Tau-PET: Neue Evidenz für prognostische Relevanz bei Alzheimer

Eine Studie zeigt den klinischen Nutzen der Tau-PET-Bildgebung zur Alzheimer-Stadieneinteilung und -Risikoeinschätzung. Sie liefert umfassende Daten zur Häufigkeit der Tau-Pathologie und deren prognostischer Relevanz, vor allem bei gleichzeitiger Amyloid-ß-Positivität.

PET-Scan

Die Alzheimer-Diagnostik stützt sich zunehmend auf bildgebende Verfahren zur Darstellung zentraler neuropathologischer Veränderungen. Während Amyloid-β (Aβ) als früher Marker der Alzheimer-Pathogenese angesehen wird und bereits Jahre vor Symptombeginn nachweisbar ist, korreliert die Tau-Pathologie deutlich enger mit klinischen Symptomen und dem kognitiven Abbau.

Die Tau-PET-Bildgebung in der Alzheimer-Diagnostik

Die Positronen-Emissions-Tomografie (PET) mit dem Tau-spezifischen Tracer Flortaucipir F18 stellt einen bedeutenden Fortschritt in der in-vivo-Diagnostik dar. Der Tracer bindet selektiv an aggregiertes Tau-Protein in neokortikalen Arealen, die typischerweise bei fortgeschrittener Alzheimer-Erkrankung betroffen sind. Im Gegensatz zur Amyloid-PET soll die Tau-PET den aktuellen Krankheitsstatus abbilden und kann Hinweise auf eine bevorstehende klinische Manifestation liefern.

Vor diesem Hintergrund untersuchte eine aktuelle Studie, wie häufig eine Tau-PET-Positivität in populationsbasierten Kohorten auftritt und inwieweit sie mit einem erhöhten Risiko für eine kognitive Verschlechterung verknüpft ist.

Wie aussagekräftig sind die Tau-Ablagerungen?

Ziel der gepoolten Analyse war es, die Prävalenz einer visuell bestimmten Tau-PET-Positivität sowie deren prognostische Bedeutung für den weiteren Krankheitsverlauf zu ermitteln. Dafür wurden Daten von 6.514 Personen aus 21 internationalen Beobachtungskohorten mit standardisierten PET-Protokollen zusammengeführt. Eingeschlossen wurden kognitiv unbeeinträchtigte Probanden, Patienten mit leichter kognitiver Störung (mild cognitive impairment, MCI), Alzheimer-Demenz sowie weitere neurodegenerative Erkrankungen.

Die Auswertung der TAU-PETs erfolgte zentral nach einem regulatorisch zugelassenen visuellen Verfahren. Zusätzlich wurden Aβ-PET-Befunde, APOE-Genotypen und longitudinale klinische Daten berücksichtigt.

Tau-PET-Positivität nimmt mit Erkrankungsstadium und Alter zu

Bei den kognitiv unbeeinträchtigten Probanden zeigte sich eine Tau-PET-Positivität bei 9,8 %, mit einem klaren altersabhängigen Anstieg. So zeigten etwa 1 % der unter 50-Jährigen, rund 3 % der 60-Jährigen und 19 % der 90-Jährigen eine Tau-PET-Positivität. In der MCI-Gruppe lag die Tau-PET-Positivität zwischen 26 % bei 40-Jährigen und 51 % bei 90-Jährigen. Bei Alzheimer-Patienten unter 65 Jahren betrug die Positivitätsrate über 85 %, nahm jedoch mit zunehmendem Alter ab und lag bei 65 % bei 90-Jährigen.
Der beobachtete Rückgang der Tau-Positivität bei älteren Alzheimer-Patienten lässt sich laut den Autoren durch eine zunehmende Komorbidität mit nicht-Alzheimer-Pathologien erklären. Dazu zählen insbesondere TDP-43-Proteinopathien, vaskuläre Hirnschädigungen und Lewy-Körper-Erkrankungen.

Zusammenhang mit Amyloid, Geschlecht und Genetik

Eine Tau-PET-Positivität trat deutlich häufiger bei gleichzeitig Aβ-positiven Personen auf. In der MCI-Gruppe waren 74 % der Aβ-positiven Patienten auch Tau-positiv, bei Aβ-negativen dagegen nur 9 %. Geschlechtsspezifisch fanden sich höhere Positivitätsraten bei Frauen mit kognitiver Beeinträchtigung. Ebenso war der APOE-ε4-Genotyp mit einer erhöhten Tau-Positivität assoziiert, sowohl bei kognitiv gesunden als auch bei symptomatischen Personen.

Prognostische Bedeutung der kombinierten Positivität

Die Kombination aus Aβ- und Tau-Positivität war in allen Gruppen mit einem deutlich erhöhten Risiko für eine klinische Verschlechterung verbunden. Bei kognitiv unbeeinträchtigten Teilnehmern lag das 5-Jahres-Risiko für eine Konversion zu MCI oder Demenz bei 57 %, verglichen mit 17 % bei rein Aβ-positiven und 6 % bei doppelt negativen Personen. Bei Patienten mit MCI betrug das Risiko zur Entwicklung einer Demenz bei doppelter Positivität etwa 70 %. Auch in Skalen zur klinischen Demenzbewertung zeigten sich deutlich beschleunigte Verläufe bei doppelter Positivität.

Eine sinnvolle Erweiterung der klinischen Diagnostik

Die Studie zeigt, dass eine visuell standardisierte Tau-PET in Kombination mit Aβ-PET eine hohe prognostische Aussagekraft besitzt. Das Verfahren identifiziert zuverlässig Patienten mit fortgeschrittener Alzheimer-Pathologie und hohem Progressionsrisiko, auch im präklinischen Stadium. Gleichzeitig wird deutlich, dass Tau-PET-Positivität in Einzelfällen auch unabhängig von Amyloid vorkommen kann. Die zugrunde liegenden Mechanismen sind noch nicht abschließend geklärt und erfordern weitere Forschung.

Die Relevanz der Tau-PET für Nicht-Alzheimer-Erkrankungen bleibt ebenfalls offen. Aktuelle Evidenz legt nahe, dass die Tau-PET-Bildgebung künftig eine wertvolle Ergänzung in der Diagnostik und individuellen Risikostratifikation bei kognitiven Erkrankungen darstellen kann, insbesondere, wenn sie nach einem zugelassenen und standardisierten Verfahren interpretiert wird.

Autor:
Stand:
11.08.2025
Quelle:

Moscoso A, Heeman F, Raghavan S, et al. (2025): Frequency and Clinical Outcomes Associated With Tau Positron Emission Tomography Positivity. JAMA.; DOI:10.1001/jama.2025.7817.

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