Migräne: systematische Erfassung der Kogniphobie

Die Angst vor geistiger Anstrengung kann Kopfschmerzen triggern, was man als Kogniphobie bezeichnet. Mainzer Forscher entwickelten eine deutsche Übersetzung sowie eine Kurzform des CS-HD zur systematischen Erfassung der Kogniphobie bei Kopfschmerzpatienten.

Fragebogen

Migräne ist eine der häufigsten Kopfschmerzformen und gehört zusammen mit Spannungskopfschmerz und den trigemino-autonomen Kopfschmerzen zu den primären Kopfschmerzerkrankungen. Ein Großteil der Migräne-Patienten kann als Auslöser der Kopfschmerzattacken interne oder externe Trigger benennen. Zu den Triggern gehört auch geistige Anstrengung. 

Kogniphobie und Risiko der Chronifizierung

Die Angst, dass geistige Anstrengung Kopfschmerzen auslösen kann, wird als Kogniphobie bezeichnet. Angst an sich ist mit einem gesteigerten Schmerzbewusstsein und Chronifizierung assoziiert. Dies ist im Kontext muskuloskelettaler Schmerzen und Rückenschmerzen in Bezug auf die Angst vor Bewegung als Schmerzauslöser (Kinesiophobie) bereits gut belegt. Mithilfe der „Tampa Kinesiophobia Scale“ lässt sich die Kinesiophobie  der Patienten messen. Analog dazu existiert zur systematischen Erfassung der Kogniphobie bei Kopfschmerzpatienten ein Selbstbeurteilungs-Fragebogen mit 16 Punkten, die „Cogniphobia Scale for Headache Disorders (CS-HD)“. Das Ausmaß der Kogniphobie beeinflusst den Verlauf von Migräne und anderen Kopfschmerzerkrankungen.

Mainzer Forscher entwickeln deutsche Version der CS-HD

Im Rahmen einer Befragungsstudie zur Optimierung diagnostischer Instrumente bei Migräne (ODIN-Migräne) entwickelten Forscher um Dr. Timo Klan vom Psychologischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz eine deutsche Version der CS-HD und eine Kurzform des Fragebogens. Die deutsche Version wurde von Experten übersetzt und mit einer Rückübersetzung abgeglichen. Die Ergebnisse wurden im renommierten Fachjournal „Headache – The Journal of Head and Face Pain“ publiziert. 

Reliabilität und Korrelation mit etablierten Fragebögen

Bei 387 Migräne-Patienten wurde eine Online-Querschnittsbefragung mit dem CS-HD und anderen etablierten Fragebögen durchgeführt. Der Großteil der Teilnehmer war weiblichen Geschlechts (94,1%), knapp 40% litten an Migräne ohne Aura, 22% an Migräne mit Aura und 39% an chronischer Migräne. Die deutsche Version des CS-HD sowie die Kurzform (CS-HD-6) zeigten eine gute Korrelation mit etablierten Fragebögen wie „Headache Impact Test“ (HIT-6), „Depression Anxiety Stress Scales“ (DASS) und „Headache Triggers Sensitivity and Avoidance Questionnaire, Short-Form“ (HTSAQ-SF). Die Reliabilität der Skala zeigte sich exzellent.

CS-HD und CS-HD-6 gut geeignet zum Kogniphobie-Assessment bei Migräne

Die Forscher zeigen sich mit der Prüfung der deutschen Version des CS-HD und seiner Kurzform CS-HD-6 sehr zufrieden. Aus der Messung des Kogniphobie-Grades bei Migräne-Patienten mithilfe des Fragebogens können somit verhaltenstherapeutische Maßnahmen abgeleitet und deren Erfolg beurteilt werden.

„Beide, der CS-HD und der CS-HD-6, haben gute psychometrische Eigenschaften und sind für die Beurteilung von Kogniphobie bei Migräne geeignet“, so das Fazit der Autoren.

Autor:
Stand:
31.07.2024
Quelle:

Klan et al. (2024): German language adaptation of the Cogniphobia Scale for Headache Disorders (CS-HD) and development of a new short form (CS-HD-6). Headache, DOI.

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