Genomtests bei Brustkrebs im Frühstadium: Auswirkungen auf Diagnose, Prognose und Therapie

Genexpressionstests sind ein entscheidendes Werkzeug zur Optimierung der Brustkrebsbehandlung. Sie liefern nicht nur detaillierte Informationen über das Tumorprofil, sondern ermöglichen auch eine präzisere Risikostratifizierung und Therapieanpassung.

RNA

Prognose- und Genexpressionstests haben sich in der Behandlung von Brustkrebs im Frühstadium (EBC) als unverzichtbar erwiesen. Die RNA-basierten molekularen Tests bieten wichtige Informationen zur Risikostratifizierung und unterstützen zusammen mit traditionellen klinischen und pathologischen Parametern die Entscheidung über adjuvante Therapien. Die Leitlinien der American Society of Clinical Oncology (ASCO) empfehlen den Einsatz dieser Tests, obwohl es in einigen klinischen Kontexten noch an eindeutigen Empfehlungen mangelt.

Eine italienische Forschungsgruppe hat die verfügbaren genomischen Tests verglichen und Strategien entwickelt, um die gewonnenen Informationen optimal zu nutzen. Die Ergebnisse der Studie wurden im 'International Journal of Molecular Sciences' veröffentlicht.

MammaPrint, EndoPredict, Prosigna und Co.

Bei der Behandlung von Patienten mit Brustkrebs im Frühstadium haben sich verschiedene genomische Tests etabliert, darunter der Oncotype Dx Test®, MammaPrint, EndoPredict®, Prosigna Genexpressions-Assay® und der Breast Cancer Index (BCI). Bei diesen Tests sind Prosigna und EndoPredict derzeit nur auf prognostischer Ebene validiert, während Oncotype Dx, MammaPrint und BCI sowohl prognostische als auch prädiktive Funktionen haben.

Nachfolgend sind die wichtigsten Merkmale sowie Vor- und Nachteile der verfügbaren Tests aufgeführt.

Oncotype Dx: Prognostischer und prädiktiver Genexpressionstest für HR-positiven/HER2-negativen Brustkrebs

Oncotype Dx ist ein prognostischer und prädiktiver Test der ersten Generation, der 21 Gene untersucht. Er wurde prospektiv für prä- und postmenopausale Patientinnen mit HR-positivem/HER2-negativem Brustkrebs im Frühstadium validiert, wobei der Lymphknoten-Status N0 und N1 berücksichtigt wird. Der Test verwendet die RT-qPCR-Technologie zur Messung der Expressionslevel von 16 Brustkrebs-assoziierten Genen im Vergleich zu fünf Referenzgenen.

Das Ergebnis wird als Recurrence Score (RS) angegeben, der auf einer Skala von 0 bis 100 liegt. Dieser gibt die Wahrscheinlichkeit eines Fernrezidivs über einen Zeitraum von neun Jahren an und prognostiziert die potenziellen Vorteile einer adjuvanten Chemotherapie. Die Patienten werden anhand des RS in Risikogruppen eingeteilt: niedrig (RS<18), mittel (18≤ bis ≤30) und hoch (RS>30). Ein RS über 25 ist zudem prädiktiv für den Nutzen einer adjuvanten Chemotherapie.

Die prospektive Validierung von Oncotype Dx für prä- und postmenopausale Patientinnen liefert robuste Ergebnisse, insbesondere durch die Verfügbarkeit des RSClin-Tools, das klinisch-pathologische Merkmale integriert. Dennoch können Kostenrestriktionen und die Notwendigkeit der externen Probenverarbeitung die breite Anwendung des Tests einschränken.

MammaPrint: Erstgenerationstest zur Bewertung des Rezidiv-Risikos bei frühem Brustkrebs mit umfassender Nachbeobachtungszeit

MammaPrint ist ein Test der ersten Generation, der 70 Gene untersucht, um das Rezidiv-Risiko bei frühem Brustkrebs zu bewerten. Der Test wurde basierend auf Daten von EBC-Patientinnen entwickelt, die sich einer Operation unterzogen, aber keine adjuvante systemische Therapie erhalten hatten. Die Nachbeobachtungszeit betrug 20 Jahre.

MammaPrint wird in einem zentralen Labor durchgeführt und analysiert die RNA-Expression von Brusttumorgewebe mittels Mikromatrix-Technologie, sowohl bei gefrorenen als auch bei formalinfixierten und paraffineingebetteten (FFPE) Proben. Ein Indexwert zwischen -1 und +1 teilt die Tumoren in Risiko-Kategorien ein: niedriges Risiko (Index 0,001 bis 1) oder hohes Risiko (Index -1 bis 0).

Trotz der FDA-Zulassung, der CE-IVD-Kennzeichnung und der 20-jährigen Nachbeobachtungszeit hat MammaPrint ähnliche Einschränkungen wie der Oncotype Dx Test. Positiv hervorzuheben ist jedoch seine Vielseitigkeit bei der Probenverarbeitung.

