Eine groß angelegte französische Studie hat das Krebsrisiko für durch künstliche Befruchtung gezeugte Kinder untersucht. Wie aus der im Fachjournal 'Jama Network Open' veröffentlichten Untersuchung hervorgeht, war das Risiko für alle Krebsarten nicht höher als bei natürlich gezeugtem Nachwuchs [1]. Möglicherweise besteht aber ein leicht erhöhtes Leukämierisiko. Diese Erkenntnis muss weiter abgeklärt werden.
Daten von mehr als 8,5 Millionen Kindern ausgewertet
Inserm-Wissenschaftler des Teams für Epidemiologie von Krebs im Kindes- und Jugendalter und der Interessengruppe EPI-PHARE haben zusammen mit Experten für medizinisch unterstützte Fortpflanzung das Krebsrisiko bei Kindern, die nach einer medizinisch assistierten Reproduktion (MAR) geboren wurden, mit dem von auf natürlichem Weg gezeugten Kindern verglichen. Mit über 8,5 Millionen Kindern, die zwischen 2010 und 2021 in Frankreich das Licht der Welt erblickten, handelt es sich um eine der bislang größten Studien zu diesem Thema. Die Langzeitbeobachtung (Follow-up bis 30. Juni 2022) basierte auf Gesundheitsdaten aus dem französischen Nationalen Mutter-Kind-Register (EPI-MERES) für Lebendgeburten.
Gesamtkrebsrisiko vergleichbar, Leukämierisiko leicht erhöht
MAR (künstliche Befruchtung, konventionelle In-vitro-Fertilisation [IVF] oder intrazytoplasmatische Spermieninjektion [ICSI]) betrifft etwa 1 von 30 Geburten in Frankreich (3,1%). Von den 8.526.306 untersuchten Kindern erkrankten insgesamt 9.256 zwischen der Geburt und einem Alter von sechs bis sieben Jahren an Krebs, darunter 292 durch MAR gezeugte Kinder. Das Gesamtkrebsrisiko war in beiden Populationen vergleichbar.
Allerdings wurde bei den durch IVF oder ICSI gezeugten Kindern ein leicht erhöhtes Leukämierisiko beobachtet. Dieser Anstieg ist sehr gering und stellt einen zusätzlichen Fall pro 5.000 durch IVF oder ICSI gezeugte Neugeborene im Alter von 10 Jahren dar. Von 20.000 Kindern bis zehn Jahren würden in der Allgemeinbevölkerung etwa zehn an Leukämie erkranken, sagte die Epidemiologin und stellvertretende Direktorin des Epi-Phare, Rosemary Dray-Spira. „Nach unserer Schätzung werden es bei durch künstliche Befruchtung gezeugten Kindern 13 bis 14 sein“, betonte sie.
Ob das erhöhte Risiko mit den Verfahren der künstlichen Befruchtung, der Unfruchtbarkeit der Eltern oder beiden Faktoren zusammenhängt, können die Wissenschaftler bislang nicht erklären. Dies müsse in weiteren Studien untersucht werden, hieß es.








