Zerebrale Mikroangiopathie als Zufallsbefund
Die zerebrale Mikroangiopathie verursacht kognitive Beeinträchtigungen, wie exekutive Dysfunktionen und eine verlangsamte Verarbeitungsgeschwindigkeit. Die Erkrankung kann „verdeckt“, das heißt ohne offensichtliche neurologische Manifestationen wie Schlaganfall oder Demenz auftreten. Verdeckte zerebrale Mikroangiopathien werden mitunter zufällig im Rahmen einer neurologischen Magnetresonanztomographie-Bildgebung entdeckt. Zu den Befunden, die auf eine zerebrale Mikroangiopathien hinweisen können, gehören Hyperintensitäten der Weißen Substanz, Lakunen, Mikroblutungen, erweiterte perivaskuläre Räumen und Hirnatrophien.
Keine Empfehlungen zur Diagnostik kognitiver Defizite
Aktuell gibt es weder Übereinkünfte zu Methoden, mit denen kognitiven Beeinträchtigungen bei zerebraler Mikroangiopathie identifiziert werden können, noch kognitive Tests, die die zerebrale Mikroangiopathie von anderen neurokognitiven Störungen differenzieren können. Bislang ist auch ungeklärt, ob sich die Gehirnveränderungen durch die zerebrale Mikroangiopathie unterschiedlich auf spezifische funktionelle Fähigkeiten auswirken und ob computerbasierte Tests sensitiver kognitive Defizite detektieren als konventionelle Papier- und Bleistift-Tests.
Helsinki Small Vessel Disease Study
Wissenschaftler um Dr. Hanna Jokinen, Leiterin der Division of Neuropsychology des Helsinki University Hospitals in Finnland haben in der Helsinki Small Vessel Disease Study untersucht, welche Assoziationen zwischen dem Volumen von Hyperintensitäten der Weißen Substanz mit der Verarbeitungsgeschwindigkeit, der kognitiven Flexibilität, der inhibitorischen Kontrolle und dem Arbeitsgedächtnis bestehen. Hierzu haben sie ein breitgefächertes Set an konventionellen und computerbasierten Tests eingesetzt. Um die klinische Relevanz der Befunde zu verifizieren, untersuchten sie die Beziehung zwischen der Verarbeitungsgeschwindigkeit mit exekutiven Fertigkeiten anhand der Instrumental Activities of Daily Living Skala, die die Alltagskompetenzen älterer Personen bewertet.
Personen ohne Vorerkrankung an Schlaganfall oder Demenz
In der Helsinki Small Vessel Disease Study wurden 152 Menschen im Alter von 65 bis 75 Jahren ohne Vorerkrankung an Schlaganfall oder Demenz einer Magnetresonanztomographie des Gehirns unterzogen und umfassend neuropsychologisch untersucht. Die Volumina der Hyperintensitäten der Weißen Substanz wurden durch automatische Segmentierung ermittelt. Für die Messungen der exekutiven Funktionen und der Verarbeitungsgeschwindigkeit wurden etablierte Papier-und-Bleistift-Tests und computerbasierte Tests wie zum Beispiel der Flexible Attention Test durchgeführt. Der Flexible Attention Test besteht aus acht Teilaufgaben mit ansteigendem Schwierigkeitsgrad, die die visuomotorische Geschwindigkeit, die Aufmerksamkeit, das Set-Shifting und die kognitive Flexibilität sowie das visuell-räumliche Arbeitsgedächtnis bewerten. Weitere Tests waren beispielsweise die Simon Aufgabe zur Reiz-Reaktions-Komptabilität und der dauerhafte Aufmerksamkeits-zu-Reaktionstest zur Messung der Aufmerksamkeitskontrolle und der Fähigkeit zur selektiven Aufmerksamkeit.
Assoziationen zu kognitiven Subdomänen
Der mittlere Score der Teilnehmer im Mini-Mental Status Test lag bei 27,4 Punkten. Personen unter einem Wert von 25 Punkten galten in dieser Studie als kognitiv beeinträchtigt. Einen Wert von mindestens 25 Punkten wiesen 133 (88%) der Teilnehmer auf. Das Volumen der Hyperintensität der Weißen Substanz und die Alltagskompetenzen waren unabhängig von demographischen Faktoren.
Es gab jedoch Assoziationen zwischen der Hyperintensität der Weißen Substanz und den Alltagskompetenzen mit verschiedenen kognitiven Subdomänen. Die höchsten Effektgrößen wurden beim visuell-räumlichen Arbeitsgedächtnis und der Wechselangabe von Zahlen und Buchstaben (Set Shifting) im Flexible Attention Test, bei der Simon-Aufgabe (Reiz-Reaktions-Komptabilität) und bei der verbalen Sprachkompetenz gemessen.
Tests zu mentalen Verarbeitungskonflikten (Stroop-Hemmung), phonemischer Sprachkompetenz und zur Zahlenspeicherkapazität des Arbeitsgedächtnisses (Digit Span Test) waren weder mit der Hyperintensität der Weißen Substanz noch mit der Alltagskompetenz signifikant assoziiert.
Computerbasierte Test liefern präzisere Ergebnisse
In dieser Studie standen Verarbeitungsgeschwindigkeit und Subdomänen der exekutiven Funktionen bei verdeckter zerebraler Mikroangiopathie in unterschiedlichem Zusammenhang mit der Hyperintensität der Weißen Substanz und den Alltagskompetenzen. Das Volumen der Hyperintensität der Weißen Substanz war durchgängig mit der Leistung eines breiten Spektrums von Subkomponenten verbunden. Die Stärke der Assoziationen hing jedoch auch von der Bewertungsmethode ab. Computerbasierte Tests liefern wahrscheinlich präzisere Ergebnisse als viele der herkömmlichen Papier- und Bleistift-Tests.




