KI verbessert Therapieentscheidungen beim ischämischen Schlaganfall

Künstliche Intelligenz könnte Therapieentscheidungen beim Schlaganfall erheblich präzisieren. Neue Daten zeigen, dass Deep-Learning-Modelle Prognosen zur Thrombektomie verbessern und damit Zeitverluste in kritischen Notfallsituationen verringern.

Schlaganfall Blutung

KI optimiert Entscheidungen in der akuten Schlaganfallversorgung

Die diagnostische und therapeutische Versorgung des ischämischen Schlaganfalls ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Innerhalb weniger Minuten müssen Ärzteteams entscheiden, ob eine Thrombektomie sinnvoll und erfolgversprechend ist. Neue Forschungsergebnisse aus einem interdisziplinären Projekt von Prof. Dorothee Saur am Universitätsklinikum Leipzig zeigen, dass künstliche Intelligenz (KI) diese kritischen Entscheidungen maßgeblich unterstützen kann.

Das entwickelte Modell analysiert Computertomografie-Daten mittels Deep Learning und verknüpft sie mit klinischen Parametern. Es prognostiziert sowohl das zu erwartende Ausmaß des Gewebeschadens als auch die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Therapieergebnisses nach Thrombektomie. Damit unterstützt es die zentralen Entscheidungen in der Akutphase des Schlaganfalls – in einem Zeitfenster, in dem jede Verzögerung die Prognose verschlechtert.

Trainingsdaten zeigen hohe Prognosequalität

Für das Modell wurden Bild- und klinische Daten von 405 Patienten mit ischämischem Schlaganfall ausgewertet, die sich einer Thrombektomie unterzogen hatten. Das Training basierte auf 304 Fällen, erweitert um nachträglich erhobene Parameter wie Infarktlokalisation und NIHSS (National Institutes of Health Stroke Scale) -Schweregrad bei Entlassung. Das System erreichte eine hohe Vorhersagegenauigkeit für funktionelle und radiologische Behandlungsergebnisse.

Die Ergebnisse sollen nun mit weiteren Kohorten validiert werden. Das langfristige Ziel besteht darin, eine mobile Softwarelösung zu entwickeln, die Notfallteams in Stroke Units, Rettungsstellen und prähospitalen Situationen unterstützt.

Bedeutung für klinische Praxis und Versorgung

Die Integration KI-gestützter Bildanalyse bietet mehrere potenzielle Vorteile:

Präzisere Therapieentscheidungen

Deep-Learning-Modelle identifizieren subtile Bildmerkmale, die im klinischen Alltag nicht immer zuverlässig erkannt werden. Dadurch wird die Auswahl geeigneter Patienten für eine Thrombektomie präziser.

Beschleunigte Notfallprozesse

Durch die sofortige Auswertung von CT-Daten könnte der diagnostische Workflow verkürzt werden – entscheidend für Regionen mit begrenzter neurologischer Expertise.

Unterstützung kleiner Kliniken

Ein KI-System auf mobilen Endgeräten kann weniger spezialisierten Zentren helfen, fundierte Entscheidungen zu treffen oder eine rechtzeitige Verlegung in spezialisierte Schlaganfallzentren einzuleiten.

Damit zeigt sich: KI ist keine Vision der Zukunft, sondern entwickelt sich zu einem praxistauglichen Instrument der Akutneurologie.

Kongresshinweis

Die dargestellten Erkenntnisse werden ausführlich auf dem Kongress für Klinische Neurowissenschaften der DGKN e. V. diskutiert, der vom 25. bis 27. Februar 2026 in Augsburg stattfindet.

Autor:
Stand:
24.02.2026
Quelle:
  1. Prof. Dr. Dorothee Saur, „Antikörper und KI: Neue Therapien bei Schlaganfall und Alzheimer erfordern moderne Diagnostik“, Pressekonferenz zum Kongress für Klinische Neurowissenschaften der DGKN e. V., 23. Februar 2026.
  2. von Braun, M. S. et al. (2025): Prediction of tissue and clinical thrombectomy outcome in acute ischaemic stroke using deep learning, Brain. doi: 10.1093/brain/awaf013

 

Hinweis: Dieser Beitrag wurde redaktionell verantwortet. KI-gestützte Werkzeuge wurden unterstützend eingesetzt. Die inhaltliche Prüfung erfolgte anhand der Originalquellen.

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