Kognitive Aktivität verringert das Risiko für Alzheimer-Demenz

Kognitive Aktivität im Alter reduziert nachweislich das Risiko von Alzheimer-Demenz. Eine Langzeitstudie untersuchte, ob das Ausmaß der kognitiven Aktivität im jungen und mittleren Lebensalter Einfluss auf den kognitiven Abbau und das Demenzrisiko im Alter hat.

Alzheimer, Demenz

Lebensstilfaktoren beeinflussen das Risiko für Alzheimer-Demenz

Alzheimer-Demenz ist eine der häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen weltweit und betrifft vor allem Menschen im Alter von mehr als 65 Jahren. Mit der allgemein zunehmenden Lebenserwartung steigt auch die Prävalenz von Alzheimer-Demenz. Kognitiv stimulierende Aktivitäten im fortgeschrittenen Alter, wie z. B. die Lektüre von Büchern oder Museumsbesuche, waren mit einem langsameren kognitiven Abbau assoziiert. Bei der Kombination von kognitiver Aktivität mit anderen Lebensstil Faktoren, wie z. B. einer gesunden Ernährung oder körperlicher Aktivität, wurden Assoziationen mit einer Verringerung des Risikos für Alzheimer-Demenz festgestellt.

Welche Rolle spielt die kognitive Aktivität jüngerer Menschen

Die Teilnehmer vorangegangener Untersuchungen zu den Zusammenhängen zwischen kognitiver Aktivität und Demenzrisiko waren meist fortgeschrittenen Alters. Inwieweit die kognitive Aktivität in jungen Jahren oder im mittleren Lebensalter die Geschwindigkeit des kognitiven Abbaus und das Risiko für Alzheimer-Demenz im Alter beeinflusst, blieb bislang unklar.

Wissenschaftler der Rush University in Chicago, USA untersuchten nun in einer longitudinalen Studie den Einfluss von kognitiver Aktivität in Kindheit, im mittleren Lebensalter und im fortgeschrittenen Alter auf das Risiko für die Entstehung einer Alzheimer Demenz. Darüber hinaus wurde untersucht, ob die potenzielle protektive Wirkung der kognitiven Aktivität abhängig vom sozioökonomischen Status und dem Bildungsgrad der Teilnehmer ist. Die Studie wurde in Neurology Open Access veröffentlicht.

Daten aus einer Chicagoer Bevölkerungsstudie

Die Studie analysierte Daten aus dem Chicago Health and Aging Project, einer Bevölkerungsstudie, welche 1993 begann, um Risikofaktoren für altersbedingte Erkrankungen zu identifizieren. Bis zum Ende der Studie im Jahr 2012 wurden fortlaufend alle Einwohner im Großraum Chicago ab ihrem 65. Geburtstag zur Teilnahme eingeladen. Die kognitive Aktivität in den drei Lebensphasen wurde in Interviews anhand standardisierter Indizes ermittelt. Die klinische Diagnose einer Alzheimer-Demenz bei den Teilnehmern beruhte auf etablierten Kriterien anerkannter Fachgesellschaften.

Unabhängige Effekte der kognitiven Aktivität

In die aktuelle Analyse flossen die Daten von 1.950 Individuen, mit einem Durchschnittsalter von 73 Jahren, ein. Während des Studienzeitraums entwickelten 20 % der Teilnehmer eine Alzheimer-Demenz. Kognitive Stimulation im mittleren Lebensalter und im fortgeschrittenen Alter war unabhängig vom sozioökonomischen Status und dem Bildungsgrad der Teilnehmer signifikant mit einem geringeren Risiko für Alzheimer-Demenz assoziiert. Zwischen der kognitiven Aktivität im Kindesalter und dem Alzheimer-Demenz Risiko konnten hingegen keine Assoziationen festgestellt werden.

Kognitive Aktivität im mittleren und höheren Alter ist effektiv

Die Studie liefert Hinweise auf die Schutzwirkung kognitiver Aktivität im mittleren und im fortgeschrittenen Alter. Vorangegangene Studien beleuchteten häufig nur die Effekte kognitiver Aktivitäten im fortgeschrittenen Alter. Die aktuelle Analyse zeigt, dass auch die kognitive Stimulation im mittleren Alter, z. B. im Beruf, sich auf das Risiko einer Alzheimer-Demenz auswirken kann. Die Studienergebnisse legen zudem nahe, dass die kognitive Stimulation im fortgeschrittenen Alter unabhängig vom Engagement in früheren Lebensphasen protektiv wirken kann.

Autor:
Stand:
24.02.2025
Quelle:

Dhana et al. (2025): Cognitive Activity From Early to Late Life and the Risk of AD Dementia – A Life-Course Study. Neurology Open Access. DOI:10.1212/WN9.0000000000000002 

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