Krankheitsverlauf bei der Alzheimer-Demenz
Alzheimer-Demenz ist die häufigste Form von Demenz, die etwa zwei Drittel aller Fälle ausmacht [1]. Es handelt sich um eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, deren Progredienz von Fall zu Fall variieren kann. Zu Beginn der Erkrankung treten Merkfähigkeits- und Kurzzeitgedächtnisstörungen auf, begleitet von noch leicht ausgeprägten Verhaltensänderungen wie verminderter Aktivität und sozialer Rückzug. Im weiteren Verlauf kommen weitere kognitive Defizite hinzu, wie Gedächtnis- und Orientierungsstörungen, Sprachstörungen, apraktische Störungen und Defizite in der Visuokonstruktion. Zusätzlich können auch vegetative Symptome wie Harn- und Stuhlinkontinenz sowie neurologische Symptome auftreten [2].
Psychische Symptome bei der Alzheimer-Demenz
Menschen mit Alzheimer-Demenz sind anfällig für psychische Störungen bzw. Verhaltensauffälligkeiten. Etwa 70% der Betroffenen zeigen im Verlauf affektive Störungen, Schlafstörungen, psychomotorische Unruhe, aggressives Verhalten, Apathie sowie Halluzinationen [2]. Etwa die Hälfte der Alzheimer-Patienten entwickelt sogar Psychosen mit wahnhaften Symptomen. Diese Symptome belasten sowohl den Betroffenen als auch die pflegenden Angehörigen erheblich und führen oft zu einer verminderten Lebensqualität, die wiederum oft eine Verlegung in ein Pflegeheim oder Krankenhaus zur Folge hat. Die Verwendung von Antipsychotika zur Behandlung solcher Symptome ist mit erhöhter Morbidität und Mortalität verbunden. Daher ist es von großer Bedeutung, die ätiologischen Hintergründe von wahnhaften Symptomen bei Alzheimer-Patienten zu verstehen, um eine angemessene Therapie so früh wie möglich einzuleiten.
Studie zur Assoziation zwischen wahnhaften Symptomen und Kognition bei Alzheimer-Demenz
In einer retrospektiven Querschnittsstudie wurden Daten aus dem Jahr 2020 aus dem Archiv des Alzheimer’s Disease Neuroimaging Initiative (ADNI) analysiert, um den direkten Zusammenhang zwischen wahnhaften Symptomen und kognitiven Störungen bei Alzheimer-Patienten zu untersuchen [3].
Die Studie umfasste 728 Patienten mit der Diagnose Alzheimer-Demenz, von denen 179 Personen wahnhafte Symptome entweder von Beginn an oder im Verlauf entwickelt hatten. Die kognitiven Fähigkeiten, insbesondere das Gedächtnis, wurden mittels dem Alzheimers’s Disease Assessment Scale-Cognitive Subscale (ADAS-Cog 13) und dem Rey Auditory Verbal Learning Test (RAVLT) getestet. Zudem wurden mithilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) das Volumen bestimmter Hirnregionen in Bezug auf die Gedächtnistests und das Vorliegen von Wahnsymptomen gemessen.
Gedächtnis und wahnhafte Symptome
Zunächst zeigten die Gedächtnistests (ADAS-Cog 13 Test und RAVLT) bei den Teilnehmern mit wahnhaften Symptomen von Anfang an eine höhere Rate an pathologischen Befunden, was auf einen direkten Zusammenhang zwischen Wahnvorstellungen und Gedächtnisproblemen hindeutete. Nach Berücksichtigung von Störfaktoren waren diese Ergebnisse jedoch nicht mehr signifikant.
Gedächtnis und lokale Hirnregionen
Die Daten zur Volumenmessung bestimmter Hirnregionen zeigten einen Zusammenhang zwischen Gedächtnisstörung und dem Hippocampus (beidseitig), dem linken entorhinalen Kortex, dem parahippokampalen und dem fusiformen Gyrus. Insbesondere die Ergebnisse des ADAS-Cog 13 Tests waren signifikant. Ein kleineres Volumen dieser Hirnregionen war mit einer höheren Anzahl falscher erkannter oder erinnerter Wörter assoziiert.
Wahnhafte Symptome und lokale Hirnregionen
Es wurde kein signifikanter Zusammenhang zwischen wahnhaften Symptomen und den untersuchten Hirnregionen festgestellt. Es gab auch keine regionale Überlappung mit Hirnregionen, die mit einer reduzierten Gedächtnisleistung verbunden sind. Dennoch gab es einen nicht unbedeutenden Zusammenhang zwischen einem größeren Volumen des rechten parahippokampalen Gyrus und Wahnsymptomen. Auch wenn diese Daten nicht signifikant sind, deuten sie doch auf eine mögliche Asymmetrie der Hirnregionen bei Alzheimer-Patienten mit Wahnvorstellungen hin.
Fazit
Die Autoren postulieren, dass Wahnsymptome bei Patienten mit Alzheimer-Demenz mehr als nur eine Folge von Gedächtnisstörungen sind und daher eine individuelle Therapie, sei es medikamentös oder nicht-medikamentös, erfordern.





