B-Lymphozyten bilden die Grundlage für das spezifische humorale Immunsystem. Bei einem Antigenreiz produzieren sie Antikörper und sind somit für die humorale adaptive Abwehr verantwortlich, auch im Falle von Covid-19.
Einige Menschen sind jedoch nicht in der Lage, ausreichende Mengen an Antikörpern zu produzieren, beispielsweise weil sie mit Anti-B-Zell-Antikörpern (wie Rituximab [RTX]) behandelt werden oder an einem variablen Immundefektsyndrom (Common Variable Immune Deficiency [CVID]) leiden. Dennoch sind sie nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 oder einer Covid-19-Impfung vor einem schweren Krankheitsverlauf bei einer erneuten Infektion geschützt. Bei diesen Personen spielen T-Zell-Reaktionen eine entscheidende Rolle.
Zu dieser Erkenntnis kamen Forschende vom Massachusetts General Hospital in Boston. Die Ergebnisse ihrer Studie wurden im Fachmagazin ' Science Translational Medicine' veröffentlicht [1].
Untersuchung der T-Zell-Reaktivität bei B-Zell-Defizienz
Die Arbeitsgruppe unter der Leitung von Reza Zonozi untersuchte die Effektor- und Gedächtnis-T-Zell-Reaktionen auf SARS-CoV-2-Antigene bei 89 Studienteilnehmern, deren B-Zell-Antwort entweder normal oder durch eine Therapie mit Anti-CD20-Antikörpern wie RTX bzw. durch ein CVID erheblich eingeschränkt war. Die Probanden hatten sich entweder natürlich mit SARS-CoV-2 infiziert oder eine Impfung mit einem mRNA-Covid-19-Impfstoff erhalten.
Nach dem Antigenkontakt, sowohl durch Infektion als auch durch Impfung, bildeten die Personen mit B-Zell-Defizienz virusspezifische CD4+- und CD8+-T-Zellen, die im Vergleich zur gesunden Kontrollgruppe eine höhere Reaktivität und Proliferationsfähigkeit aufwiesen.
Reduzierte Covid-19-Schwere trotz fehlender Antikörper
Die Auswertung der klinischen Ergebnisse zeigte, dass geimpfte Probanden, die mit RTX behandelt wurden, eine um das 4,8-fache reduzierte Wahrscheinlichkeit für einen moderaten oder schweren Covid-19-Verlauf aufwiesen, obwohl keine impfstoffinduzierten Antikörper nachweisbar waren.
Die Analyse der T-Zell-Differenzierung ergab, dass bei den mit Rituximab behandelten Patienten die Anzahl naiver CD8+-T-Zellen ansteigt. Dies könnte auf den Abbau von CD8+-T-Lymphozyten mit geringer CD20-Oberflächenexpression (CD20dimCD8+-T-Zellen) durch die RTX-Therapie zurückzuführen sein. Diese Zellen gehören vorwiegend dem Effektor-Gedächtnis- oder terminalem Effektor-Gedächtnis-Phänotyp (TEMRA) an. Die Wirkung des Anti-CD20-Antikörpers reduziert jedoch auch die bereits vorhandene antivirale T-Zell-Immunität. Daher ist eine gezielte Antigenexposition besonders wichtig, um bei diesen Personen die Immunantwort zu stärken.
Covid-19-Impfung auch bei B-Zell-Defizienz wirksam
Die Studie verdeutlicht, dass eine Exposition gegenüber SARS-CoV-2-Antigenen bei B-Zell-Defizienzen verstärkte T-Zell-Antworten auslösen, insbesondere bei CD8+-T-Zellen. Dies könnte dazu beitragen, das Risiko für schwere Covid-19-Verläufe oder einen covidbedingten Krankenhausaufenthalt zu reduzieren.
Die Ergebnisse unterstreichen abermals die Bedeutung der Covid-19-Impfung, selbst in Patientenpopulationen mit B-Zell-Mangel.









