Synucleinopathien sind neurodegenerative Erkrankungen, die durch die abnormale Ablagerung des Proteins Alpha-Synuclein im Gehirn gekennzeichnet sind. Zu den bekanntesten Synucleinopathien gehört die Parkinson-Krankheit, aber auch andere Erkrankungen wie die Lewy-Körper-Demenz und das Multisystematrophie-Syndrom werden zu dieser Gruppe gezählt. Diese Krankheiten haben gemeinsame klinische Merkmale, einschließlich motorischer Probleme, kognitiver Beeinträchtigungen und autonomer Dysfunktionen. Aktuell mangelt es an krankheitsmodifizierenden Arzneimitteln für diese Krankheiten, und bei vielen Personen, bei denen Synukleinopathien diagnostiziert werden, kommt es zu diagnostischen Verzögerungen oder Fehldiagnosen, insbesondere in den frühen Krankheitsstadien.
Ein zuverlässiger Biomarker zur Identifizierung von Synukleinopathien, wie etwa die Immunhistochemie von kutanem phosphoryliertem α-Synuclein, wird dringend benötigt. In einer kürzlich in 'JAMA' veröffentlichten Studie untersuchten Forschende die Positivitätsrate der kutanen Ablagerung von phosphoryliertem Alpha-Synuclein-Protein (P-SYN) bei Personen mit Lewy-Körper-Demenz (LBD), Parkinson-Krankheit (PD), reiner Dysautonomie (pure autonomic failure, PAF) und multipler Systematrophie (MSA).
Fallauswahl und Kontrollgruppe
Die US-amerikanische Forschungsgruppe rekrutierte klinisch bestätigte Fälle von LBD, PD, PAF oder MSA aus 19 niedergelassenen und 11 akademischen Neurologiepraxen (n=277). Die Kontrollgruppe (n=151) umfasste Personen ohne Vorgeschichte oder klinische Merkmale, die auf eine Synukleinopathie oder neurodegenerative Störungen hinweisen.
Der primäre Endpunkt war die kutane Positivitätsrate von P-SYN bei Personen mit MSA, PD, PAF oder LBD im Vergleich zu Kontrollpersonen.
Die Hautbiopsien wurden aus dem hinteren Halswirbelbereich, dem Oberschenkel und der Wade entnommen. Anschließend wurden die Proben analysiert, um zu bestimmen, ob phosphoryliertes Alpha-Synuclein in den Nervenfasern der Haut nachweisbar war.
Syn-One-Test zeigt hohe Positivitätsrate bei Synukleinopathien
Von den 428 Probanden wurden 343 in die Primäranalyse einbezogen (Durchschnittsalter 70 Jahre, 51% Männer). 223 erfüllten die Konsenskriterien für Synukleinopathie; 120 wurden dem Kontroll-Arm zugeteilt. Innerhalb der Gruppe mit Synukleinopathie wurden 96 Patienten (28%) mit Parkinson-Krankheit, 50 (15%) mit Lewy-Körper-Demenz, 55 (16%) mit Multisystematrophie und 22 (6,4%) mit reinem autonomem Versagen diagnostiziert.
Die Analyse ergab, dass der Syn-One-Test bei 92,7% der Parkinson-Patienten (n=89), 98,2% der MSA-Patienten (n=54), 96% der LBD-Patienten (n=48) und 100% der PAF-Patienten (n=22) positiv ausfiel. Bei 96,7 % der Kontrollen (n=4) wurde ein negativer Test gemeldet.
Die Nachweisrate von P-SYN im subepidermalen Plexus variierte je nach Synukleinopathie-Subtyp, wobei MSA (49%, n=27) eine höhere Prävalenz aufwies als die Parkinson-Krankheit (3,1%, n=3), LBD (10%, n=5) oder PAF (9,1%, n=2).
Hautbiopsie als neue Diagnose-Methode für Patienten mit Bewegungsstörungen
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Hautbiopsie zur Detektion von phosphoryliertem Alpha-Synuclein bei Personen mit Lewy-Körper-Demenz, Parkinson-Krankheit, reiner Dysautonomie und Multipler Systematrophie wirksam ist. Die kutane P-SYN-Untersuchung wurde von den meisten Teilnehmenden gut vertragen.
Experten für kognitive Neurologie befürworten die Hautbiopsie als neue Methode für Patienten mit Bewegungsstörungen.
„Wir glauben, dass dies ein entscheidendes Jahrzehnt der Innovation auf dem Gebiet der Neurodegeneration ist, das zu großen Fortschritten in der Präzisionsdiagnostik, neuen Behandlungen und einer vielversprechenderen Zukunft für Patienten und Familien führen wird", sagte Roy Freeman, leitender wissenschaftlicher Berater und Mitbegründer von CND Life Sciences, dem Entwickler des Syn-One-Tests, und Hauptautor der Studie in einer Pressemitteilung des Unternehmens.
Nun müssen weitere Studien folgen, um die Ergebnisse zu validieren und die potenzielle Bedeutung der Hautbiopsie-Nachweise für die klinische Behandlung besser zu verstehen, so das Fazit der Studienautoren.




