Erstmal ein Kaffee…
Das beliebteste Heißgetränk in Deutschland ist Kaffee – vier Tassen trinken wir im Schnitt pro Tag. Damit trinkt die durchschnittliche deutsche Person schon mehr als in einer aktuellen Studie als „moderat“ bezeichneter Kaffeekonsum. Ist das nun gut oder schlecht?
Was wurde in der neuen Studie untersucht?
In der auf der „Alzheimer's Association International Conference“ vorgestellten Beobachtungsstudie untersuchten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Dr. Kelsey R. Sewell vom Advent Health Research Institute in Orlando Assoziationen zwischen Kaffeekonsum und kognitiver Leistungsfähigkeit. Die fast 8.500 Teilnehmenden wurden in Gruppen mit hohem Konsum (mindestens vier Tassen pro Tag, 18% der Teilnehmenden), moderatem Konsum (eins bis vier Tassen pro Tag, 58% der Teilnehmenden) und keinem Konsum (25% der Teilnehmenden) eingeteilt und ihre kognitive Leistungsfähigkeit über mehrere Jahre beobachtet. In den Analysen wurden zudem die Kofaktoren Alter, Geschlecht, Townsend-Index als Marker für den sozioökonomischen Status, ApoE4-Status und der Body-Mass-Index (BMI) berücksichtigt.
Während des durchschnittlichen Beobachtungszeitraums von fast neun Jahren wurden die Teilnehmenden noch mindestens zweimal für kognitive Testungen vorstellig. Das Ergebnis: Moderater Kaffeekonsum hing im Vergleich zu sehr starkem Kaffeekonsum mit einem eher niedrigeren Rückgang fluider Intelligenz zusammen.
Stattdessen eine Tasse Tee?
Beim Teekonsum, ebenfalls von der Forschungsgruppe analysiert, zeigte sich ein gegenläufiges Muster: Während bei Personen, die sehr häufig Tee tranken, der Rückgang der kognitiven Leistungsfähigkeit im Sinne fluider Intelligenz besonders schwach war, war der Rückgang bei Nie-Tee-Trinkenden besonders stark.
Was wissen wir zu Kausalität & Pathophysiologie?
Auf Kausalität zwischen sehr viel Kaffee und schlechterer fluider Intelligenz kann man aufgrund der aktuellen Datenlage mit Sicherheit nicht schließen – doch die Autorinnen und Autoren der Studie hoffen, dass nun randomisiert-kontrollierte Studien folgen werden, die einen möglicherweise neuroprotektiven Mechanismus von Kaffee und Tee untersuchen. Diskutiert werden mögliche Veränderungen des Schlafverhaltens oder ein Einfluss auf Amyloid-Ablagerungen im Rahmen der Alzheimer-Entstehung. Vielleicht stellt sich jedoch auch heraus, dass der höhere Rückgang kognitiver Leistung bei Menschen mit sehr hohem Kaffeekonsum mit anderen denkbaren Kofaktoren wie dem Beruf der Teilnehmenden, Sport und Bewegung, Nikotinkonsum oder dem persönlichem Stresslevel im Alltag zusammenhängt.




