Langfristig erhöhtes Brustkrebsrisiko nach falsch-positiver Mammografie

Ein falsch-positiver Befund in der Mammografie zeigt Langzeitfolgen: Eine schwedische Auswertung von Brustkrebs-Screenings ergab, dass betroffene Frauen in den Folgejahren ein erhöhtes Risiko auf Brustkrebs haben.

Mammographie Diagnostik

In Europa wird bei rund 3% der Mammografien ein auffälliger Befund entdeckt, der in der Abklärungsuntersuchung als nicht krebsverdächtig eingestuft wird. Dies belastet betroffene Frauen nicht nur psychisch während der Wartezeit, sondern hat auch langfristige Auswirkungen auf das Brustkrebsrisiko. Eine schwedische Auswertung von Brustkrebs-Screenings ergab, dass betroffene Frauen in den Jahren nach einem falsch-positiven Befund ein erhöhtes Risiko auf Brustkrebs haben. Dieser Zusammenhang wurde in einer Studie veröffentlicht, die im Fachmagazin 'JAMA Oncology' erschienen ist [1].

Daten von mehr als 45.000 Frauen ausgewertet

Die Analyse basierte auf dem Stockholmer Mammografie-Programm, an dem seit 1989 insgesamt 497.343 Frauen teilnahmen. Die bevölkerungsbasierte Kohortenstudie wurde vom 1. Januar 1991 bis zum 31. März 2020 durchgeführt. Sie umfasste 45.213 Frauen, die zwischen 1991 und 2017 erstmalig ein falsch positives Mammografie-Ergebnis erhielten. Jede dieser Frauen wurde mit zehn Kontrollen gleichen Alters und gleicher Screening-Anamnese gematcht, die kein vorheriges falsch positives Ergebnis erhalten hatten.

Die Studie umfasste außerdem 1.113 Frauen mit einem falsch positiven Ergebnis und 11.130 gematchte Kontrollpersonen mit Informationen zur mammografischen Brustdichte aus der Studie „Karolinska Mammography Project for Risk Prediction of Breast Cancer“. Die statistische Analyse wurde von April 2022 bis Februar 2023 durchgeführt.

Verdoppeltes Brustkrebsrisiko bei 60- bis 75-Jährigen

11,3% der Frauen mit einem falsch-positiven Befund entwickelten in den 20 Jahren nach dem Ereignis ein Mammakarzinom, verglichen mit 7,3% der Frauen, bei denen kein falsch-positiver Befund vorlag. Mit einer adjustierten Hazard Ratio (HR) von 1,61 und einem 95%-Konfidenzintervall (95%-KI) von 1,54–1,68 war das Ergebnis signifikant.

Bei Frauen im Alter von 60 bis 75 Jahren war die Wahrscheinlichkeit, nach einem falsch-positiven Befund an Brustkrebs zu erkranken, sogar doppelt so hoch (HR 2,02, 95%-KI 1,80–2,26).

Frauen mit geringer mammografischer Brustdichte hatten nach einem falsch-positiven Befund ein noch höheres Brustkrebsrisiko (HR 4,65, 95%-KI 2,61–8,29).

Ebenso spielte die Durchführung einer Biopsie im Zusammenhang mit der Abklärungsuntersuchung eine Rolle – Frauen, die dieses Verfahren durchliefen, erkrankten häufiger an Brustkrebs als jene ohne Biopsie (HR 1,77, 95%-KI 1,63–1,92).

Besonders hohes Brustkrebsrisiko in den ersten vier Nachbeobachtungsjahren

Mammakarzinome nach einem falsch positiven Ergebnis wurden mit größerer Wahrscheinlichkeit auf der ipsilateralen Seite des falsch positiven Ergebnisses entdeckt (HR 1,92, 95%-KI 1,81–2,04) und traten besonders in den ersten vier Nachbeobachtungsjahren auf (HR 2,57, 95%-KI 2,33–2,85 während der ersten zwei Jahre; HR 1,93, 95%-KI 1,76–2,12 in den Jahren 3 und 4). In diesen Fällen war der Tumor bei Diagnosestellung häufig größer als 2 cm (HR 1,78, 95%-KI 1,64–1,93).

Darüber hinaus hatten Frauen mit einem falsch positiven Ergebnis und späterem Mammakarzinom ein um 84% höheres Sterblichkeitsrisiko durch Brustkrebs als Frauen ohne (HR 1,84, 95%-KI 1,57–2,15). Auch bei der Gesamtmortalität war ein Anstieg zu verzeichnen (HR 1,07, 95%-KI 1,04–1,11).

Schlussfolgerungen und Relevanz

Die Studie weist darauf hin, dass das Brustkrebsrisiko nach einem falsch-positiven Mammografie-Ergebnis von individuellen Merkmalen und der Nachsorge abhängt. Diese Erkenntnisse könnten als Grundlage dienen, ein individuelles risikobasiertes Brustkrebs-Screening zu entwickeln, so das Resümee der Studienautoren.

Autor:
Stand:
23.11.2023
Quelle:

Mao, X. et al. (2023): Breast Cancer Incidence After a False-Positive Mammography Result. JAMA Oncology, DOI: 10.1001/jamaoncol.2023.4519.

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