Kryoablation bei Brustkrebs: Eine sichere Alternative für Hochrisikopatientinnen

Kryoablation bietet eine geeignete Alternative zur chirurgischen Behandlung für Frauen mit primärem Brustkrebs, insbesondere wenn ungünstige Patienten- oder Tumoreigenschaften vorliegen oder Operationsrisiken bestehen.

Brust Ultraschall

Die Kryoablation ist ein minimalinvasives Verfahren, bei dem extreme Kälte zur gezielten Zerstörung von Tumorzellen eingesetzt wird. Bei klinischen Brustkrebs-Studien sind die Einschlusskriterien oft sehr selektiv, sodass meist nur Frauen mit gut behandelbaren Mammakarzinomen eingeschlossen werden. Eine aktuelle retrospektive Studie untersuchte die Sicherheit und Effektivität der Kryoablation in einer breiteren Patientenpopulation, einschließlich solcher Brustkrebspatientinnen, die aufgrund ungünstiger Patientenmerkmale oder Tumoreigenschaften nicht für klinische Studien geeignet sind. Die Ergebnisse wurden im 'American Journal of Roentgenology' veröffentlicht.

Kryoablation bei Hochrisikopatientinnen: Studie mit 112 Patientinnen

Ein Forschungsteam um Dr. Karim Oueidat von der American University of Beirut identifizierte zunächst 144 Patientinnen mit primärem Brustkrebs, die sich zwischen dem 1. Januar 2000 und dem 26. August 2021 einer Kryoablation unterzogen hatten. Aus der Analyse ausgeschlossen wurden Frauen, die für prospektive klinische Studien in Frage kamen, eine Kryoablation mit palliativer Absicht erhalten hatten, an multifokaler oder multizentrischer Erkrankung litten oder keine bildgebende Nachverfolgung bis zum Ende der Studie aufwiesen. Die endgültige Stichprobe umfasste 112 Patientinnen mit einem Durchschnittsalter von 71 Jahren.

Bei 61 Frauen (54,5%) wurden Tumorgrade 1, bei 40 (35,7%) Tumorgrade 2 und bei elf (9,8%) Tumorgrade 3 diagnostiziert. In 87 Fällen (77,7%) wiesen die Patientinnen einen Hormonrezeptorstatus von ER-positiv, PR-positiv oder HER2-negativ auf. Zehn Patientinnen (8,9%) hatten triple-negativen Brustkrebs.

Die Kryoablation wurde in sieben Zentren von sieben Radiologen unter Ultraschallkontrolle in einer ambulanten Umgebung durchgeführt. Das Ziel der Behandlung bestand darin, die Tumorläsion innerhalb des Eisballs zu zentrieren und sie mindestens 0,5 bis 1,0 cm über die Tumorgrenzen hinaus vollständig zu kapseln. Das Verfahren umfasste zwei Freeze-Thaw-Zyklen mit jeweils passivem Auftauen in fünf- bis zehnminütigen Intervallen.

Primärer Endpunkt der Studie war die Bewertung der Sicherheit und Wirksamkeit der Kryoablation bei Brustkrebs ohne anschließende chirurgische Entfernung, insbesondere bei Patientinnen, die nicht für klinische Studien in Frage kamen. Auch Nachfolgebiopsien und ipsilaterale Brusttumorrezidive (IBTR) wurden dokumentiert.

Geringe Rezidivraten und minimale Nebenwirkungen

Die Ergebnisse zeigten, dass die Kryoablation bei 110 von 112 Patientinnen technisch erfolgreich war. Innerhalb einer medianen Nachbeobachtungszeit von zwei Jahren wurden bei einem Fünftel der Patientinnen aufgrund verdächtiger Bildgebungsbefunde Biopsien durchgeführt. Davon waren 40,9% gut- und 54,5% bösartig.

Ein ipsilaterales Brusttumorrezidiv wurde bei 10,9% der Patientinnen diagnostiziert. Dabei handelte es sich in sieben Fällen um ein echtes Rezidiv und in fünf Fällen um eine neue Primärerkrankung. Von den betroffenen Patientinnen hatte ein Viertel zuvor eine adjuvante oder neoadjuvante Therapie erhalten.

Die kumulative Inzidenz von IBTR, unter Berücksichtigung von Todesfällen als konkurrierendes Risiko, betrug:

  • 5,3 % nach einem Jahr,
  • 12,2% nach zwei Jahren und 
  • 18,2% nach drei Jahren.

Nebenwirkungen vom Grad 1 traten bei sieben von 112 Patientinnen (6,3%) auf; schwerwiegendere Nebenwirkungen wurden nicht dokumentiert.

Sicheres Verfahren für ausgewählte Patientinnen

Die Ergebnisse legen nahe, dass die Kryoablation bei einer breiteren Patientenpopulation sicher angewendet werden kann, als es die derzeitigen Einschlusskriterien für klinische Studien zulassen. Die hohe technische Erfolgsrate und das überschaubare Nebenwirkungsprofil sprechen dafür, dass die Kryoablation bei Brustkrebs eine sinnvolle Alternative zur Operation darstellt, insbesondere für Patientinnen, die aufgrund ihres Alters, bestehender Komorbiditäten oder anderer Risikofaktoren nicht für eine chirurgische Intervention infrage kommen.

Obwohl die Rate an ipsilateralen Brusttumorrezidiven höher war als in früheren prospektiven Studien, bleibt die Kryoablation als minimalinvasives Verfahren eine sichere Option für ausgewählte Patientinnen mit ungünstigen klinischen oder tumorrelevanten Merkmalen – mit insgesamt zufriedenstellenden Ergebnissen, wie die Studienautoren betonen.

Autor:
Stand:
26.09.2024
Quelle:

Oueidat, K. et al. (2024): Cryoablation of primary breast cancer in patients ineligible for clinical trials: a multiinstitutional study. American Journal of Roentgenology, DOI:  10.2214/AJR.24.31392.

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