Ballaststoffreiche, pflanzenbasierte Ernährung verlangsamt Myelom-Progression

Eine ballaststoffreiche, pflanzenbasierte Ernährung kann bei Patienten mit den Präkanzerosen MGUS und SMM die Progression zum Multiplen Myelom verlangsamen und das metabolische sowie mikrobiomale Profil verbessern.

Krebspatientin Ernährung

Monoklonale Gammopathie unbestimmter Signifikanz (MGUS) und Smoldering Multiple Myeloma (SMM) sind präkanzeröse Plasmazellerkrankungen, die zu einem multiplen Myelom fortschreiten können. Das multiple Myelom ist die zweithäufigste hämatologische Malignität und betrifft vor allem ältere Patientinnen und Patienten. Studien weisen darauf hin, dass bei MGUS und SMM ein erhöhter Body-Mass-Index (BMI), Insulinresistenz, mikrobiomale Dysbiosen und chronische Entzündungen den Krankheitsverlauf beschleunigen können.

Die Rolle der Ernährung rückt zunehmend in den Fokus der onkologischen Forschung. Epidemiologische Studien zeigen, dass pflanzenbasierte, ballaststoffreiche Diäten das Risiko für Plasmazellerkrankungen senken können. 

Ein direkter Nachweis für den Einfluss einer gezielten Ernährungsintervention auf das Fortschreiten von MGUS und SMM zu einem Multiplen Myelom fehlte bisher. Die Ergebnisse einer solchen Studie wurden kürzlich in der Fachzeitschrift Blood veröffentlicht und parallel dazu auf der 66. Jahrestagung  der American Society of Hematology (ASH) in San Diego vorgestellt.

Ziel der Studie: Einfluss einer hochfaserigen Ernährung auf Krankheitsprogression

Die NUTRIVENTION-Studie untersuchte den Einfluss einer ballaststoffreichen, pflanzenbasierten Ernährung auf Patienten mit MGUS oder SMM und einem BMI ≥25. Die Studie umfasste 20 Teilnehmende, die zunächst zwölf Wochen lang eine kontrollierte, ballaststoffreiche Diät erhielten. Anschließend folgten 24 Wochen Gesundheitscoaching zur langfristigen Unterstützung der Ernährungsumstellung.

Als primäres Ziel wurde die Durchführbarkeit der Intervention sowie die Reduktion des BMI evaluiert. Zu den sekundären Endpunkten zählten metabolische Parameter wie die Insulinresistenz und die Adiponektin-Leptin-Ratio, die Mikrobiomvielfalt sowie entzündliche Marker und immunologische Profile in Blut und Knochenmark.

Parallel dazu wurde in einem Mausmodell untersucht, ob eine ballaststoffreiche Diät das Fortschreiten von Smoldering Myeloma zu aktivem Myelom verzögern kann.

Verbesserte Biomarker und verzögerte Progression

Die Ergebnisse der Studie waren vielversprechend:

  1. Sicher und umsetzbar: Die Ernährungsintervention erwies sich als sicher, war gut durchführbar und verbesserte die Lebensqualität signifikant. 
  2. Reduktion von Risikofaktoren: Die Intervention führte zu einer Gewichtsabnahme, verbesserten Insulinresistenz und einer positiven Verschiebung der Adiponektin-Leptin-Ratio.
  3. Mikrobiom-Modulation: Es konnte eine erhöhte Diversität der Darmmikrobiota festgestellt werden, begleitet von einer Zunahme Butyrat-produzierender Bakterien, die für ihre entzündungshemmenden Effekte bekannt sind.
  4. Immunologische Veränderungen: Sowohl im Blut als auch im Knochenmark zeigte sich eine Reduktion proinflammatorischer Marker sowie eine Verschiebung hin zu antiinflammatorischen Monozyten-Subtypen.
  5. Verzögerte Krankheitsprogression: Bei zwei Patienten konnte der langfristige Progressionsverlauf verlangsamt werden.

Im Mausmodell erhöhte die ballaststoffreiche Ernährung das mediane progressionsfreie Überleben von zwölf auf 30 Wochen. Während in der Kontrollgruppe alle Mäuse zu einem aktiven Myelom fortschritten, blieb in der Interventionsgruppe eine Progressionsfreiheit von 40% erhalten.

Der Schlüssel zum Erfolg: Die Modulation des Darmmikrobioms

Die Studie belegt erstmals, dass eine gezielte Ernährungsintervention mit einer hochfaserigen, pflanzenbasierten Diät das Fortschreiten von MGUS und SMM zu einem multiplen Myelom verlangsamen kann. Ein zentraler Mechanismus liegt in der Modulation des Darmmikrobioms: Die Expansion Butyrat produzierender Bakterien führt zu einer verbesserten Immunregulation und reduziert systemische Entzündungen. Diese Erkenntnisse unterstreichen die zentrale Rolle der Darmmikrobiota in der Pathogenese von Plasmazellerkrankungen.

Besonders hervorzuheben ist die direkte Verbindung zwischen Ernährungsgewohnheiten und immunologischen Veränderungen im Knochenmark. Im Mausmodell zeigte sich dies durch eine vermehrte Infiltration von IFNγ-produzierenden T-Lymphozyten, die zu einer stärkeren Immunantwort beitragen könnten.

Ernährung als zukünftige Präventivmaßnahme bei Prä-Myelom-Erkrankungen?

Die Erkenntnisse aus der NUTRIVENTION-Studie könnten die klinische Praxis maßgeblich beeinflussen, indem Ernährung, als präventive und supportive Maßnahme in das Behandlungskonzept von Prä-Myleom-Erkrankungen integriert wird.

Um die vielversprechenden Resultate zu validieren und den langfristigen Nutzen einer Ernährungsintervention zu belegen, sind weitere groß angelegte Studien erforderlich. Eine solche Untersuchung ist mit der bereits geplanten NUTRIVENTION-3-Studie in Vorbereitung.

Autor:
Stand:
20.02.2025
Quelle:

Shah, U. A. et al. (2024): A High-Fiber Dietary Intervention (NUTRIVENTION) in Precursor Plasma Cell Disorders Improves Biomarkers of Disease and May Delay Progression to Myeloma. Blood, DOI: 10.1182/blood-2024-202224.

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