Die MIND-Diät als präventiver Ansatz bei Demenz

In einer Analyse mehrerer prospektiver Studien untersuchten Forscher den Zusammenhang zwischen der MIND-Diät und dem Demenzrisiko. Die Daten zeigen, dass die Einhaltung dieser Diät potenziell zu einem geringeren Demenzrisiko führt.

Gesunde Ernährung

Demenz und Ernährung

Dass eine ungesunde Ernährung ein Risikofaktor bei einer Vielzahl von Erkrankungen ist, ist weithin bekannt. Es ist sogar ein vermeidbares Risiko. Daher rückt eine gesunde Ernährung immer mehr in den Fokus bei der Prävention und der Sekundärprophylaxe, v. a. bei kardiovaskulären Krankheiten. So ist auch bei demenzkranken Patienten das Thema Ernährung von großem Interesse. Da es an effektiven Therapien für Demenzen mangelt, spielt ebenfalls in diesem Zusammenhang die Prävention eine immer größer werdende Rolle.

Im Jahr 2015 konnten Morris et al. in der MIND-Studie (Mediterreanean-DASH [Dietary Approaches to Stop Hypertension] Intervention for Neurodegenerative Delay) sogar zeigen, dass die sogenannte MIND-Diät mit einem geringeren Risiko an einer Alzheimer-Demenz zu erkranken, assoziiert ist. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass diese Diät den kognitiven Abbau verlangsamt.

Die MIND-Diät: was ist die Zauberformel?

Eine hohe Aufnahme von pflanzlichen Lebensmitteln, Beeren, grünem Blattgemüse, Nüssen, Vollkornprodukten und so wenig wie nötig Salz, tierische Lebensmittel sowie Lebensmittel, die gesättigte Fettsäuren enthalten, lautet das Motto der MIND-Diät. Es ist eine Kombination aus einer mediterranen Ernährung und der DASH-Diät. Letztere ist quasi die Ernährungsstrategie gegen den Bluthochdruck, einer der Hauptrisikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen und auch der vaskulären Demenz.

Die Mechanismen, die für den scheinbar neuroprotektiven Charakter dieser Nahrungsmittel verantwortlich sind, sind noch nicht genau bekannt. Man geht jedoch davon aus, dass ihre antioxidativen und antientzündlichen Eigenschaften diese Benefits hervorrufen. Darüber hinaus hemmen bestimmte Inhaltsstoffe wie Vitamin E, Folate, Flavonoide und Karotinoide die Ablagerung von ß-Amyloid.

Einhaltung der MIND-Diät assoziiert mit geringerem Demenzrisiko

H. Chen et al. analysierten mehrere Kohortenstudien (drei prospektive Kohortenstudien und eine Metaanalyse aus elf Kohortenstudien) im Hinblick auf die Adhärenz an die MIND-Diät und die Entwicklung einer Demenz.

Es wurde gezeigt, dass die Einhaltung der MIND-Diät mit einem geringeren Risiko für Demenz bei Patienten im mittleren und höheren Alter behaftet ist. Als Maß für die Einhaltung der Diät wurde der sogenannte MIND-Diät-Score verwendet. Dieser umfasste zehn empfohlene und fünf zu vermeidende Nahrungsmittelgruppen. Die Studienteilnehmer wurden gefragt, wie oft sie eine bestimmte Menge an Nahrungsmitteln im Durchschnitt im letzten Jahr zu sich nahmen. Die maximale Punktzahl, die erreicht werden konnte, waren 15 Punkte. Je höher der Score, umso besser war die Diät-Adhärenz und umso geringer das Demenzrisiko.

Gute Ansätze und Aussichten, aber auch mehr Forschungsbedarf

Obwohl potenziell schützende Eigenschaften der MIND-Diät hinsichtlich dem Demenzrisiko existieren, fehlen Daten zu einem möglichen kausalen Zusammenhang. Ferner wurden noch nicht ausreichend Studien zu den Auswirkungen auf verschiedene Demenzformen durchgeführt.

Ebenso hat das meist lange präklinische Stadium der Demenz keine Berücksichtigung bei der Auswertung gefunden. Dies kann dahingehend ein Störfaktor sein, weil Patienten mit leichten kognitiven Störungen bereits Schwierigkeiten haben können, über ihre Ernährung zu berichten oder die Diät gar einzuhalten.

Außerdem sind die Effekte in verschiedenen Populationen unbekannt. Denn die in dieser Arbeit analysierten Daten sind zum größten Teil aus der westlichen Population erhoben worden. Ebenfalls von großem Interesse und hoher Relevanz ist das optimale Zeitfenster für den Beginn der Diät.

Große Hoffnung, um die vielen offenen Fragen zu klären, wird aktuell auf eine multizentrische, randomisierte kontrollierte klinische Studie in den USA gelegt. Insbesondere geht es hierbei um den Zusammenhang zwischen der MIND-Diät und dem kognitiven Abbau.

Autor:
Stand:
03.07.2023
Quelle:

Chen et al. (2023): Association of the Mediterranean Dietary Approaches to Stop Hypertension Intervention for Neurodegenerative Delay (MIND) Diet With the Risk of Dementia. JAMA Psychiatry, DOI: 10.1001/jamapsychiatry.2023.0800

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