Demenz bleibt weltweit eine große und zunehmende gesundheitliche Herausforderung, nicht zuletzt aufgrund ihrer hohen Sterblichkeit und der enormen Belastungen für das öffentliche Gesundheitswesen. Durch die steigende Lebenserwartung der Bevölkerung wird die Situation zusätzlich verschärft. Dennoch gibt es bisher keine wirksame pharmakologische Intervention, die den pathologischen Schaden und die Degeneration von Neuronen bei Demenz verhindern oder umkehren kann. Einen kleinen Lichtblick stellt eine wachsende Zahl von Belegen dar, dass effektive Interventionen bei Risikofaktoren dazu beitragen könnten, den Beginn der Demenz zu verzögern oder gar die Zahl der Betroffenen zu verringern.
Studie untersucht möglichem Zusammenhang
Vorhofflimmern ist eine der häufigsten kardialen Arrhythmien. Oft besteht sie neben einer Demenz und könnte möglicherweise in verschiedenen Aspekten mit ihr in Verbindung stehen. Ein kürzlich durchgeführte Prospektivstudie wirft neues Licht auf die Verbindung zwischen dem Alter bei Diagnose von Vorhofflimmern und der Entwicklung verschiedener Demenzformen.
Für die prospektive, bevölkerungsbasierte Kohortenstudie wurden die Daten von über 433.000 Patienten aus der UK Biobank, einer öffentlich zugänglichen Datenbank in Großbritannien, für die Jahre 2006 bis 2010 analysiert. In die Hauptanalyse wurden insgesamt 433.746 Teilnehmer einbezogen, nachdem Teilnehmer mit einer Diagnose von Demenz oder Vorhofflimmern zum Ausgangszeitpunkt, fehlenden Daten zu Kovariaten oder einer Demenz vor dem Beginn des Vorhofflimmerns während einer medianen Nachbeobachtungszeit von 12,6 Jahren ausgeschlossen wurden.
Jüngeres Diagnosealter birgt höhere Risiken
Unter den Teilnehmern waren 54,5% weiblich, das durchschnittliche Alter betrug 56,9 Jahre. Die Auswertung ergab, dass Personen mit Vorhofflimmern ein höheres Risiko aufwiesen, an allgemeiner Demenz (angepasste Hazard Ratio [aHR] 1,42) und vaskulärer Demenz (aHR 2,06) zu erkranken, jedoch nicht an Alzheimer (aHR 1,08).
Unter den Patienten mit Vorhofflimmern zeigte sich, dass ein jüngeres Alter bei der Diagnose von Vorhofflimmern mit einem erhöhten Risiko für allgemeine Demenz, Alzheimer-Demenz und vaskuläre Demenz korreliert. Personen, bei denen ein Vorhofflimmern vor dem 65. Lebensjahr diagnostiziert wurde, hatten das höchste Demenzrisiko (aHR 1,82), gefolgt von Diagnosen zwischen 65 und 74 Jahren (aHR 1,47) und bei 75 Jahren oder älter (aHR 1,11). Ähnliche Ergebnisse wurden für Alzheimer-Demenz und vaskuläre Demenz beobachtet.
Limitationen der Studie und Fazit
Aufgrund des Beobachtungsdesigns der Studie lässt sich die festgestellte Assoziation nicht unbedingt als Ursache-Wirkungs-Beziehung interpretieren. Zudem basierte die Identifizierung der Demenzfälle größtenteils auf der Verknüpfung klinischer Aufzeichnungen, was ebenso wie der Ausschluss von fast 70.000 Teilnehmern zu einer Verzerrung geführt haben könnte.
Dennoch betonen die Autoren, dass die Ergebnisse der Studie die Bedeutung der Überwachung der kognitiven Funktionen bei Patienten mit Vorhofflimmern unterstreichen, insbesondere bei jenen, die zum Zeitpunkt der Diagnosestellung jünger als 65 Jahre sind.




