Überlebensraten bei Hochrisiko-Prostatakrebs: Die Rolle des Behandlungsvolumens

Dieser Artikel beleuchtet die signifikante Korrelation zwischen dem Behandlungsvolumen radiologischer Einrichtungen und den Überlebensraten von Patienten mit Hochrisiko-Prostatakrebs, die sich einer Strahlen- und Androgenentzugstherapie unterziehen.

Prostatakarzinom

Spezialisierte Zentren als Schlüssel zur verbesserten Versorgungsqualität

Gemäß einer aktuellen Potenzialanalyse der „Regierungskommission für eine moderne und bedarfsgerechte Krankenhausversorgung“ zeigt sich, dass die Versorgungsqualität und auch die Überlebensraten steigen, wenn komplexe medizinische Eingriffe in spezialisierten Kliniken vorgenommen werden. Interessanterweise wurden nur 35-84% der Patienten in solchen zertifizierten Zentren behandelt. In diesen Einrichtungen zeigte sich ein relativer Überlebensvorteil von 3% bei Lungenkarzinom bis zu 23% bei Brustkrebs [1].

Zusätzlich untermauern Daten aus internationalen Studien die Erkenntnis, dass die Behandlung von aggressiven Krebsformen in Einrichtungen mit hohem Behandlungsvolumen zu besseren langfristigen Überlebensraten (overall survival [OS]) führt.

Diagnostische und therapeutische Herausforderungen bei Hochrisiko-Prostatakrebs

Bei Prostatakrebs mit sehr hohem Metastasierungsrisiko (very high risk [VHR]) sind Strahlen- und Androgenentzugstherapie die primären Behandlungsoptionen. Allerdings sind die Behandlungsrichtlinien einem ständigen Wandel unterworfen.

Sie beinhalten mittlerweile auch molekulare Bildgebungsverfahren und multimodale Therapieansätze, die entweder eine intensivierte Behandlung der Prostata oder eine systemische Therapie vorsehen. Solche spezialisierten Ressourcen sind in der Regel in Einrichtungen mit hohem Behandlungsvolumen verfügbar.

Bislang war unklar, inwieweit das Volumen der durchgeführten Radiotherapien die langfristigen Behandlungsergebnisse bei Männern mit VHR-Prostatakrebs beeinflusst.

Die Bedeutung des Behandlungsvolumens für das Überleben

Nikhil Sebastian und sein Team vom Department of Radiation Oncology am Winship Cancer Institute der Emory University in Atlanta, USA, veröffentlichten kürzlich eine Studie. Diese fokussierte sich darauf, ob die Behandlungsergebnisse von Patienten mit Hochrisiko-Prostatakrebs (VHR) in Einrichtungen mit hohem Volumen an Prostata-Radiotherapien sich von denen in Einrichtungen mit geringerem Volumen unterscheiden [2].

Für ihre retrospektive Kohortenstudie griffen die Forscher auf die National Cancer Database zurück. Sie analysierten die Daten von insgesamt 25.219 Männern, deren medianes Alter bei 71 Jahren lag. Von diesen Männern hatten 78,7% einen Hochrisiko-Prostatakrebs und gehörten zur klinischen Kategorie T3b oder T4, was eine nicht-metastasierte Erkrankung impliziert. Interessanterweise wurden 6.438 Männer (25,5%) in Einrichtungen mit hohem Volumen an Radiotherapien behandelt.

Höhere Überlebensraten bei hohem Radiotherapie-Volumen

Die mittlere Überlebenszeit (Overall Survival, OS) für Patienten, die in Einrichtungen mit hohem Volumen an Radiotherapien behandelt wurden, lag bei 123,4 Monaten. Im Vergleich dazu betrug die mittlere Überlebenszeit für Patienten aus Einrichtungen mit niedrigerem Behandlungsvolumen 109,0 Monate (p = 0,001).

In einer multivariablen Analyse zeigte sich, dass die Behandlung in Einrichtungen mit hohem Volumen an Radiotherapien mit einem geringeren Sterberisiko assoziiert war (Hazard Ratio (HR) = 0,89; p = 0,001).

Mögliche Erklärungen für den positiven Effekt

Der beobachtete positive Effekt hoher Behandlungsvolumina ist bereits aus anderen Studien bekannt. Die Forscher diskutieren mehrere mögliche Gründe für dieses Phänomen:

  • Erhöhtes Fachwissen: Ein hohes Behandlungsvolumen könnte mit einer verbesserten Expertise in der Behandlungsplanung und -durchführung korrelieren. Die Forscher stellten fest, dass sich die Technologie der Radiotherapie im Untersuchungszeitraum rasch weiterentwickelt hat.
  • Erfahrenes Personal: In Einrichtungen mit hohem Behandlungsaufkommen könnte das klinische Personal, einschließlich erfahrener Ärzte und Krankenpfleger, besser im Umgang mit akuten toxischen Wirkungen geschult sein. Dies könnte die Therapieadhärenz verbessern.
  • Fortgeschrittene Bildgebungsverfahren: Zentren mit hohem Behandlungsvolumen setzen möglicherweise häufiger fortschrittliche Bildgebungsverfahren wie MRT oder PSMA-PET ein, was eine präzisere Diagnose ermöglicht.
  • Multidisziplinäre Bewertung: Ein hohes Behandlungsaufkommen fördert wahrscheinlich eine multidisziplinäre Patientenbewertung, was aggressivere, multimodale Therapieansätze bei Patienten mit höherem Krankheitsrisiko ermöglicht.

Die Forscher empfehlen die Durchführung weiterer Studien zur Identifikation der spezifischen Faktoren, die in Einrichtungen mit hohem Behandlungsvolumen zu besseren Behandlungsergebnissen beitragen.

Autor:
Stand:
04.09.2023
Quelle:
  1. Bundesministerium für Gesundheit, Pressemeldung: Studie zur Krankenhausreform - höherer Erfolg bei komplizierten Behandlungen in spezialisierten Zentren, 22.06.2023
  2. Sebastian et al. (2023): Radiation facility volume and survival for men with very high-risk prostate cancer treated with radiation and androgen deprivation therapy. JAMA Network Open, DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2023.27637
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