Früherkennung von Parkinson durch Sebum-Analyse

Die Analyse von Hauttalg-Proben mittels Massenspektrometrie und trainierten Hunden erkennt Parkinson-typische chemische Signaturen bereits bis zu sieben Jahre vor dem Auftreten motorischer Symptome.

Hund erschnüffelt Krankheit

Parkinson gehört weltweit zu den häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen. Die Diagnose erfolgt bislang primär klinisch, da ein standardisierter Labortest bislang fehlt. Frühzeichen wie die isolierte REM-Schlaf-Verhaltensstörung (iRBD) können Jahre vor den typischen motorischen Symptomen auftreten, bleiben ohne spezifische Tests jedoch meist unerkannt.

Vor diesem Hintergrund stehen leicht zugängliche Biomarker zunehmend im Fokus der Parkinson-Forschung. Besondere Aufmerksamkeit gilt Sebum, einem lipidhaltigen Hautsekret, das bei Parkinson charakteristische chemische Veränderungen zeigt. Zwei aktuelle Studien aus Großbritannien haben dieses Potenzial untersucht: eine durch hochauflösende chemische Analysen, die andere durch die olfaktorische Leistungsfähigkeit speziell trainierter Hunde.

Hauttalg als molekulare Informationsquelle

Im Rahmen einer Studie an der University of Manchester ('npj Parkinson s Disease') wurden Sebumproben von 46 Parkinson-Patienten, 28 gesunden Kontrollen und 9 iRBD-Patienten untersucht. Die Analyse erfolgte mittels Thermodesorptions-Gaschromatographie-Massenspektrometrie (TD-GC-MS).

Es wurden 55 signifikante Merkmale identifiziert, deren Konzentrationen bei iRBD-Patienten meist zwischen denen gesunder Kontrollen und Parkinson-Patienten lagen. Dazu gehörten überwiegend Lipidabbauprodukte wie aliphatische Kohlenwasserstoffe, Fettsäuremethylester und Aldehyde. Auch purinähnliche Verbindungen zeigten spezifische veränderte Muster.

Langzeitmessungen über mehrere Jahre belegten, dass sich die Konzentrationen bestimmter Metabolite mit dem Krankheitsfortschreiten verändern. Das Sebum-Volatilom erlaubt somit nicht nur die Unterscheidung verschiedener Krankheitsstadien, sondern liefert auch Informationen zum Krankheitsverlauf.

Hochsensible Nasen – Hunde erkennen Parkinson-Geruch im Sebum

Eine parallel an der University of Bristol durchgeführte Studie ('Journal Parkinson’s Disease') ging der Frage nach, ob Hunde den spezifischen Geruch von Parkinson im Sebum erkennen können. Zehn Hunde begannen die Ausbildung, von denen zwei die finale Testphase erreichten.

Nach 38 bis 53 Wochen Training mit 205 Proben wurden in einer doppelblinden Testung 60 Kontrollproben und 40 Proben von unbehandelten Parkinson-Patienten präsentiert. Die beiden Hunde erzielten Sensitivitäten von 70 % bzw. 80 % und Spezifitäten von 90 % bzw. 98 %. Die Übereinstimmung der Ergebnisse lag deutlich über dem erwarteten Zufallsniveau.

Zwei Wege zum gleichen Ziel – ergänzende Stärken beider Methoden

Die Hundestudie bietet eine praktikable, nicht-invasive Screening-Option mit geringem technischen Aufwand, während die Massenspektrometrie detaillierte molekulare Profile liefert. Beide Ansätze gehen davon aus, dass Parkinson im Sebum ein charakteristisches chemisches und olfaktorisches Muster hinterlässt.

Der Vorteil der chemischen Analyse liegt in der objektiven Quantifizierbarkeit und der Möglichkeit, spezifische Moleküle als Zielmarker zu definieren. Die Hundestudie bestätigt, dass diese olfaktorischen Unterschiede tatsächlich robust wahrnehmbar sind.

Fazit: Sebum als Schlüssel zur früheren Parkinson-Diagnose?

Die beiden Studien liefern konsistente Evidenz dafür, dass Sebum eine leicht zugängliche und stabile Matrix zur Identifizierung von Parkinson-spezifischen Veränderungen ist. Sowohl die hochauflösende Analytik als auch die olfaktorische Detektion demonstrieren, dass sich charakteristische Muster bereits im prodromalen Stadium der Erkrankung nachweisen lassen.

Für eine breite klinische Anwendung sind weitere Untersuchungen mit größeren Probandenzahlen nötig, um die diagnostische Genauigkeit zu validieren und standardisierte Marker zu definieren. Auf lange Sicht könnten beide Ansätze kombiniert die Früherkennung und Verlaufskontrolle von Parkinson verbessern.

Autor:
Stand:
11.09.2025
Quelle:
  1. Rooney, N. et al. (2025): Trained dogs can detect the odor of Parkinson's disease. Journal Parkinson’s Disease, DOI: 10.1177/1877718X251342485.
  2. Walton-Doyle, C. et al. (2025): Classification of Parkinson’s disease and isolated REM sleep behaviour disorder: delineating progression markers from the sebum volatilome. npj Parkinson’s Disease, DOI: 10.1038/s41531-025-01026-8.
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