruppe traf dies hingegen nur bei 59 % zu (p < 0,001).

Im K-MMSE zeigte sich in der Ginkgo-Gruppe eine leichte Verbesserung (+0,4 Punkte), während die Kontrollgruppe um durchschnittlich –0,8 Punkte abfiel (p < 0,001). Auch die funktionellen Alltagsfähigkeiten (K-IADL) verbesserten sich unter Ginkgo (–0,8 Punkte) gegenüber einer Verschlechterung in der Kontrollgruppe (+0,6 Punkte; p < 0,001). Eine Progression zur Alzheimer-Demenz wurde ausschließlich in der Kontrollgruppe beobachtet (13,6 %; p = 0,037).

Biomarkerveränderung: Rückgang von MDS-Oaβ

Parallel zur klinischen Stabilisierung verringerte sich der Blutspiegel des oligomeren Amyloid-β-Markers MDS-Oaβ in der Ginkgo-Gruppe signifikant (–0,09 ng/ml; p < 0,001), während in der Kontrollgruppe ein leichter, nicht signifikanter Anstieg beobachtet wurde (+0,02 ng/ml). Der Unterschied zwischen beiden Gruppen erwies sich als hochsignifikant (p < 0,001).

In einer linearen Regressionsanalyse war die Ginkgo-Behandlung der einzige signifikante Prädiktor für kognitive Stabilität (p = 0,009); Alter, Geschlecht, Bildungsniveau, ApoE4-Status und Ausgangsbiomarker spielten keine Rolle.

Gute Verträglichkeit

Nebenwirkungen traten selten und in milder Ausprägung auf. Unter Ginkgo traten gelegentlich Durchfall (7 %), Kopfschmerzen (5 %), Übelkeit (5 %) und Schwindel (5 %) auf. Keiner der Patienten brach die Behandlung ab.

Fazit

In dieser Real-World-basierten Studie blieb die Kognition von amyloid-positiven MCI-Patienten unter Ginkgo-biloba-Monotherapie über 12 Monate stabil. Begleitend zeigte sich eine Abnahme des pathophysiologisch relevanten Biomarkers MDS-Oaβ im Plasma. Die Ergebnisse stützen den potenziellen Einsatz standardisierter Ginkgo-Extrakte als frühe symptomatische Intervention bei prodromaler Alzheimer-Erkrankung. Dennoch sind prospektive, randomisierte Studien erforderlich, um die Wirksamkeit des Pflanzenextrakts bei MCI eindeutig zu bestätigen.

Die vorliegenden Daten liefern somit einen interessanten Ansatz, belegen jedoch keine Kausalität. Weitere Forschung ist erforderlich, um den Stellenwert von Ginkgo biloba in der Prävention der Alzheimer-Demenz zu klären.

Autor:
Stand:
03.11.2025
Quelle:

Yang Y, et al. (2025): Efficacy of Ginkgo biloba extract in amyloid PET-positive patients with mild cognitive impairment. Front Neurol, DOI: 10.3389/fneur.2025.1639924.

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