Prosigna: Modernes multigenes Expressionsassay zur Risikoabschätzung für Fernrezidive bei Brustkrebs

Prosigna ist ein modernes multigenes Expressionsassay zur Einschätzung des Risikos eines Fernrezidivs zehn Jahre nach einer Brustkrebsoperation. Die Analyse erfolgt mit dem nCounter®-System und verwendet FFPE-Brusttumorproben. Das PAM50-Signaturtestverfahren bewertet die Expression von 50 Genen und klassifiziert den Brustkrebs in vier intrinsische Subtypen: Luminal A, Luminal B, HER2-angereichert und basal-like. Zusätzlich umfasst die Signatur acht „Hauskeeping“-Gene zur Referenz sowie positive und negative Kontrollgene.

Der Test liefert einen Risiko-Rückfall-Score, der auf einer Skala von 0 bis 100 angegeben wird und das Risiko für ein Fernrezidiv bei postmenopausalen Frauen mit HR-positivem Brustkrebs im Frühstadium ohne Chemotherapie über zehn Jahre angibt. Bei nodal-negativen Patientinnen wird der Risikoscore in niedrig (<5% Risiko), intermediär (~10% Risiko) und hoch (>15% Risiko) unterteilt. Bei nodal-positiven Patientinnen liegen die Risikokategorien bei niedrigen Scores (~5%) und hohen Scores (~25%).

Prosigna ist sowohl in den USA als auch in Europa zugelassen und kann sowohl lokal als auch in zentralen Laboren durchgeführt werden.

Die Validierung des Tests, insbesondere durch die ABCSG-8- und ATAC-Studien, hat gezeigt, dass PAM50 bei der Risikoabschätzung für nodal-positive Patientinnen, die mit endokriner Therapie behandelt werden, nützlich ist und potenziell unnötige Chemotherapien vermeiden kann. Dennoch ist eine weitere Validierung erforderlich, um die prädiktive Fähigkeit hinsichtlich der Reaktion auf verschiedene Chemotherapie-Regime zu bestätigen.

EndoPredict: RNA-basierter Test zur Bewertung des Fernrezidivrisikos und der Chemotherapie-Nutzens

EndoPredict ist ein RNA-basierter Test der zweiten Generation zur Beurteilung des Risikos für ein Fernrezidiv und des potenziellen Nutzens einer Chemotherapie bei Patienten mit ER+/HER2- primärem Brustkrebs. Der Test analysiert zwölf Gene durch RT-qPCR aus FFPE-Tumorproben (Biopsien oder chirurgische Entnahmen). Er bewertet acht Gene, die mit Proliferation und Hormonrezeptoren assoziiert sind, sowie drei Referenzgene und ein Kontrollgen.

Der EndoPredict-Score, der auf einer Skala von 0 bis 15 liegt, kategorisiert die Patienten in niedriges Risiko (Score ≤5) oder hohes Risiko (Score >5) für Fernrezidive unter endokriner Therapie. Der endgültige EPclin-Risikoscore, der auf einer Skala von 1 bis 6 angegeben wird, kombiniert den molekularen Score mit klinischen Risikofaktoren wie Tumorgröße und Lymphknotenstatus. Höhere EPclin-Scores deuten auf ein erhöhtes Risiko für Fernrezidive hin.

EndoPredict zeigt eine robuste prognostische Validität, benötigt jedoch weitere Validierung, um seine Wirksamkeit in der Vorhersage der Chemotherapie-Ansprechrate zu bestätigen.

Breast Cancer Index: Genomisches Testverfahren der ersten Generation zur Einschätzung des Risikos für späte Fernrezidive

Der Breast Cancer Index (BCI) ist ein Test der ersten Generation, der auf der RT-PCR basiert. Er bewertet sieben Gene, um das Risiko eines späten Fernrezidivs als Prozentsatz zu prognostizieren. Zusätzlich bietet der BCI eine Ja/Nein-Vorhersage für den Nutzen einer verlängerten endokrinen Therapie bei HR-positivem EBC. Der Test wird in einem zentralen Labor aus FFPE-Tumorproben durchgeführt.

Der BCI zeigt einen signifikanten klinischen Nutzen bei der Bewertung des Rezidivrisikos sowie bei der Entscheidungsfindung zur Dauer der endokrinen Therapie. Ein möglicher Nachteil des Tests ist jedoch die Zentralisierung, die zu verlängerten Turnaround-Zeiten führen kann.

Optimale Nutzung genomischer Tests in der klinischen Praxis: Berücksichtigung von Stärken, Schwächen und praktischen Aspekten

Um fundierte Entscheidungen in der klinischen Praxis zu treffen, ist es wichtig, die spezifischen Stärken und Schwächen jedes Tests zu berücksichtigen. Dazu gehört die präzise Definition der klinischen Szenarien, in denen diese Tests den größten Nutzen bieten, die Erweiterung ihrer Anwendung auf bislang schwierige Patientengruppen sowie die Berücksichtigung praktischer Aspekte zur erleichterten Integration in den klinischen Alltag.

Nur so kann das volle Potenzial der Tests ausgeschöpft werden, um die Präzision und Wirksamkeit der Diagnose und Behandlung von Brustkrebs zu optimieren, wie die Studienautoren betonen.

Autor:
Stand:
26.09.2024
Quelle:

Venetis, K. et al. (2024): The Evolving Role of Genomic Testing in Early Breast Cancer: Implications for Diagnosis, Prognosis, and Therapy. International Journal of Molecular Sciences, DOI: 10.3390/ijms25115717.

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