Hintergrund
Pro Jahr erkranken etwa 50.000 Menschen in Deutschland an Lungenkrebs; nur 10–20% von ihnen überleben die folgenden fünf Jahre. Damit ist das Lungenkarzinom der Krebserkrankung mit der höchsten Mortalitätsrate unter allen Tumorkrankheiten, heißt es in einer Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). „Deswegen brauchen wir dringend eine systematische Früherkennung. Jeder Versicherte im Erwachsenenalter sollte Anspruch auf ein Lungenkrebs-Screening haben“, fordert Professor Torsten Bauer, Past-Präsident und DGP-Vorstandsmitglied [1].
Handlungsbedarf: G-BA soll Leistungsanspruch für Lungenkrebs-Screenings definieren
Die Früherkennung eines Lungenkarzinoms mittels Computertomografie (CT) würde die Sterberate signifikant senken. Erste Studien weisen auf eine mögliche Reduzierung von bis zu 20% hin, so der Pneumologe. Die Politik hätte dieses Thema viel zu lange vernachlässigt. Laut DGP soll der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) „schnellstmöglich“ einen Leistungsanspruch der Versicherten definieren dürfen. Andere Länder mit vergleichsweise schlechter medizinischer Infrastruktur wie Großbritannien oder Kroatien setzen bereits seit Jahren erfolgreich auf Lungenkrebs-Screenings.
Geringe Überlebensrate bei Lungenkarzinom: Zeit zu handeln
Die Überlebensrate bei einem Lungenkarzinom ist gegenwärtig sehr gering. Der Tumor wird oft erst in einem späten Stadium erkannt und ist dann nur noch schwer behandelbar. Tatsächlich zählt Lungenkrebs zu den häufigsten und tödlichsten Tumorarten beim Menschen, 80% der Betroffenen überleben die Krankheit nicht.
Die Weiterentwicklung der bestehenden Therapien und die Früherkennung sind entscheidende Instrumente, um diese hohe Sterberate zu senken, schreibt die DGP. Die Pneumologie habe dieses Thema ganz oben auf ihrer Agenda und arbeite entschlossen daran, dass ein Lungenkrebs-Screening in Deutschland genauso selbstverständlich wird wie das Mammografie-Screening zur Brustkrebs-Früherkennung, macht Bauer deutlich.
Das zuständige Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) hat bereits die erforderliche Rechtsverordnung erlassen, nun müssen die nächsten Schritte in die Wege geleitet werden. Aus diesem Grund arbeitet die DGP gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie (DGT) und der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG) an einem Implementierungsplan, heißt es in der Pressemitteilung.
Früherkennung von Lungenkrebs könnte 30% der Risikopopulation erreichen
Raucherinnen und Raucher ab 50 Jahren sowie ehemalige Tabakkonsumenten mit einer ausgedehnten Rauchhistorie gehören zu den Hochrisikogruppen für Lungenkrebs. Bei einer sofortigen Einführung der Lungenkarzinom-Früherkennung, könnten in den nächsten fünf Jahren bereits 30% der Risikopopulation erreicht werden, so die Fachgesellschaften. Deshalb drängen sie auf die rasche Umsetzung eines Lungenkrebs-Screenings für alle erwachsenen Versicherten.









