Darmkrebschirurgie: Präoperative Eiseninfusion senkt Bluttransfusions-Risiko

Bei Darmkrebspatienten, die aufgrund von Tumorblutungen anämisch sind, können präoperative Eiseninfusionen den perioperativen Transfusionsbedarf um ein Drittel reduzieren.

Darmkrebs Mann

80% aller Darmkrebspatienten sind bereits vor dem operativen Eingriff aufgrund von Tumorblutungen anämisch. Zusätzlich leiden bis zu 40% der nicht anämischen Patienten an Eisenmangel. Beide Zustände sind eng mit einem erhöhten Risiko für postoperative Komplikationen, einer beeinträchtigten Genesung und schlechteren Überlebensraten verbunden.

Diese Patientengruppe könnten von Eiseninfusionen vor einer geplanten Operation profitieren, so das Ergebnis einer aktuellen Meta-Analyse im 'British Journal of Surgery' [1]. Durch eine präoperative intravenöse Eisengabe konnte der Transfusionsbedarf um 33% reduziert werden, was angesichts der häufigen Darmkrebsoperationen potenziell die Blutbanken entlasten könnte.

Daten von 485 Darmkrebspatienten ausgewertet

Eine Arbeitsgruppe um Toby Richards vom University College London (UCL) führte eine Metaanalyse von randomisierten, placebokontrollierten Studien (RCTs) mit 485 Darmkrebspatienten durch, um die Wirksamkeit einer präoperativen intravenösen Eisenverabreichung zu untersuchen. Im Fokus standen der Bedarf von Bluttransfusionen, Veränderungen des Hämoglobinspiegels (Hb) und der postoperative Genesungsverlauf.

Die Studienteilnehmer erhielten median 14 Tage vor der geplanten Operation eine Eiseninfusion (Eisensaccharose, Eisencarboxymaltose oder Eisen-Isomaltosid) oder Placebo. Studienstandorte waren Großbritannien, die Niederlande und China.

Transfusionsbedarf nach präoperativer Eiseninfusion um 33% reduziert

In sämtlichen Studien wurde ein Anstieg des Hämoglobin-Werts beobachtet (Hedges’ g: 0,52, 95%-Konfidenzintervall [95%-KI] 0,08–0,96), was den Transfusionsbedarf senkte. Nach den Eiseninfusionen benötigten 31 von 244 Patienten (12,7%) post- und perioperativ eine Blutkonserve im Vergleich zu 47 von 241 (19,5%) in der Kontrollgruppe.

Die Risk Ratio von 0,67 (0,46–0,97) zeigte eine Reduktion des Transfusionsbedarfs um 33%. Die "Number Needed to Treat" betrug 15, was bedeutet, dass auf 15 Patienten ein Patient kommt, der dank der präoperativen Eisengabe keine Blutkonserve benötigt. Angesichts der häufigen Darmkrebsoperationen könnte dies zu einer Entlastung der Blutbanken beitragen, wie Sue Pavord, Vizepräsidentin der British Society for Haematology, in einer Pressemitteilung der UCL erläutert [2].

Unsicherheit bei Mortalitätsraten

Die Analyse der Mortalitätsraten in den ersten 30 Tagen nach der Operation zeigt, dass in der Interventionsgruppe 6 von 209 Patienten (2,9%) verstarben, während es in der Kontrollgruppe 10 von 214 Patienten (4,7%) waren. Die Risk Ratio von 0,68 verfehlte jedoch mit einem 95%-Konfidenzintervall von 0,16–2,95 das Signifikanzniveau. Daher konnte die Studie keine sicheren Belege für einen Rückgang der postoperativen Mortalität liefern. Ebenso war kein eindeutiger Einfluss auf die Komplikationsrate und die Dauer des Krankenhausaufenthalts erkennbar.

Entlastung der Bluttransfusionsdienste

Jetzt sind weitere Untersuchungen erforderlich, um zu klären, ob das verringerte Risiko für Bluttransfusionen auch klinische Vorteile für den Patienten bringt, beispielsweise in der gesundheitsbezogenen Lebensqualität, der Zeit bis zum Fortschreiten des Tumors und der Gesamtüberlebenszeit. Darüber hinaus sollten mögliche Vorteile einer präoperativen Eiseninfusion gegen die damit verbundenen Risiken für Darmkrebspatienten abgewogen werden – insbesondere im Hinblick einer Eisenüberlastung, die mit einem erhöhten Krebsrisiko assoziiert ist.

Ein zusätzlicher Nutzen von präoperativen Eiseninfusionen könnte in der Entlastung der Bluttransfusionsdienste liegen. „Weniger Bluttransfusionen wären eine gute Nachricht in einer Zeit, in der es im Vereinigten Königreich zu Engpässen bei der Blutversorgung kommt“, betonten die Autoren.

Autor:
Stand:
15.12.2023
Quelle:
  1. Lederhuber, H. et al. (2023): Preoperative intravenous iron and the risk of blood transfusion in colorectal cancer surgery: meta-analysis of randomized clinical trials. British Journal of Surgery, DOI: 10.1093/bjs/znad320
  2. University College London (UCL), Pressemitteilung, 21. November 2023



 

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